Open Source im professionellen Einsatz

Auf Festplatte installieren

Mit Knoppix wollte ich eine auf den Live-Betrieb optimierte, schnell startende und umfassend vorkonfigurierte Linux-Arbeitsumgebung schaffen. Viele Anwender, die Knoppix aber "mal eben auf Platte installieren" wollten, haben mich nach einiger Zeit davon überzeugt, einen entsprechenden Installer anzubieten. Anders als die umfangreicheren Installationsprogramme mit detaillierter Auswahl bei anderen Distributionen beschränkt sich der Knoppix-Installer darauf, das Live-DVD-System aus- und auf die Festplatte zu packen.

Dieses minimalistischen Konzepts wegen hört der Installer auf den etwas merkwürdigen Namen »0wn«, was für "Zero Work Needed", also für "kein Aufwand" steht. Der mit Knoppix 6.5 abermals überarbeitete Installer im »Einstellungen«-Menü ist zudem eine der schnellsten Methoden, Debian gebrauchsfertig auf die Festplatte zu bekommen. Durch das Auspacken schwillt die Datenmenge von kompakten 4 GByte der Live-DVD auf 12 bis 15 GByte auf der Platte. So viel freier Platz sollte dort vorhanden sein, plus eine Swap-Partition von mindestens 1 GByte Größe. Das vom Installer verwendete Verfahren ist wirklich simpel:

  • Anlegen einer zusätzlich vorhandenen Linux-Daten- und
    einer Swap-Partition oder die Auswahl von »Ganze Festplatte
    benutzen«. Gparted aufrufen ist auch eine Option.
  • Dekomprimieren des Cloop-Container-Image (Datei
    »KNOPPIX/KNOPPIX«) auf die Linux-Partition.
  • Schließlich das Einrichten des Bootladers Grub.

Zunächst zeigt der Installer den üblichen Backup-vor-Partitionieren-Hinweis. Denn sowohl Mensch als auch Maschine könnten beim Löschen ja irren.

Windows-gewohnte Anwender berichten mir, dass die Reihenfolge von Festplatten oder Partitionen unter Linux "anders als gewohnt" sei. Das Problem ist aber nicht unbedingt technischer Natur: Linux erkennt die Festplatten in der Reihenfolge, in der sie beim Hochfahren und Laden der Controller-Module im System sichtbar werden. So kann es passieren, dass nicht die interne Festplatte, sondern das USB-Flash, von dem Knoppix startet, »/dev/sda1« beziehungsweise »C:« wird.

Auf USB-Stick oder SD-Karte übertragen

Die Distribution auf einer Flashdisk zu installieren ist die am häufigsten genutzte und komfortabelste Art, Knoppix zu "mobilisieren". Sie kombiniert die Vorteile der automatischen Hardware-Erkennung und der Kompression der Systemdaten mit der Möglichkeit, eigene Dateien sowie System- und Benutzereinstellungen permanent zu speichern. Das Tool »flash-knoppix« unter »Einstellungen | KNOPPIX auf Flash installieren« erwartet, dass das Zielmedium mit einer primären FAT32-Partition bereits fertig partitioniert ist (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: Flash-knoppix ist mit und ohne Neuformatierung in der Lage, die Knoppix-Daten und den Syslinux-Bootloader auf Datenträger zu installieren.

Abbildung 5: Flash-knoppix ist mit und ohne Neuformatierung in der Lage, die Knoppix-Daten und den Syslinux-Bootloader auf Datenträger zu installieren.

Das ist bei den USB-Flashdisks und SD-Karten frisch aus der Verpackung auch meist der Fall - allerdings partitionieren einige Betriebssysteme diese gerne im Floppy-Modus, wodurch die Partitionstabelle verloren geht. Dann funktioniert die Methode nicht und der Besitzer muss zunächst ein Partitionierungstool aufrufen, um wieder eine primäre DOS-Partition auf dem Flash zu erzeugen.

Flash-knoppix ist auch ohne Neuformatierung in der Lage, einfach nur die Knoppix-Daten auf dem Datenträger hinzuzufügen und den Syslinux-Bootloader zu installieren. So können auch Besitzer von Digitalkameras oder Handys mit Micro-SD-Karte Knoppix auf deren Speicher installieren, ohne ihre Fotos zu verlieren. Es klingt kurios, aber man kann einen PC von einer Digicam booten.

Beim ersten Systemstart von Flashdisk fragt Knoppix die gewünschte Größe des persistenten Image, das die Einstellungen und persönliche Dateien speichert, in MByte ab. Einzugeben ist eine Zahl zwischen »200« und »4000«. Sind weniger als 200 MByte frei, überspringt Flash-knoppix die Abfrage allerdings. Daher sollte der USB-Stick besser 8 GByte groß sein, obwohl die Linux-Magazin-Version von Knoppix 6.5 meist auf einem 4-GByte- Flashmedium ausreichend Platz für die Installation vorfindet.

Ein kleiner schmutziger Tipp für Rechner, die das Booten vom USB-Stick nicht oder nicht richtig unterstützen: Einfach bei eingestecktem USB-Stick von der DVD starten, mit deren Hilfe der Stick installiert wurde, und - sobald Kernel und Ramdisk geladen sind - die DVD zügig auswerfen. Die geladene Mini-Ramdisk durchsucht nun alle Laufwerke und arbeitet auf dem USB-Stick weiter.

Knoppix-Support

Linux-Magazin-Käufer, die Probleme mit der DELUG-Knoppix-DVD haben, sind nicht auf sich allein gestellt: Hat der Datenträger offensichtlich einen Transport- oder Verpackungsschaden, was ab und an leider vorkommt, genügt eine Mail an [info@linux-magazin.de] mit einer kurzen Schilderung des Problems und Nennung der Postanschrift. Wenige Tage später leistet der Verlag kostenlosen Ersatz.

Bei anderen technischen Problemen hat sich Klaus Knopper dazu bereit erklärt, Fragen zu Knoppix 6.5 zu beantworten, entweder über das Kontaktformular [http://knopper.net/kontakt/?kontakt=knoppix] oder per E-Mail an [knoppix@linux-magazin.de].

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