Komplett Open Source
X2go erweist sich als waschechtes Open-Source-Projekt, das der Admin am einfachsten mit der Zeile
deb http://x2go.obviously-nice.de/deb/ lenny main
in seine Debian-Quellen integriert und per Aptitude installiert. 2010 wurde auch Suse auf das Projekt aufmerksam, seitdem gibt es auch RPM-Pakete fürs Chamäleon.
In den Debian-Repositories findet sich eine lange Liste an ».deb«
-Files, die sauber getrennt voneinander unterschiedlichen Zwecken dienen, 26 an der Zahl. Darunter findet sich das Ubuntu-Server-one-Paket (-Home), das sich konfigurationslos installiert und die ideale Wahl für einen schnell aufgesetzten, einzeln stehenden Terminalserver mit lokaler Authentifizierung ist.
Fortgeschrittene Anwender finden Features wie die Smartcard-Authentifizierung (»x2gosmartcardrules«
), komprimierten Druck (»x2goprint«
) oder die LDAP-Benutzerverwaltung (»x2goldaptools«
) in separaten Paketen. Bei der Server-Variante klinken sich Administrationstools nahtlos ins KDE-Kontrollzentrum ein (»x2gogroupadministration«
, »x2gouseradministration«
und »x2gohostadministration«
). X2gospyglass dagegen eignet sich prima für Schulen oder Weiterbildungen: Es sammelt Screenshots aller angeschlossenen Terminals und stellt sie als Thumbnails in einer schnellen Übersicht für den Lehrer dar. Mit X2gothinclient steht darüber hinaus noch eines der älteren Module zur Verfügung, das PXE-Boot mit echten Thin Clients ermöglicht.
Kleiner Heuler
Der Seehund Phoca ist das Markenzeichen von X2go, er findet sich in vielerlei Formen. So heißt beispielsweise das Beta-Repository »heuler«
, es gab eine Version namens Uthoern, die seit Mai 2010 erwartete nächste Release nennt sich Baikal und im Login-Fenster grüßt das weiße, pelzige Robbenbaby.
Bei der Architektur haben die Entwickler einiges anders gemacht als das ehemalige Vorbild NX. Sie verzichten zum Beispiel auf den Umweg über den »nx«
-User und loggen die Anwender direkt via SSH ein, was viele Integrationen deutlich einfacher und standardkonformer macht. Lokales Drucken von Remote-Daten etwa erledigt X2go einfach über die Kombination aus Cups, Fuse und SSHFS.
Darüber hinaus überarbeitete die wachsende Zahl an Entwicklern den Stack der Free-NX-Bibliotheken und implementierte viele Teile neu. Jüngster Spross aus dieser Richtung ist die Libssh, mit der sich laut Heinz-Markus Graesing deutliche Performance-Zuwächse gewinnen lassen: "Connect-Zeiten werden deutlich kürzer und die Verbindungen stabiler. Da hat vor allem Oleksandr sehr viel Zeit investiert, ein kompletter Rewrite vieler Komponenten war notwendig."
Schon früh setzte das Team auf Pulseaudio für die bidirektionale Audio-Übertragung, was erstaunlicherweise sogar Skype-Videotelefonie via Terminalserver auf einem N900 möglich macht. Ein Video auf der X2go-Webseite zeigt, wie sich ohne Probleme Einschränkungen von Internetprovidern umgehen lassen.
Eine der neuesten Entwicklungen um X2go sind Desktopsharing (Abbildung 4) und das neue Browser-Plugin (Abbildung 5). Das bisherige Firefox-Plugin soll nun gar nicht mehr offiziell als "stable" released werden. An seine Stelle tritt "demnächst" (Graesing) der auf »QTBrowserPlugin«
basierende Nachfolger, der später auch in Internet Explorer, Safari und Chrome laufen soll. "Es ist fast fertig. Das Problem mit dem alten Plugin war, dass wir alle Bugs, die durch die Arbeit mit der NS-Plugin-Schnittstelle entstanden, selber fixen mussten. Das wäre auf Dauer zu viel Arbeit gewesen", so Graesing zum Linux-Magazin.
Wer Highend-Features wie einen hochverfügbaren Cluster mit X2go aufbauen will, muss noch selbst für die nötige Infrastruktur sorgen. Die Konkurrenten wie NX oder Citrix bringen das gegen teures Geld mit. Doch auch daran arbeiten die Entwickler. Abbildung 6 zeigt die geplante Infrastruktur mit zentralem Profil- und Sitzungsmanager (X2gomanager).Der X2goproxy und das Json-Admin-GUI sollen in Testversionen bereits laufen. Auch die Integration in freie Wolken wie Owncloud ist geplant. Was X2go dagegen noch völlig fehlt, ist jede Form der Videokomprimierung.
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