Nomachine NX 4
Nomachine, der erste Kandidat im Vergleich, nutzt eine ausgefeilte Kombination aus SSH- und diversen Kompressions- und Caching-Mechanismen, um entfernte Desktopsitzung auf den lokalen Rechner zu holen (Abbildung 1). Die eingesetzten NX-Libraries hatten die Entwickler schon 2003 unter die GPL gestellt und mit eigenen Algorithmen kombiniert.
Daher sorgte Mitte Dezember eine Pressemitteilung [12] für einiges Aufsehen in der Community: Die Software erscheint ab der neuen Version nur noch als Closed Source. Auch dass der Hersteller Lizenz- und Supportkosten bei seinen Enterpriseprodukten ab dann nicht mehr pro CPU-Core berechnet und dass es die versprochenen neuen Serverdienste endlich auch für Mac und Windows gibt, hilft da wenig. Ob sich diese Entscheidung für die Römer rechnet, muss sich zeigen. Es bleibt nicht auszuschließen, dass sich viele Anwender und Systemhäuser von Nomachine abwenden.
Bis zum Redaktionsschluss lag dem Linux-Magazin nur eine Testversion der NX Preview Beta 2 vor, die es als Server bisher nur für Linux und Solaris zum (allerdings kostenlosen) Download gibt. Clients stehen dagegen wie gewohnt für Windows, Linux, Mac und Solaris bereit [13]. Wer die ausprobieren will, sollte aber zunächst jede alte Version von Nomachine entfernen. Zumindest die alten »nxserver«
- und »nxnode«
-Pakete sind nicht kompatibel und verhindern die Installation.
Gleich nach dem Start fällt auf, dass Nomachine einige Arbeit in das neue Look&Feel gesteckt hat (Abbildung 2). Der Client trägt jetzt auch einen anderen Namen, er firmiert fortan unter Nxplayer (VMware lässt grüßen). Unter der Haube hat sich fast nichts verändert, hier haben die Entwickler den Schwerpunkt im Wesentlichen auf den neuen Client und die Optimierung der Multimedia-Fähigkeiten gelegt.
In Arbeit sind auch bidirektionaler Sound mit Pulseaudio und schnelles 3-D mit Virtual GL, Bugfixes und Performance-Verbesserungen. Auch das immer wieder als umständlich kritisierte Vorgehen, die SSH-Verbindung (siehe Abbildung 1) zunächst über den User »nx«
mit einem Hostkey aufzubauen und erst danach auf den Useraccount zu wechseln, bleibt dem Admin erhalten.
Das Browser-Plugin erlaubt es Anwendern, sich mal eben aus dem Internetcafé in Nomachines Webplayer einzuloggen. Auch die Enterprise-Produkte rund um den Server Manager und den NX Builder bleiben (noch) unverändert [14]. Für den Einsteiger gibt es den Enterprise Desktop ab 600 Euro, das Topmodell NX Advanced Server schlägt dagegen bereits mit mindestens 2500 Euro zu Buche, bringt aber auch Highend-Funktionen für HA-Cluster mit.
X2go
Unter Open-Source-Spezialisten gilt X2go immer noch als der Terminalserver-Geheimtipp. Die Entwickler um Heinz-Markus Graesing und Oleksandr Schneyder schafften es in den letzten Jahren mit überraschend wenig Manpower, einen vollständigen Stack mit angepassten NX-Bibliotheken ins Leben zu rufen. Schon früh beherrschte das junge Projekt Features, die sonst nur Sun oder vergleichbar teure Anbieter im Portfolio hatten, zum Beispiel komfortable Smartcard-Authentifizierung wie bei Suns Hotdesking [15] oder ein flexibel konfigurierbares Browser-Plugin [16].
Auch einen Windows-Client ([17], Abbildung 3), Desktopsharing (auch Shadowing genannt, [18], Abbildung 4) und Unterstützung für Nokias N800/900 hat X2go zu bieten, ein Plasmoid für KDE 4 [19] ist in Arbeit. Python-Entwickler um Mike Gabriel haben eine vollständige Library mit einem eigenen Miniclient [20] gebaut und ein öffentliches Git-Repository auf Berlios eingerichtet [21].
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