Citrix Xen Desktop
Dass Citrix nicht viel von PCoIP hält, belegen zwei Zitate führender Manager [25]. Vor allem die Performance spräche für die Citrix-Eigenentwicklung HDX [28], meint der für Desktop-Produkte zuständige CTO Harry Labana und spricht von einer "Dimension" weniger Bandbreite. Citrix will sich ganz offensichtlich gegen VMware positionieren und seine jüngsten Errungenschaften promoten.
Der Klassiker unter den Highend-Terminalservern, der Citrix Presentation Server, erlaubte es, einzelne Anwendungen seamless zu exportieren oder einen hochverfügbaren Cluster aufzubauen. Dazu gab es – lange als Alleinstellungsmerkmal – ein übersichtliches GUI für den Admin, mit dem er jedem User Kontexte und Anwendungen freigeben oder verbieten konnte. Linuxer hatten von all dem wenig: ICA und Citrix-Produkte blieben immer eng mit Microsoft verwoben, auch wenn der Hersteller schon früh stabile Linux-, Unix-, OS-X-Clients und sogar einen Server für HP-UX anbot.
Mit dem Kauf von Xensource kam der Sinneswandel. Citrix betrat den Markt der Virtualisierungsserver und versprach eine leistungsfähige Umgebung um die Xen-Architektur zu bauen. Der Xen Desktop [29] setzt auf dem Xen Server auf, gilt als direkter Konkurrent von VMware View und liegt bereits in Version 5 vor. Wer will, kann damit seine virtuellen Desktops aber auch in einer V-Sphere oder auf echten Blades hosten. Die Features gleichen denen des Marktführers, wobei Citrix in Technik und Marketing ganz bewusst die Multimedia-Fähigkeiten in den Vordergrund stellt.
Xen Server und Apps
Der Xen Server (Abbildung 12 und 13) ist eine Centos-Maschine mit Xen-Hypervisor, die der Admin von einer Windows-Anwendung aus administriert, und ist in einer abgespeckten Version frei erhältlich. Xen Apps [30] als Nachfolger des Presentation Server dagegen bohrt nur die RDP-Dienste von Microsoft Windows 2008 Server auf und erlaubt Admins, einzelne Applikationen auszuwählen ohne den ganzen Desktop zu exportieren.
Das neueste Kind von Citrix ist das HDX-Protokoll, das fest in den Xen Desktop integriert ist. Mit tiefschürfenden Details dazu hält sich der Hersteller leider bedeckt, in den PDFs, Whitepapers oder im Knowledge Center auf der Webseite findet sich wenig technisch Anspruchsvolles über die Funktionsweise des Protokolls. Die Vorteile reichen von Multimediabeschleunigung bis zum Bandbreitenmanagement.
HDX kann zahlreiche Codecs von Divx bis AC3 zur automatischen Video- oder bidirektionalen Audio-Kompression verwenden. Neben bewegten Bildern und Ton stehen auch 3-D, Plug&Play für USB-Geräte und Monitore, intelligentes Caching, diverse Methoden der Bandbreiten-abhängigen Traffic-Optimierung, aber auch Desktopclients für Smartphones auf der Featureliste.
Die Xen-Familie besteht aus einem ganzen Bundle an Tools: Desktop Studio passt die Desktops an, Director sorgt fürs Shadowing im Helpdesk. Xen Client kann in der Developer-Version schon Ubuntu-Images provisionieren, auch offline. Unter Linux fehlt noch ein HDX-Agent (Virtual Desktop Agent), daher profitieren nur exportierte Windows-Desktops von der Beschleunigung.
Die Technologie hat ihren Preis, auch wenn es einen Linux-Client gibt [31], das gesamte Paket ist doch für Windows-Anwender ausgelegt. Ab 100 Euro pro Gerät, Client und User geht es los, für gleichzeitige Verbindungen verlangt Citrix 200 Euro, alles ohne Xen Server. Der fürs Management benötigte Windows-Server schlägt extra zu Buche.
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