Open Source im professionellen Einsatz

Tellmatic

Auch das recht junge Tellmatic [14] tritt mit dem Anspruch an, ein modernes Marketinginstrument zu offerieren. Dank PHP und MySQL ist die Installation schnell erledigt. Das GUI bietet – ganz ähnlich wie Open EMM – die Möglichkeit, Empfänger zu beliebigen Gruppen zusammenzustellen und HTML-Templates für den Versand der E-Mails zu generieren. Ein kleiner Filemanager zum Verwalten der genutzten Attachments rundet das GUI ab.

Aber trotz der gefälligen Hilfestellung in Form eines Marienkäfers mit Sprechblase wirken die Webseiten unaufgeräumt und unübersichtlich (Abbildung  4). Was für Bastler vielleicht noch ausreichen mag, ist für die Marketing-Abteilung eines Unternehmens nicht nutzbar. Dazu verunstalten zahlreiche HTML-Darstellungsprobleme die Weboberfläche. Hier haben sich offenbar die Features schneller entwickelt als das GUI. Wer die Software testet, merkt ihr die frühe Version 1.0.8 noch viel zu deutlich an, als dass sie ernsthaft als Alternative zu Open EMM in Betracht kommen könnte.

Abbildung 4: Tellmatic bringt zwar viele Funktionen, aber leider auch jede Menge HTML-Darstellungsfehler.

Abbildung 4: Tellmatic bringt zwar viele Funktionen, aber leider auch jede Menge HTML-Darstellungsfehler.

Positiv formuliert lässt sich sagen, dass Tellmatic die Zeit für sich nutzen sollte. Mit einiger Entwicklungsarbeit und besserer Usability der GUI hat die Software durchaus das Potenzial zum guten Allrounder, auch wenn bis dahin noch ein wenig Zeit vergehen wird.

Viel Auswahl

Wer sein E-Mail-Marketing mit Open Source ausbauen will, findet für jede Ausrichtung professionelle Tools, die den Vergleich mit kommerziellen Lösungen definitiv nicht scheuen müssen. Ob beim Datenimport Klartextdateien, CSV oder ein XML-API die ideale Lösung sind, bestimmt nicht selten auch die Quelle der Addressdaten und die Frage, ob die alte Software, zum Beispiel ein CRM, weiter Verwendung finden soll.

Bei aller Euphorie darf der Admin jedoch auch die RFC-konforme Konfiguration der ausgehenden Mailrelays nicht vergessen. Die ist nämlich entscheidend dafür, dass die versandten E-Mails beim Kunden nicht von vorneherein im Spamfilter hängen bleiben. Wer diese Arbeit scheut, verlässt sich besser auf das Mailrelay seines Hosters.(mfe)

Infos

  1. Majordomo: http://www.greatcircle.com/majordomo
  2. Majorcool: http://www.siliconexus.com/MajorCool
  3. Peer Heinlein, "Massenversand": Linux-Magazin 02/05, S. 62
  4. Peter Samulat, "Postwurfsendung": Linux-Magazin 11/00, S. 128
  5. Majordomo 2: http://www.mj2.org
  6. Mailman: http://www.gnu.org/software/mailman
  7. Sympa: http://www.sympa.org
  8. Matthias Warkus, "Listenreich": Linux-Magazin 02/10, S. 72
  9. Stefan Neufeind, "Postverteilung": Linux-Magazin 04/08, S. 70
  10. Easy Mailing List Manager (Ezmlm):http://www.ezmlm.org
  11. Mailing List Management Made Joyful (Mlmmj): http://mlmmj.org
  12. Open EMM: http://www.openemm.org
  13. Falko Benthin, Jan Rähm, "Auf dem Weg": Linux-Magazin 11/08, S. 60
  14. Tellmatic: http://www.tellmatic.org

Der Autor

Peer Heinlein stellt mit seinem Unternehmen "Heinlein Support" die Verfügbarkeit und den Support geschäftskritischer Linux-Infrastrukturen sicher. Er ist seit 1992 auf Maildienste spezialisiert, hat das "Postfix-Buch" geschrieben und ist für Mailserver, Archivierung sowie Spam- und Virenabwehr vieler ISPs, Rechenzentren und Unternehmen verantwortlich.

Im Mai 2011 lädt er wieder zur Mailserver-Konferenz nach Berlin.

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