Das Rad nicht neu erfinden
Zunächst dachte Wirtschaftsinformatiker Högn daran, eine hauseigene Lösung mit Hilfe von Open-Source-Bausteinen selbst umzusetzen – noch dazu, weil IT-Know-how im Unternehmen vorhanden war. Schnell stellte er jedoch fest, dass dies zu aufwändig wäre. Bei seiner anschließenden Suche stand die gewünschte Funktionalität im Vordergrund.
"Wir haben im Unternehmen durchaus eine Affinität zu Linux und der Chef hatte mal die Vorstellung, dass wir alles auf freie Software umstellen könnten. Aber es zählt, was umsetzbar ist und was die Mitarbeiter annehmen und nutzen", erläutert Högn den pragmatischen Ansatz seiner Evaluierung.
Syntax, ein Newcomer
Neben Yabs macht auch die Finanzsoftware Syntax von sich reden, geschrieben von Olaf Willuhn. Der Entwickler ist vor allem durch seine Onlinebanking-Software Hibiscus [4] bekannt, seit Oktober 2010 hat er auf seiner Webseite Willuhn.de unter der GPLv2 die Finanzbuchhaltung veröffentlicht.
Mit seiner neuen Fibu will er nun vor allem den Kleingewerbetreibenden, die keine doppelte Buchführung benötigen, eine Open-Source-Lösung bieten. Mit dabei sind die Kontenrahmen SKR03 und 04, die Software ist mehrmandantenfähig (Abbildung 3). Syntax ist wie Hibiscus ein Plugin zu seinem Framework Jameica.
Project-Open sollte es sein
Die meisten ERP-Pakete befand der Berater für zu komplex. Nach einem direkten Vergleich mit zwei weiteren Systemen entschied sich der Mittelständler für Project-Open [6], das zudem mit seiner drolligen Schreibweise ]project-open[ auffällt. Sie steht zu weiten Teilen unter der GPL, einzelne Module sind kostenpflichtig. Laut Maximilian Högn werde an Project-Open der Vorteil der quelloffenen Lösung deutlich: "Erfreulich war dann schon, dass die Lizenz selbst nichts kostet. Dafür können wir das Geld in die Anpassung investieren."
Nach einem Jahr im Einsatz zieht der Unternehmensberater positiv Bilanz: "Project-Open erfüllt alle unsere grundsätzlichen Anforderungen", meint er (Abbildung 4). Zwar würden in der Praxis wieder neue Wünsche auftauchen, aber: "Wir können jederzeit weitere Funktionalitäten beauftragen."
Als kleine Kritik merkt er an, dass die Kollegen, die Wert auf schöne Optik und "geschmeidiges Handling" legen, nicht so richtig glücklich sind. "Für die typischen I-Phone-Nutzer", so Högn, "könnte das Look and Feel durchaus schöner werden." Als tatsächlich wunden Punkt nennt er die fehlende Synchronisation mit MS Outlook, das die Berater gern mit dem CRM-System einsetzen würden.
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