Open Source im professionellen Einsatz

Aus dem Alltag eines Sysadmin: Goosh

Sucher mit ls

Da bekommt Google-Bashing einen neuen Sinn: Das Suchmaschinen-Frontend Goosh sieht aus wie eine Shell, bedient sich wie eine Shell und hat den Kultfaktor einer Shell.

Abbildung 1: Charly verschifft hier per Goosh zwei Tiere sprachlich nach England, löst ein Fields-Medaille-würdiges Matheproblem und richtet den Blick auf den Feed einer amerikanischen Linux-Zeitschrift.

Googles Suchmaschine steht für vieles in der Kritik, nicht jedoch für ihr Webdesign, das gilt gar als Meilenstein gestalterischer Askese. Gleichwohl wird es Consoleros freuen zu hören: Es geht noch spartanischer. Stefan Grothkopp, der Autor von Goosh, hat die Google-Startseite optisch zu einer Shell verschlankt und gleichzeitig funktionell aufgebohrt. Goosh läuft im Browser und ist in Javascript geschrieben.

Nach dem Eintippen der Goosh-URL [1] materialisert sich ein Konsolenprompt – mehr gibt es nicht. Gebe ich dort einen Suchbegriff ein, erscheint eine nummerierte Liste der ersten Treffer. Durch Eingabe der vorangestellten Ziffer öffnet sich die Webseite. Mit der Maus auf das Suchergebnis klicken ginge zwar auch, wäre aber stillos.

Durch Eingabe von »help« , »h« oder auch »ls« erhalte ich einen Überblick über weitere Funktionen. So ist etwa die Bildersuche auch mit Goosh möglich, ich stelle den Suchbegriffen einfach das Schlüsselwort »images« oder nur »i« voran. So führt mich »i angkor« geradewegs zu Bildern der berühmten Khmer-Tempelstadt in Kambodscha.

Nach dem gleichen Prinzip schränkt »video« meine Suche auf bewegte Bilder ein oder »blogs« durchkämmt gezielt die Weblogs im Netz. Ein »wiki« beauftragt nicht Googles Suchtrupp, sondern den in der Wikipedia. Per Default befragt Goosh die englische Ausgabe, aber weitere Nationalitäten und Sprachen sind mit »settings« konfigurierbar.

See you later calculator

Rechenaufgaben stelle ich Goosh über das Schlüsselwort »calculate« oder die Abkürzung »calc« . Die Eingabe von »calc 47*811« liefert das Ergebnis »38117« . Auch Googles Übersetzungsdienst kann ich nutzen. Nach dem Schlüsselwort »t« oder »translate« folgen Kürzel für die Quell- und Zielsprache. Hier ein tierisches Beispiel für eine Übersetzung vom Deutschen ins Englische:

t de en Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber die zweite Maus kriegt den Käse.

Wie alle Online-Dolmetscher arbeitet auch dieser nicht perfekt, aber für einfache Sätze reicht er aus (siehe Abbildung 1). Wer sich in die Goosh-Syntax auf der Konsole so verknallt hat, dass er sie auch im eingebauten Suchfeld seines Browsers nutzen möchten, gibt einfach »addengine« ein. Goosh reiht sich dann in die Liste der auswählbaren Suchmaschinen ein. Das funktioniert mindestens in Chrome und Firefox.

Mein Fazit: Der mit »calc 10^2« zu beziffernde Coolnessfaktor macht den ohnehin geringen Lernaufwand in Minutenschnelle wett. Und der nahtlose Zugriff auf die diversen Google-APIs bereitet sicher nicht nur Consoleros Freude – eine Freude, die noch umfassender ausfiele, wenn der Autor den Quellcode ein wenig dokumentieren würde.

Infos

  1. Goosh: http://goosh.org

Der Autor

Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch.

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