Open Source im professionellen Einsatz

© Cathy Yeulet, 123RF.computers_Cathy

Entwickler als Gewissen der informationstechnischen Gesellschaft

Retter der Nation

Anwender hinterfragen selten die technischen Grundlagen ihner Software, geschweige denn den Quellcode.Diese Aufgabe übernehmen Entwickler und Architekten – und damit wichtige Verantwortung.

Informatiker befinden sich auf dem Rückzug. Nach den Zahlen der Gesellschaft für Informatik (GI) nehmen im aktuellen Semester zwar drei Prozent mehr Studierende ein Informatikstudium auf, über alle Fächer betrachtet studieren jedoch vier Prozent mehr als im Vorjahr. Das bedeutet, dass der Anteil der Informatiker unter den Akademikern abnimmt.

Angesichts des proklamierten Fachkräftemangels und veritabler Gehaltsperspektiven verwundert das schon etwas. Die GI, das Sprachrohr der akademischen Informatiker, prophezeit immerhin glänzende Berufsaussichten für die Absolventen. Der Median des Jahresbruttogehalts für Hochschulabsolventen weist sie mit guten 45 000 Euro regelmäßig als Mitglieder der Spitzengruppe aus.

Aber der schnöde Mammon oder das Wissen, zur Stärkung des nationalen Wirtschaftsstandorts beizutragen, reichen offenbar nicht als alleiniger Grund für diejenigen, die vor der Berufswahl stehen. Vielleicht kann stattdessen dies die Entscheidungsfindung erleichtern: Wer sich für die Informationstechnik entscheidet, übernimmt bei moralischer Eignung auch eine wichtige gesellschaftliche Verantwortung.

Denn quer durch die Bevölkerung zieht sich ein merkwürdiger Widerspruch: Die Sensibilität für manches Datenschutzthema ist hierzulande im internationalen Vergleich hoch – siehe die emotional geführt Debatte um Google Street View. Andererseits beobachten Datenschützer mit wachsender Besorgnis die Naivität, die manch Anwender an den Tag legt, sei es beim freizügigen Gebrauch von Facebook, bei gespeicherten Klartextpasswörtern in Browsern oder dem datenschutztechnisch unreflektierten Gebrauch von Rabattkarten an Tankstellen und Supermarktkassen, in Google-Accounts oder allzu laxen I-Phone-Einstellungen.

Gespaltene Gesellschaft

In einem Artikel der ZEIT berichten zwei Anwenderinnen von ihrem Bemühen, sich von einem Profi zeigen zu lassen, welche Privacy-Probleme ihnen womöglich drohen [1]. Der Experte schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor. Eine lautet, Linux auf dem Notebook zu installieren, eine andere, mehr über Hintergründe wie RFID, Bluetooth im Auto oder Firefox-Privacy-Addons herauszufinden. DieRatsuchenden zeigen sich von der drohenden Umstellung und den technischen Details wenig begeistert: "So etwas kann nerven. Die meisten Anwender wollen Technik nur benutzen, nicht verstehen", seufzen sie.

Das ist eine recht verständliche, auf jeden Fall aber eine verbreitete Einstellung. Ebenso nachvollziehbar ist jedoch der Ruf mancher Entwickler und Experten nach mehr Verständnis der Anwender für technische Hintergründe – sie kann allerdings nicht als alleinige Lösung herhalten. IT-Systeme sollten so entworfen und implementiert sein, dass Anwender die Chance haben, sie sicher zu benutzen – auch ohne den Sourcecode gelesen zu haben. Aber in einer komplexen Gesellschaft sind die Bürger auf die Ergebnisse von Experten angewiesen.

Hier sind die IT-Experten gefordert: Sie müssen Bedrohungen qualifizieren, sie dem Anwender erklären und Gegenmaßnahmen bewerten. Wenn die Ausbildung als Fachinformatiker oder das Studium an Berufsakademien und Hochschulen an diese wichtige Verantwortung erinnert, ist die Zeit der (IT-)Helden gekommen. Vielleicht kommen dann auch wieder mehr Studierende.

Infos

  1. Susanne Gaschke, "Alufolie für den Personalausweis": Die ZEIT, Ausgabe 49/2010:http://zeit.de/2010/49/Datensicherheit

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