Open Source im professionellen Einsatz

Forken bingt's: Adempiere

Die freie Software Adempiere [7] nahm ihren Anfang im Jahr 2006 als Fork des ERP-Systems Compiere [8]. Differenzen zwischen der gleichnamigen Firma hinter Compiere mit den Entwicklern der Community lieferten die Ursache. Deshalb erstaunt es auch nicht, dass die Unabhängigkeit von jeglichen Herstellern für den Entwickler und Adempiere-Dienstleister Norbert Wessel [9] besonders wichtig ist: "Wenn eine ERP-Software Hersteller-getrieben ist, besteht immer das Risiko, dass dieser die Lizenz ändert. Bei Adempiere kann dies nicht passieren."

An dem Beispiel zeigt sich, dass eine plötzliche Lizenzänderung für die Anwender kein hohes Risiko darstellt. Bei ausreichender Unterstützung in der Community lebt die Software unter neuem Namen mit freier Lizenz weiter. Bei Compiere stehen die Grundfunktionalitäten als so genannte Standardversionen bis heute unter der GPL, Zusatzversionen sind mit anderen Lizenzen häufig kostenpflichtig. Die damalige Firma Compiere gibt es heute nicht mehr, im Juni 2010 hat Consona aus Indianapolis das Unternehmen gekauft.

Adempiere hat sich nach seiner Abspaltung schnell etabliert. Rund 120 Entwickler arbeiten weltweit an der Software, in Deutschland haben sich die Unterstützer in einem Verein organisiert. Die Software steht auf Sourceforge [10] regelmäßig unter den Top Ten mit der meisten Aktivität. Adempiere bietet die wesentlichen Funktionen für Einkauf, Verkauf, Rechnungswesen und Materialwirtschaft sowie zahlreiche Auswertungsmöglichkeiten. Die Datev-Schnittstelle und auch die wichtigsten Kontenrahmen sind frei verfügbar (Abbildung 5).

Abbildung 5: Adempiere hat sich auf den deutschen Markt eingestellt und liefert Kontenrahmen und Steuersätze. Eine Datev-Schnittstelle ist frei verfügbar.

Einmal zahlen reicht

Wünscht der Anwender die Anbindung an den Webshop, stehen Dienstleister bereit und integrieren diese über Webservices. Vereinsmitglied Norbert Wessel sieht einen weiteren Vorteil, den Open Source dem Anwender bietet: "Wir berechnen keine Funktionalität ein zweites Mal. Wenn wir einmal etwas auf Kundenwunsch programmiert haben, fließt der Code wieder in die freie Version." Geld verdienen die Dienstleister mit Support und Beratung.

"Im Unterschied zu anderen Anbietern können wir allerdings keine kostenlosen Beratertage im Vorfeld bieten", erläutert Wessel. Dies sei aber auch gar nicht nötig, meint er, denn wenn die Kunden bei ihm landen, hätten sie sich die Software bereits heruntergeladen und wären bestens informiert. "Das Geld, das die proprietären Unternehmer in die beratungsintensiven Presales-Aktionen stecken, schlägt sich ja auch in den hohen Lizenzkosten nieder", meint er.

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