Open Source im professionellen Einsatz

Open ERP mit Python

Unter den Zuhörern bei der Veranstaltung sitzt auch Julia Grothe. Sie ist in der Administration des mittelständischen Unternehmens Theraline [13] tätig. Der Hersteller von Stillkissen wollte seine bisherige ERP-Lösung wechseln, weil das alte System nicht die nötige Flexibilität für den Webshop bietet. Grothe berichtet, dass ihre Firma bislang nur proprietäre Software und mit Microsoft Windows einsetzt. Einzig auf dem Kommunikationsserver mit Asterisk und dem Mailserver läuft Linux.

Der Gewohnheit folgend zielte der suchende Blick in Sachen ERP-Software zunächst nach Redmond: Theraline hat ein Pflichtenheft für Microsofts Navision erstellt, 15 Unternehmen gaben Angebote ab. Die Wende brachte ein Dienstleister, der für den Webshop das freie Magento in den Ring schickte und den Mittelständler auf Open ERP hinwies. Die Administratorin zeigte sich von der Flexibilität und Modularität der freien Software angetan, auch die Idee dahinter hat sie infiziert: "Wenn schon ,Have Fun' das Motto ist, dann geht man doch ganz anders an die Sache", so Grothe.

Ein Argument, das aus Sicht mancher Dienstleister für Open ERP spricht, ist die zugrunde liegende Programmiersprache Python. Auch die LIS AG [14], ein Dienstleister aus München, bietet die Software seinen Kunden an. Neben der Skriptsprache gefallen dem Anbieter die umfangreiche Dokumentation, die Standardschnittstellen und die Modularität des Systems.

"Was man auch nicht vergessen sollte, ist die Software auf dem Desktop. Web-basierte Software bietet den klaren Vorteil, dass sie sich unabhängig vom darunterliegenden Betriebssystem einsetzen lässt", erläutert Firmenchef Rudolf Strobl und betont: "Für Unternehmen ist der Migrationsaufwand dadurch ein Stück überschaubarer."

"SQL-Ledger ist nichts für Jungunternehmer"

Christian Schuhart, freier Entwickler und Dienstleister [15], findet es hingegen völlig normal, dass SQL-Ledger [16] nicht out of the Box funktioniert. Er rät: "SQL-Ledger ist ein Framework, für mich eine klar strukturierte, übersichtliche Basis für die Anpassungen. Allerdings ist es für Jungunternehmer nicht geeignet. Der Kunde sollte Erfahrung mit den Abläufen in einem kaufmännischen System haben, worauf er aufbauen kann."

Um die ERP-Variante selbst zu verwalten, sind nach seiner Darstellung umfangreiche Kenntnisse in HTML, Perl, Latex, PostgreSQL und Webservern nötig. "Wenn der Kunde aber ein fertig aufgesetztes System hat", ergänzt er, "läuft alles Browser-gestützt und er muss sich um nichts mehr kümmern."

Genauso erging es Steffen Eigenwillig, Inhaber des Solaranlagenbauers Greenwatt GmbH [17]. In seinem Unternehmen mit sechs Mitarbeitern setzt er seit Jahren auf Linux und Open Source, das war für ihn ein wesentliches Kriterium bei der Wahl der ERP-Software. Als er SQL-Ledger entdeckte, versuchte er es zunächst selbst zu installieren, scheiterte jedoch. Nach dem Setup durch den Dienstleister im Jahr 2006 zeigt er sich bis auf "kleine Rundungsprobleme" so weit zufrieden mit seiner Wahl.

Federführend hinter SQL-Ledger steht Dieter Simader mit seiner Firma DWS Systems [16], die mit dem Support ihr Geld verdient. Auch bietet sie einzelne Pakete in Form einer separaten Enterprise-Version als Closed Source an. Simaders englischsprachiges SQL-Ledger-Anwenderhandbuch kostet 130 kanadische Dollar (rund 100 Euro). Auf der Webseite gibt er an, damit die Weiterentwicklung zu finanzieren. Eine schriftliche Dokumentation für Entwickler bietet er für 1200 kanadische Dollar an.

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