Teamviewer 6
Anders als die anderen Produkte in diesem Vergleich will Teamviewer gar keine Terminalserver-Software sein, sondern versteht sich als reine Remote-Wartungs- und Präsentations-Software. Sie richtet sich eher an Admins, die entfernte Systemen warten, zum Beispiel bei Kunden mit Supportverträgen für die eigene Desktopsoftware.
Da greift der (in der Regel Windows-)Admin unkompliziert per Teamviewer auf Systeme zu, während die Anwender eingeloggt sind, und hilft ihnen per Chat, Audio- und Videokonferenz bei der Lösung eines Problems. Dass sich dabei je nach Kunde ein eigenes Template mit angepasstem Logo verwenden lässt, unterstreicht die Zielgruppe der Supportdienstleister. Es spricht jedoch nichts dagegen, die Clientsoftware auf einen zentralen Server zu verfrachten und die Anwender mit Teamviewer-Software remote arbeiten zu lassen. Nur ums Management der Systeme muss sich der Admin dabei selbst kümmern.
Teamviewer macht es dem Anwender sehr einfach. Um Firewall- oder Routingregeln braucht er sich nicht zu scheren, weil jeder Client beim zentralen, vom Hersteller verwalteten Server eine ID erhält und über diese von überall jederzeit erreichbar ist (Abbildung 7), wenn der Client läuft. Optional lassen sich aber auch (zum Beispiel im LAN) direkte Verbindungen herstellen.
Der Administrator, der sich einloggt, benutzt die gleiche Software und braucht nur die Zugangsdaten und die richtige ID einzugeben – und schon klappt die Verbindung. Die ist auch über die Teamviewer-Webseite vom Browser aus möglich. Ob eine derart weit reichende Abhängigkeit von einem Hersteller im Unternehmen tragbar ist, muss jeder IT-Leiter wohl für sich entscheiden.
Neben der Vollversion gibt es die Software in diversen Varianten: Bei Teamviewer Quicksupport muss der Client dem Admin die ID selbst mitteilen, während die Host-Variante eine permanente ID erhält. Mit Quickjoin verfolgen beliebig viele Clients eine zentrale Präsentation, Teamviewer Portable landet auf einem USB-Stick, der Teamviewer Manager (Abbildung 8) bringt eine Verwaltungsoberfläche für die freizugebenden Rechner. Die Software ist für private Nutzung kostenlos, Enterprise-User müssen sich so genannte Kanäle kaufen.
Der typische Verbindungsaufbau von Teamviewer läuft über den zentralen Server ab, der Erstkontakt eines Clients ist immer der Masterserver des Herstellers (Abbildung 9). Wenn der – wie in ungefähr 70 Prozent aller Fälle – beim Handshake feststellt, dass auch eine direkte Verbindung zwischen den Clients möglich ist, baut er diese auf. Die Software verschlüsselt mit RSA-Keys in 256 Bit, nur wenn beide Rechner sich im selben LAN befinden, dann reicht die symmetrische Verschlüsselung.
Das Protokoll für die Darstellung der Desktops nutzt UDP und TCP, soll VNC ähneln, ist aber proprietär und öffentlich wenig dokumentiert. Die Kompression passt sich dynamisch an die Rahmenbedingungen an, für die Audio-Übertragung kommt Speex, für Videos der Theora-Codec zum Einsatz. Während der Sitzung speichern Caches auf beiden Seiten Elemente der Desktops, sodass Teamviewer auch bei Modemverbindungen mit nur 56 KBit/s noch von einer "akzeptablen Verbindung" spricht.
Teamviewer ist – der Zielgruppe entsprechend – vergleichsweise günstig [22]. Für die billigste Lizenz fallen einmalig etwa 600 Euro an (plus 120 Euro für jeden weiteren Arbeitsplatz). Wer drei gleichzeitige Sitzungen veranstalten will, muss mit etwa 2100 Euro rechnen, plus 700 Euro für jeden weiteren Kanal. Für so viel Geld gibt es dann aber die ganze Palette der Teamviewer-Software, inklusive Manager und Portable-Option.
In der jüngst erschienen Version 6.0 hat der Hersteller die Performance optimiert, das Benutzerinterface vereinfacht und für automatische Reconnects nach Reboots gesorgt. Neben 19 neuen Sprachversionen legt Teamviewer derzeit größtes Gewicht auf die Optimierung der Multimedia-Fähigkeiten und Audio-Video-Kommunikation. Die Software gibt es für Windows, Linux, mobile Geräte und Mac.
VMware View 4.5
Der Virtualisierungs-Marktführer hat mit VMware View ein eigenes, reichlich komplexes VDI-Produkt zu bieten. Aufbauend auf der V-Sphere mit dem Hypervisor ESX und dem Management-Tool V-Center ([10], Abbildung 10) verspricht der Hersteller Tausende von Desktops zentral zu virtualisieren und zu verwalten. Bei Letzterem hilft der View Manager (Abbildung 11), er ist für Provisioning, Updates und Patches zuständig.
Das Paket enthält außerdem mit Thin App und dem View Composer zwei Tools, die die Images verwalten und deren Platzbedarf optimieren. Windows-User freuen sich über die Endpoint-Security in Form von Antivirus- und Malware-Schutz, den Vshield mitbringt. Auf der Webseite [23] gibt VMware Interessierten detaillierte Informationen, von [24] lässt sich nach der obligatorischen Registrierung ein 60-Tage-Testpaket herunterladen.
VMware View ging aus VMware VDI hervor und läuft auf der gleichen Infrastruktur wie V-Sphere. Das heißt, der Admin konfiguriert es mit V-Center unter Windows und dem View Manager im Browser. Auf die virtuellen Desktops greifen die User per View Client über das PCoIP-Protokoll (PC over IP, [25]) zu. Für Linux gibt es einen offenen Client [26] oder den Zugriff auf die Instanzen mit VNC, RDP oder NX.
Das proprietäre Protokoll hat sich auch bei Hardwareherstellern wie Dell, Samsung oder IBM als Standard etabliert. Ursprünglich von Teradici [27] entwickelt, findet sich eine reiche Palette an Endgeräten und PCI(e)-Devices, die ohne Konfiguration als Zero-Client arbeiten, zum Beispiel in LCD-Monitoren, die mit einem Chip zu Thin Clients werden. Weil PCoIP Komprimierung und Verschlüsselung einsetzt, soll das auch über schmale Bandbreiten funktionieren – oder aber in HD-Qualität und mit voller Unterstützung für USB-Geräte.
Die Lizenzkosten für VMware View fangen mit dem Enterprise Starter Kit (besteht aus V-Sphere, View und View Manager) bei knapp 1500 Euro an. Dafür gibt's zwar nur zehn Lizenzen, aber immerhin schon drei Jahre lang 24/7-Support. In den meisten Fällen müssen Admins jedoch tiefer in die Tasche greifen und ein Premier-Kit für etwa 2500 Euro anschaffen. Das hat neben dem Composer, Thin App und anderen Erweiterungen auch den Local Mode an Bord, der virtuelle Instanzen auch offline, zum Beispiel auf Laptops betreibt. Eine komplette V-Sphere-Landschaft mit mehreren Servern kostet dank der geschickten Preispolitik des Herstellers schnell einen fünf- oder sechsstelligen Betrag.
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