Open Source im professionellen Einsatz

Neues aus der Welt der freien Software und ihrer Macher

Projekteküche

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DJs brauchen kein teures Equipment mehr, denn Mixxx bietet gleichwertigen Ersatz am Computer. Wer lieber ein Webradio betreibt, erzeugt mit der Programmiersprache Liquidsoap vollautomatisch flexible Streams. Zu essen gibt's ein Kartoffel-Kürbis-Gratin mit einer Kruste aus Walnüssen und Ziegenkäse.

Abbildung 1: Wer nicht kistenweise Vinyl und Spezialplattenspieler mit sich herumtragen möchte, der findet in Mixxx ein virtuelles DJ-Set mit allen Schikanen.

"Play them really, really loud!" Benutzer der Software Mixxx [1] machen auf diese Weise ihr Publikum glücklich, denn es handelt sich bei dem freien Projekt um ein virtuelles DJ-Pult (Abbildung 1). Andere mit tanzbarer Tonkunst zu erfreuen bedeutet aber mehr, als einfach nur Musik abzuspielen. Es gilt, den passenden Track im richtigen Moment auf den Plattenteller zu balancieren, sodass er seinen Vorläufer zum idealen Zeitpunkt ablöst und den Tanzrhythmus des Publikums erfasst. Optimal ist ein Übergang dann, wenn der Plattenaufleger das Tempo der beiden einander folgenden Titel aufeinander abstimmt.

Wie in fast allen Lebensbereichen gibt es auch beim DJing eher traditionsorientierte Geister, die auf originale Instrumente bei der musikalischen Tätigkeit setzen. Als DJs vor rund 30 Jahren ihren Siegeszug antraten, besaßen sie gewöhnlich zwei Plattenteller, zusätzlich ein Mischpult und ein Mikrofon. Das Abspieltempo der aufliegenden Schallplatten kontrollierte der DJ manuell. Hinzu kamen Spezialhandgriffe wie Scratching, das Geräusche der übers Vinyl kratzenden Plattennadel in die Musik integriert.

Besser ausgerüstete Anlagen bieten heutzutage drei oder vier Audio-Ausgänge, sodass zwei Geräte den Raum beschallen, während der DJ auf den verbleibenden Kanälen per Kopfhörer die weitere Abfolge plant.

Arbeitsgeräte

Inzwischen haben neue Techniken auch Einzug in die Welt der Musikaufleger gehalten, und so greifen viele DJs auf passende Software als Ergänzung oder sogar als vollständigen Ersatz für die klassischen oder die zwischenzeitlich ebenfalls etablierten CD-Player zurück. Das bietet gleich mehrere Vorteile: Vorbei sind die Zeiten, in denen DJs schwere Schallplattenstapel oder Koffer voller CDs geschleppt haben, auch teure Spezialplattenspieler scheinen entbehrlich. Stattdessen empfehlen sich Laptops mit einer gut sortierten MP3-Sammlung und ein Stück Software.

Beim virtuellen Set wollen die DJs natürlich nicht auf die Möglichkeiten verzichten, die ihnen das reale Gegenstück bietet. So haben die Entwickler von Mixxx, Ken and Tue Haste Andersen (selbst Hobby-DJs), die wichtigsten Elemente originalgetreu in Java nachprogrammiert. Bereits 2001 begann die Arbeit am Softwaremischpult, als es kaum Tools dieser Gattung gab, weder proprietär noch frei.

Inzwischen haben sich die beiden aus der Entwicklung zurückgezogen, das Projekt ist unter der GPLv2 an die Community übergegangen. Adam Davison und Albert Santoni fungieren als Projektmanager respektive Hauptentwickler des großen Teams.

Insgesamt vier virtuelle Kanäle, zwei für Lautsprecher und zwei für Kopfhörer, ahmen die herkömmlichen Plattenspieler nach. Der DJ legt allerdings keine Platten mehr auf, sondern wählt digitalisierte Musiktitel aus und mischt deren Wiedergabe nach Belieben zusammen. Alternativ dienen die Mixxx-Kanäle, jeweils einzeln konfigurierbar, als Ton-Eingabe für Midi-Controller oder reale Plattenspieler, sodass das Tool vor allem als Mischpult eine gute Figur macht (siehe Abbildung 2).

Abbildung 2: Mixxx spielt nicht nur Musik des eigenen Rechners ab, sondern kann auch auf externe Plattenspieler und andere Geräte zugreifen.

Außerdem unterstützt Mixxx so genannte DJ-Control-Hardware. Dabei handelt es sich um Geräte, die optisch und in puncto Bedienung Plattentellern nachempfunden sind, jedoch faktisch die Wiedergabe digitalisierter Musik steuern. Schließt der Musikfreund ein solches Gerät an den eigenen Rechner an, kann er Mixxx damit steuern und muss nicht auf Maus und Tastatur zurückgreifen.

Features

Neulinge in der Welt des virtuellen DJing haben mit Mixxx keine größeren Startschwierigkeiten. Die Einstiegsaufgabe, ein Lied nach dem anderen abzuspielen, ist schnell bewältigt. Danach ergründet der Anwender Schritt für Schritt die weiteren Features – Lieder klingen leise aus, während das folgende Stück langsam die akustische Dominanz übernimmt. Mit der Hot-Cue-Funktion markiert er zudem Stellen in einem Lied, die sich besonders gut für Aus- oder Einstieg eignen.

Fortgeschrittene erfreut neben der Anzeige der Klangwellenform das so genannte BPM-Meter, das dabei hilft, den perfekten Übergang zu finden. Es zeigt die Frequenz des Basis-Beats (Beats per Minute) an, ein wichtiges Kriterium in der Welt der elektronischen Musik. Mit diesem Feature bestimmt der Nutzer den Einsatz nachfolgender Stücke, wenn sie gerade die gleiche Geschwindigkeit haben. Zudem bietet Mixxx eine Funktion, welche die Geschwindigkeit eines Tracks verändert, ohne dass sich dadurch auch die Tonlage verzerrt, was aufgrund der Akustikgesetze ohne weiteres Eingreifen der Fall wäre.

Genau diese mehr oder weniger subtilen Veränderungen an der Originalmusik gehören zu den gewollten Kunstgriffen eines DJ. Daher erlaubt der Vinyl-Emulationsmodus eine gleichzeitige Veränderung von Geschwindigkeit und Tonhöhe.

Ein wichtiges Element, das DJs schon früh erfanden, sind Loops. Dabei wiederholen sie bestimmte Abschnitte eines Liedes, Samples genannt, in einer Schleife und mischen diese beispielsweise in andere Songs hinein. Auch dabei leistet Mixxx Schützenhilfe. Ein Klick auf »IN« markiert den Beginn, »OUT« das Ende. Diese Loop wiederholt Mixxx nun so lange, bis der DJ sie explizit beendet. Die einzelnen Schleifen manipuliert er dabei genauso wie jede andere Wiedergabe.

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