Open Source im professionellen Einsatz

Ubuntu One

Verglichen mit Dropbox enttäuscht der Konkurrent aus der Linux-Ecke: Ubuntu One [3] von Canonical versucht zwar Dropbox in vielen Bereichen nachzuahmen, scheitert aber an der Höhe der Hürde und schränkt Benutzer an vielen Stellen ein. Der kostenlose Account namens Ubuntu One Basic bietet ebenfalls 2 GByte Speicher. Zusätzlich steht ein Streamingservice für Smartphones bereit, der nicht nur die Musiksammlung der Cloud aufs Handy bringt, sondern auch die Kontakte synchronisiert.

Der Ubuntu One Mobile genannte Dienst schlägt monatlich mit etwa 4 US-Dollar zu Buche, ein Jahresabo kostet zirka 40 US-Dollar. Wer mehr Speicherplatz benötigt, bucht zusätzlich 20-GByte-Packs beim Anbieter (zirka 3 US-Dollar pro Monat, etwa 30 US-Dollar pro Jahr). Die Anzahl der Extrapakete ist nicht begrenzt. Anwendern mit Zahlungsschwierigkeiten gewährt Ubuntu One eine Schonfrist bis zum nächsten Rechnungsdatum. Danach kappt der Anbieter alles über dem freien Limit von 2 GByte.

Ubuntu-Nutzer finden auf aktuellen Distributionsversionen den Client und den Synchronisationsdienst vorinstalliert. Zusätzlich steht auf der Homepage des Anbieters eine erste Betaversion für einen Windows-Client bereit. Ubuntu One setzt genau wie Dropbox auf eine Nautilus-Erweiterung und will sich damit nahtlos in den Linux-Desktop integrieren. Auf Wunsch blendet der Dienst ein Icon in die Kontrollleiste ein, über das Anwender auch Zugriff auf die Einstellungen haben (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Im Konfigurationsdialog richtet der Anwender Ubuntu One und die mit der Cloud verbundenen Rechner ein.

Abbildung 3: Im Konfigurationsdialog richtet der Anwender Ubuntu One und die mit der Cloud verbundenen Rechner ein.

Alles, was in »~/Ubuntu One« liegt, gleicht der Dienst automatisch ab. Zusätzlich ist es seit Ubuntu 10.04 möglich, einzelne Ordner im Homeverzeichnis per Rechtsklick fürs Synchronisieren auszuwählen. Ist ein Unterverzeichnis auf diese Weise markiert und möchte der Anwender den Elternordner in die Cloud aufnehmen, muss er zunächst über einen erneuten Rechtsklick das Unterverzeichnis wieder vom Sync ausnehmen.

Auch Ubuntu One bietet eine Sharing-Funktion für Ordner an und erlaubt es, einzelne Daten über eine Kurz-URL öffentlich zu machen. Wählt der Anwender ein Verzeichnis aus, das er für Besucher freigeben will, präsentiert ein Dialog alle Ubuntu-One-Kontakte, also das Evolution-Adressbuch. Alternativ lädt er Nutzer per E-Mail ein. Die müssen sich zuerst beim Anbieter anmelden, bevor sie Zugriff erhalten. Um eine Freigabe zu widerrufen, ist ein Besuch im Webinterface nötig (Abbildung 4); über den Desktopclient ist dies nicht möglich.

Abbildung 4: Über das Webinterface von Ubuntu One können Anwender Daten löschen, verschieben, umbenennen und für andere Benutzer freigeben. Ein Besuch beim Onlinedienst ist in jedem Fall nötig, um eine Freigabe zu widerrufen.

Für den Upload der Testdatei benötigte Ubuntu One 11 Minuten und 22 Sekunden; das Herunterladen dauerte 2 Minuten und 16 Sekunden.

Nur für geladene Gäste

Der Anbieter verspricht nicht nur einzelne Dateien und Verzeichnisse, sondern auch Kontakte, Notizen, Bookmarks und die Logfiles von Instant Messengern zwischen verschiedenen Rechnern zu synchronisieren. Reibungslos klappt das Ganze aber nur, wenn der Anwender dem Ubuntu-Standard folgt. So arbeitet der Dienst nur zuverlässig mit den von Canonical vorausgewählten Programmen zusammen.

Das heißt im Klartext: Gnome-Desktop, Evolution als Kontaktverwaltung, Empathy als IM-Client, Tomboy als Notizanwendung und ein eigenes Bookmark-Addon für Firefox. Für Anwender von Thunderbird, Pidgin und Chrome bleibt nur die reine Datensynchronisation, die aber nicht ansatzweise so ausgereift ist wie beim Vorbild Dropbox.

Benutzer, die auf Kubuntu, Xubuntu & Co. setzen, müssen Ubuntu One von Hand nachrüsten. Der Dienst läuft unter diesen Distributionsvarianten aber mehr schlecht als recht. Noch unerfreulicher sieht es für alle anderen Linux-Systeme aus. Einige selbstgestrickte Lösungen existieren, die aber ebenfalls nicht zufriedenstellend arbeiten.

Der im Hintergrund laufende Syncdienst legte im Test häufiger einfach die Arbeit nieder, während die Datenübertragung noch lief. Eine Benachrichtigung an den Benutzer fand nicht statt. Bei größeren Transfers fehlt darüber hinaus eine Information über den Fortschritt der Up- und Downloads, sodass der Anwender nicht kontrollieren kann, ob sich Ubuntu One mal wieder außerplanmäßig schlafen gelegt hat. Auskunft über neu eingetroffene Dateien gibt der Dienst auch nur gelegentlich – hier besteht Nachbesserungsbedarf.

Auch Ubuntu One überträgt die Daten sicher mit SSL, arbeitet bislang aber nicht mit Proxys zusammen. Anders als Dropbox legt der Anbieter die Daten unverschlüsselt auf den Servern ab. Somit ist der Einsatz von Truecrypt oder anderen Verschlüsselungsverfahren ein Muss.

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