Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2011
© Alexander Kataytsev, Fotolia.com

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Die Open Monitoring Distribution macht Nagios einfacher

Geballter Durchblick

Sieben prominente Nagios-Entwickler brachten letzten Oktober eine angepasste und erweiterte Nagios-Variante heraus: OMD, die Open Monitoring Distribution. Ihr spendierten sie Installationspakete und zahlreiche Addons. Im Testlabor hinterließ OMD einen guten Eindruck.

 

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Nagios und seine jüngeren Ableger wie Icinga sind in der Welt der IT-Überwachung das Maß aller Dinge. Für den Platzhirsch gibt es eine schier unendliche Anzahl Plugins und Erweiterungen, GUIs und Tools, deren Auswahl und Aktivierung den Admin bei der Installation bisweilen viel Zeit kosten.

Für Profis und Einsteiger

Anspruchsvolle Anwender mit Bedarf für modernere Plugins, die noch nicht in den Linux-Distributionen oder den vorkompilierten Nagios-Paketen enthalten waren, blieb bisher sogar nur der langwierige Weg über den Quelltext. Ähnlich wie das im letzten Heft vorgestellte Open IT Cockpit [1] will seit wenigen Monaten die Open Monitoring Distribution [2] die Bedürfnisse von Neueinsteigern und fortgeschrittenen Nutzern bedienen, indem sie topaktuelle Features mit einer einfachen Installation kombiniert, Dafür stellen prominente Nagios-Entwickler Software und Konfigurationen zusammen und pflegen die Pakete.

Hinter dem Kürzel OMD verbirgt sich eine vorkonfigurierte Nagios-Installation mit Addons, ausgewählt und kombiniert von den Entwicklern Wolfgang Barth, Gerhard Laußer, Mathias Kettner, Lars Michelsen, Jörg Linge, Sven Nierlein und Stefan Hösl. Sie sind seit Jahren in der Nagios-Szene aktiv und durch ihre Arbeit an Projekten wie der Visualisierung Nagvis (Michelsen, [3]), der Agentensoftware Check_mk (Kettner, [4], [5]), dem Performance-Analysetool Pnp4nagios (Linge, [6]) oder dem Webinterface Thruk (Nierlein, [7]) bekannt.

Abbildung 1: Nach dem ersten Login auf der virtuellen Maschine erscheint das Web Administration Tool der Open Monitoring Distribution namens Multisite mit dem Wato-Plugin.

Auf der Open Source Monitoring Conference 2010 stellten sie ihr jüngstes Kind erstmals der Öffentlichkeit vor [8]. Dort berichteten sie, in OMD wäre viel Praxis-Know-how eingeflossen, also Konzepte, die sonst nur langjährige Nagios-Anwender kennen und umsetzen. So lägen beispielsweise alle Daten, auf die das System häufig zugreift, auf einer Ramdisk, was die Arbeitsgeschwindigkeit deutlich erhöhen soll.

Streitfall Datenbank

Auch das in OMD ebenfalls enthaltene Mk_Livestatus [9] zielt in diese Richtung: Indem es die Nagios-Statusdaten nicht in einer Datenbank (wie bei NDO [10] oder Icinga [11]) oder Files (wie bei reinem Nagios) vorhält, sondern über einen Socket bereitstellt, spare das System viel CPU-Last oder I/O-Operationen. "Allein ein Update der Status-Datenbank mit dem Löschen alter Daten kann in größeren Umgebungen bis zu 45 Minuten in Anspruch nehmen, Zeit, in denen der Monitoringserver seine Arbeit nicht oder nur schlecht erledigen kann", so OMD-Initiator Mathias Kettner zum Linux-Magazin. Doch er gibt auch zu: "Das Thema ist allerdings ein Minenfeld, da prallen unterschiedlichste Meinungen aufeinander und die Diskussion wird oft emotional geführt."

Nach seiner Erfahrung generiert eine Datenbank mit Konfigurationen und Statusinformationen beträchtlichen Overhead, nicht zuletzt, weil Nagios ohnehin stets Klartextdateien für die Konfiguration brauche. Andererseits profitieren vor allem Addon-Programmierer von den Datenbank-Schnittstellen. Kettners Mk_Livestatus hält die Daten dagegen im RAM vor und schreibt nichts auf die Platte. Das Konzept scheint aufzugehen, zumindest raten mittlerweile sogar die Nagvis-Entwickler dazu und erklären die Status-DB als "deprecated".

Abbildung 2: Wie in Nagios zeigt auch das Gespann OMD-Multisite-Wato die Services eines Hosts in einer langen Liste mit übersichtlichen Icons und grafischen Statusreports.

OMD macht im Test bereits einen ausgereiften Eindruck und bringt einige interessante Features mit. So sind mehrere Monitoring-Instanzen pro Host möglich, die auch mit unterschiedlichen Benutzerrechten laufen können. OMD kommt als Debian- und RPM-Paket für Centos, RHEL, SLES, Debian und Ubuntu und lässt sich mit Yum, Zypper und Apt problemlos installieren. Wer eine Quellcode-basierte Installation bevorzugt, findet Skripte, die die Erstellung eigener, angepasster Tarballs vereinfachen. Als die Tester des Linux-Magazins eine frühe Version unter Centos installieren wollten, bekamen sie noch Fehlermeldungen wegen unerfüllter Abhängigkeiten zu Gesicht, diese behoben die Entwickler jedoch auf Anfrage innerhalb weniger Tage.

OMD bringt eine lange Liste an Tools mit, hier die wichtigsten (in alphabetischer Reihenfolge):

  • Check_logfiles
  • Check_mk
  • Check_mysql_health
  • Check_nrpe
  • Check_oracle_health
  • Check_web_inject
  • Dokuwiki
  • Jmx4perl
  • Mk_Livestatus
  • Multisite
  • Nagios und zahlreiche Plugins
  • Nagvis
  • Nsca
  • Pnp4nagios
  • Rrdtool/Rrdcached
  • Thruk

Dazu gesellen sich zahlreiche Perl-Module und andere abhängige Pakete. Die Abbildungen in diesem Artikel sind mit der virtuellen OMD-Maschine von der DELUG-DVD erstellt und zeigen einen aktuellen Git-Snapshot, der bereits mit der Weboberfläche Multisite [12] und Kettners Plugin Wato [13] in einer unstable Preview der Version 1.1.9 ausgestattet ist. OMD liegt zur Zeit in Version 0.44 vor, das virtuelle Debian-Linux ist gleichzeitig auch als Client eingerichtet, der sich für einen ersten Test oder zum Üben sehr einfach an den Monitoring-Server anbinden lässt.

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