Zentral und per Mausklick verwalten Admins mit Red Hats Enterprise-Stack ihre Server. Neben dem Betriebssystem Red Hat Enterprise Linux (RHEL) und dem Virtualisierungsmanagement mit RHEV kommen die umfangreichen und teuren Funktionen von Red Hat Network (RHN, [1]) mit seinen Satellite-Servern und Proxys. Die bringen ein zentrales GUI, in dem Admins ihre Server mit Betriebssystemen, Patches, neuer Software oder Updates der Konfiguration versehen. Doch das hat seinen Preis, die Kosten für die kommerzielle Lizenz der Red-Hat-Landschaft erreichen schnell vier- oder gar fünfstellige Beträge.
Spacewalk: Server-verwaltung im Eigenbau
Nicht nur deshalb erwächst Red Hat immer wieder Konkurrenz im eigenen Haus: Nach Centos, der freien RHEL-Alternative, hat jetzt auch das erst wenige Jahre alte Projekt Spacewalk [2] eine Umlaufbahn erreicht, die es für den Einsatz in Unternehmen interessant macht. Mit ihm verwaltet, konfiguriert, provisioniert und überwacht der Admin seine Linux-Server. Bare-Metal-Installationen, vollständige Rollbacks und das Management virtueller Systeme sind ebenfalls problemlos via Web-GUI möglich. Spacewalk ist nicht auf Centos oder RHEL beschränkt, es unterstützt auch Red-Hat-Derivate wie Fedora oder Scientific Linux [3].
Zwar haben sich die Spacewalk-Entwickler einem Open-Source-Pfad verschrieben, dieses Ziel aber noch nicht vollständig erreicht. Wie schon bei Red Hats Enterprise-Virtualisierung [4], für deren Administration proprietäre Software in Form eines Windows-Systems nötig ist, hat auch die freie Variante des RHN einen Makel: Sie erwartet zwingend eine Oracle-Datenbank.
Für die ist zwar keine Investition in eine Lizenz notwendig, denn Oracle bietet eine kostenlose Version an, die Spacewalk auch vollkommen genügt. Aber verständlicherweise sind die Entwickler damit nicht zufrieden und es ist gut möglich, dass die jüngsten Entwicklungen rund um den Konzern den Wunsch nach einer freien Alternative durchaus beschleunigen.
Untätig waren die Developer nicht: Noch in diesem Jahr ist wohl der vollständige PostgreSQL-Anschluss zu erwarten, der der Roadmap zufolge dann auch zügig Standardvorgabe werden soll. Das ist keineswegs purer Selbstzweck: Die Entwickler erhoffen sich einen deutlichen Schub, vor allem für die Akzeptanz bei ideologisch geprägten Anwendern. Die Oracle DB scheint diese Klientel abzuschrecken.
Nicht ohne Alternativen
Tabelle 1 zeigt die wichtigsten Funktionen, die Spacewalk übernimmt, und gibt für die einzelnen Komponenten bekannte Alternativen aus der Linux-Welt an. Das Geheimnis des Weltraumspaziergängers liegt jedoch in der gelungenen Integration der unterschiedlichen Komponenten. Die in Spalte drei der Tabelle 1 genannten Tools erfüllen ihren Zweck gut, die meisten sind De-facto-Standard in ihrem Bereich. Viele von ihnen folgen dem Unix-Dogma "One job, one tool". Aber ein Admin, der die ganze Palette einsetzen will, muss sich meist langwierig einarbeiten und die Programme erst mal richtig konfigurieren.
Tabelle 1: Spacewalk-Funktionen und Alternativen
Hier springt Spacewalk in die Bresche und stellt ein zentrales Interface zur Verfügung. Es erlaubt dem Admin aber auch vom vorgegebenen Pfad abzuweichen und beispielsweise eines der gelisteten Werkzeuge (weiterhin) zu verwenden. Das kommt beispielsweise beim Konfigurationsmanagement häufiger vor als bei manch anderen Komponenten, nicht zuletzt weil Puppet ausgereift und stabil ist und über eine mittelgroße Anhängerschar verfügt. Ähnlich typisch ist es, dass ein Admin in Sachen Monitoring Nagios, vielleicht auch Zabbix, nicht ablösen will, weil er bereits viel Arbeit in deren Integration investiert hat.