Open Source im professionellen Einsatz

Reichhaltiges Angebot

Abgesehen von diesen Schwächen: Online-Anwendungen bieten sich als Lösung für zahlreiche Einsatzzwecke an. Manchmal sind sie nicht nur eine Alternative, sondern stellen sogar den Primus ihrer Softwaregattung, beispielsweise das Monitoringtool Nagios. Weitere Onlinetools für Administratoren sind Frontends für Verzeichnisdienste und Datenbanken, ITSM-Anwendungen, netzwerkfähige Backuplösungen oder Kontrollpanels wie Webmin. Wer Open-Source-Verzeichnisse wie Freshmeat.net durchforstet, findet Web-gestützte Software auch für Projektmanagement, Online-Lernen, Umfragen oder einzelne Bedürfnisse wie das Erzeugen von Barcodes.

Die Qualität der angebotenen freien Software reicht von Anfänger-Basteleien bis zur Enterprise-Klasse. Einige Anwendungsfälle bieten sich allerdings nicht zur Umsetzung als Onlinedienst an. Dabei handelt es sich um professionelle Audio- und Videobearbeitung, bei der hohe Übertragungsraten erforderlich sind, die selbst lokal oft nur mit spezieller Storage-Hardware erreicht werden. Pixel- und Vektorgrafik-Anwendungen gibt es nur rudimentär und Computer-aided Design (CAD) findet nicht im Web statt.

Admins Freud und Leid

Was den Administrator freut: Webanwendungen lassen sich wie beim Server-based Computing zentral warten und aktualisieren. Selbst der Testbetrieb und Migrationen sind durch URL- oder DNS-Änderungen leichter zu meistern. Was weniger schön ist: Um die Installation moderner Browser auf den Clients kommt man dennoch nicht herum.

Sind gar noch Plugins gefordert, und sei es nur, um PDFs anzuzeigen, steigt die Komplexität. Das Flash-Plugin für 64-Bit-Linux beispielsweise stand Mitte 2010 einige Monate lang gar nicht zur Verfügung [6]. Daneben kann es beim Einsatz von Webanwendungen zu einer Situation kommen, die Anwender und Admins gleichermaßen nervt: Es existiert ein CRM, ein Wiki, ein Webkalender und ein Bugtracker – und für alle gibt es eine eigene Benutzerverwaltung mit eigenem Passwort.

Abhilfe schafft hier Single-Sign-on (SSO), wie es beispielsweise die Open-Source-Software Shibboleth [7] umsetzt. Sie kommt unter anderem im Web der Universität von Texas zum Einsatz, die damit ihren Zoo aus Einzelanwendungen bändigt. Dank Shibboleth melden sich die Universitätsangehörigen nur einmal an, die Authentifizierung gegenüber den weiteren Anwendungen übernimmt der zentrale Identity-Provider.

Das Projekt wird vom US-amerikanischen Forschungsministerium gefördert und hat weitere Bildungseinrichtungen in den USA und Großbritannien als Anwender. Zu den Shibboleth-fähigen freien Webanwendungen gehören das CMS Drupal, Mediawiki, Dokuwiki, Wordpress, die Lernplattform Moodle und die Mailinglisten-Software Sympa.

Einzelne Webanwendungen lassen sich rasch im Unternehmen einführen, das Angebot ist gerade im Open-Source-Bereich verlockend. Mit zunehmender Zahl verlangen sie aber nach einem übergreifenden Konzept, sonst drohen Wildwuchs, mehrfache Datenhaltung, Synchronisationsprobleme und Passwortflut. Es bleibt zu hoffen, dass sich Single-Sign-on-Lösungen mit freier Software weiter verbreiten. Ebenfalls wünschenswert: Ein freier Standard, über den Webanwendungen auf Dokumente in Cloudspeichern zugreifen können, inklusive Berechtigungssystem.

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