Open Source im professionellen Einsatz

Am Ende des Regenbogens

Viele Anwender haben ein mulmiges Gefühl, ihre Daten einem unbekannten Speicherort irgendwo in den Rechenzentren dieser Welt anzuvertrauen. Wer genauer hinschaut, stellt jedoch fest, dass die meisten Testteilnehmer mit offenen Karten spielen und verraten, dass sie auf Amazons Cloud-Service Amazon S3 [8] setzen (siehe Kasten "Auf nach Amazonien!"). Nur Adrive schweigt sich hartnäckig über das Thema aus.

Auf nach Amazonien!

Nachdem offenbar alle großen Anbieter virtueller Festplatten die Daten ohnehin in der Amazon-S3-Wolke lagern, ergibt sich die logische Frage, ob man diesen Dienst nicht auch als Privatperson nutzen kann.

Amazon offeriert seinen Dienst in erster Linie geschäftlichen Kunden und stellt reinen Speicherplatz sowie Rechenzeit zur Verfügung – so viel wie nötig und im Handumdrehen erweiterbar. Der Anbieter berechnet schlicht und einfach den belegten Platz sowie den Traffic. Bevor der Nutzer aber den gesamten Inhalt seiner 500-GByte-Festplatte in die S3-Cloud schiebt, sollte er besser die zunächst unscheinbaren Cent-Beträge mit dem Amazon Simple Calculator [9] überschlagen.

Zahlreiche Tools helfen dabei, S3 vom heimischen Rechner aus zu steuern. Mit Fuse Over Amazon [10] oder der kommerziellen Variante Subcloud [11] binden Anwender den S3-Dienst direkt als Festplatte ins lokale System ein. Déjà Dup [12] setzt auf S3 als Backup-Laufwerk und das Firefox-Addon S3Fox Organizer [13] emuliert eine Art FTP-Frontend.

Wie Amazon mit den Kundendaten verfährt, ist klar in den AGB festgehalten. Außer zu Abrechnungszwecken findet laut Anbieter kein Zugriff statt, es sei denn, rechtliche Gründe machten dies erforderlich.

Wer nach einer in Deutschland gehosteten Alternative mit offenen Standards sucht, sollte einen Blick auf Strato Hidrive werfen [14].

Die Konzentration auf einen einzigen Storage-Anbieter mit enormer Marktmacht ist wohl das größte Problem virtueller Festplatten. Solange Amazon schwarze Zahlen schreibt, sind die Daten vermutlich sicher. Erste dunkle Wolken tauchten am Cloud-Himmel aber bereits im Zuge der Wikileaks-Affäre auf. Die USA setzten offenbar ihre politische Macht ein und zwangen Amazon, den ungeliebten Kunden von den S3-Servern zu bannen. Eine Garantie, dass sich ein ähnliches Szenario nicht aus anderen Gründen wiederholt, gibt es nicht.

Trotz aller Bedenken überwiegen derzeit noch die Vorteile der virtuellen Festplatten, solange dort nur unkritische Daten lagern. Kein Headcrash, kein Hausbrand und auch kein Hochwasser gefährden die Examensarbeit oder den Linux-Magazin-Artikel. Sind allerdings überlaufende lokale Festplatten das eigentliche Problem, bietet die Cloud nur selten eine Lösung. Onlinespeicher sind eben dazu gedacht, lokale und entfernte Daten synchron zu halten, nicht den eigenen Plattenplatz zu erweitern. Dabei hilft auch weiterhin nur der Gang zum Hardwarehändler des Vertrauens.

Infos

  1. Dropbox: http://www.dropbox.com
  2. Truecrypt: http://www.truecrypt.org
  3. Ubuntu One: https://one.ubuntu.com
  4. Adrive: http://www.adrive.com
  5. Zoho: http://writer.zoho.com
  6. Tim Schürmann, "Langsame Baustellen": Linux-Magazin 09/10, S. 52
  7. Teamdrive: http://www.teamdrive.com
  8. Amazon S3: http://aws.amazon.com/de/s3
  9. Amazon-S3-Rechner: http://calculator.s3.amazonaws.com/calc5.html
  10. Fuse Over Amazon: http://code.google.com/p/s3fs/wiki/FuseOverAmazon
  11. Subcloud: http://www.subcloud.com
  12. Déjà Dup: https://launchpad.net/deja-dup
  13. S3Fox Organizer: http://www.s3fox.net
  14. Thomas Leichtenstern, "Speicher satt": LinuxUser 06/10, S. 88

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