Open Source im professionellen Einsatz

Adrive

Der erste Blick auf das Adrive-Angebot [4] lässt Anwenderherzen höher schlagen – satte 50 GByte Speicher offeriert der Dienst im kostenlosen Basic-Account. Wer genauer hinschaut, landet allerdings schnell wieder auf dem nüchternen Boden der Wirklichkeit. Diese Gratisvariante erlaubt lediglich Zugriff auf einen Dateimanager über ein ziemlich unhandliches Java-Webinterface, das durch blinkende Werbung und ständige Captures die Nerven strapaziert.

Eine werbefreie Oberfläche und interessante Funktionen wie Versionskontrolle, SSL-Verschlüsselung, FTP- und Webdav-Zugang gibt's erst ab der Signature-Variante (rund 7 US-Dollar pro Monat und 70 US-Dollar pro Jahr). Für Poweruser steht eine Premium-Version mit Speicherplatz bis zu 1 TByte bereit, die in der teuersten Variante mit etwa 132 US-Dollar monatlich beziehungsweise 1320 US-Dollar jährlich zu Buche schlägt.

Auch der in Adobe Air geschriebene Desktopclient ist erst mit einer der beiden Bezahlvarianten verfügbar. Adrive arbeitet laut Hersteller mit Windows und Mac OS X zusammen. Eine Betaversion für Linux steht ebenfalls bereit. Gerät ein Anwender in Zahlungsverzug, gewährt der Diensleister 90 Tage Schonfrist, bevor er den Account zurückstuft.

Die Grundfunktionen (Dateiverwaltung, Up- und Download) erfüllt der File Manager des Basic-Accounts allemal. Zusätzlich hat der Anbieter den Dokumenten-Editor Zoho Writer ([5], [6]) in englischer Ausführung beigelegt (siehe Abbildung 5). Um die Texte und Tabellen bearbeiten zu können, muss der Anwender vorher eventuelle Popup-Blocker im Browser deaktivieren.

Abbildung 5: Der etwas sperrige Java-Dateimanager erlaubt es Anwendern, ihre Officedokumente im Zoho Writer zu bearbeiten.

Abbildung 5: Der etwas sperrige Java-Dateimanager erlaubt es Anwendern, ihre Officedokumente im Zoho Writer zu bearbeiten.

Daten mit einer geschlossenen Benutzergruppe zu teilen (ähnlich wie bei Dropbox und Ubuntu One) erlaubt Adrive nicht. Das Angebot umfasst nur eine Art Public Folder. Den Ordner namens »My Shared Files« füllt der Anwender über das Webinterface. Ein direkter Upload an diesen Ort ist nicht möglich. Stattdessen klickt der Nutzer auf eine vorhandene Datei und wählt im Dateimanager den Punkt »Share« aus. Daten, die dort landen, stattet Adrive mit einer eindeutigen URL aus, die sich von Hand oder per Mailfunktion des Anbieters verteilen lässt.

Leider müssen Nutzer der Gratisversion auch hier Einbußen in Kauf nehmen. Freigaben löscht Adrive nach 14 Tagen automatisch. Dabei verschwinden aber lediglich die Daten aus dem öffentlichen Verzeichnis, im Webspace sind sie nach wie vor vorhanden. So spricht nichts dagegen, Dinge erneut mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Für den Upload der Testdatei brauchte der Anbieter 15 Minuten und 12 Sekunden; das Herunterladen dauerte überraschend lange – sage und schreibe 17 Minuten und 49 Sekunden dauerte es bei Adrive.

Teamdrive

Teamwork hat sich der letzte Testkandidat groß auf die Fahnen geschrieben: Teamdrive [7] überzeugt vor allem durch die umfangreichen Möglichkeiten zur gemeinschaftlichen Arbeit an Dokumenten und Dateien. Die IT-Schmiede vermarktet in erster Linie ihre ausgereifte Kollaborations-Software für den professionellen Einsatz, 2 GByte Speicher in der freien Variante sind ein zusätzliches Bonbon. Die Teamdrive-Software ist für Linux, Windows und Apple-Computer erhältlich (Abbildung 6). Zusätzlich gibt es eine portable Windows-Version für den USB-Stick. Offizielle Clients für Smartphones fehlen bislang.

Abbildung 6: Schlank und auskunftsfreudig – so präsentiert sich der Teamdrive-Client auf dem Linux-Desktop.

Wer in den Genuss des vollen Funktionsumfangs kommen möchte, benötigt mindestens Teamdrive Personal (rund 5 Euro pro Monat, 50 Euro pro Jahr). Mit dieser Lizenz erweitert sich gleichzeitig der Speicherplatz in der Cloud auf 5 GByte, die Begrenzung für den Einsatz des Clients auf dem eigenen Server ist ebenfalls aufgehoben.

Die virtuelle Festplatte von Teamdrive Professional (zirka 10 Euro monatlich und 100 Euro jährlich) ist ebenfalls nur 5 GByte groß, diese Lizenz hat aber zahlreiche Extras im Gepäck, zum Beispiel erweiterte Konfigurationsmöglichkeiten des Clients (Proxy, Cache, Bandbreite und so weiter), LDAP-Synchronisation oder geschlossene Benutzergruppen. Die Professional-Version erlaubt es zudem, einzelne Dateien per URL zu veröffentlichen (nicht mit Webdav) und eine Mailbenachrichtigung für Teammitglieder einzurichten.

Zahlt ein Kunde nicht, schickt der Anbieter drei Mahnungen, bevor er den Account zu einem kostenlosen mit dem erwähnten Speicherlimit degradiert. Daten auf den Servern löscht Teamdrive zunächst nicht, behält sich diesen Schritt aber für zahlungsunwillige oder -unfähige Kunden vor.

In puncto Sicherheit übertrifft Teamdrive alle anderen Testkandidaten. Der Dienst verschlüsselt die Daten schon vor dem Upload und auch erst nach dem Download. Jeder Webspace nutzt einen eigenen AES-256-Schlüssel, wobei die Keys selbst immer auf dem Client verbleiben. Im Gegensatz zu Dropbox greift Teamdrive außerdem nicht in die Verschlüsselung ein, um Daten von freigegebenen Ordnern der Arbeitsgruppe zur Verfügung zu stellen. Die Synchronisation findet automatisch im Hintergrund statt.

Der Dienstleister bietet in allen Produktvarianten eine Versionskontrolle und ein automatisches, verschlüsseltes Backup auf einem Teamdrive-Server an. Die ausgereifte Software ist gleichzeitig Vor- und Nachteil. Sie ist für den professionellen Einsatz gedacht und bietet für unerfahrene Benutzer oft mehr Optionen und Informationen als nötig.

Für den Upload der 100-MByte-Datei braucht Teamdrive im Test 11 Minuten und 52 Sekunden, für den Download 5 Minuten und 6 Sekunden.

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