Open Source im professionellen Einsatz

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Neues bei Debian

Debianopolis

Debian ist frei und seine Entwickler sind Kosmopoliten. Das Linux-Magazin berichtet regelmäßig Interna aus der Debian-Entwicklerszene und angrenzenden Projekten.

Mit der Version 6.0 Beta 2 [1] des Debian-Installers biegt die Squeeze-Release auf die Zielgerade ein. Der Beta-D-I war die letzte wichtige Bedingung für den Deep Freeze, in dem sich das neue Debian seit Dezember befindet (Abbildung 1). Neue Paketversionen aus dem Unstable-Zweig gelangen nur noch zum Testen, wenn sie den Fix für einen Release-kritischen Fehler versprechen.

Die Installationsroutine verwendet jetzt Kernel 2.6.32.27, der von den Linux-Gurus offiziell als "Longterm Stable" deklariert ist. Der neueste Debian-Installer sieht zudem die Partitionen anderer Systeme besser und bindet sie sinnvoll in den Bootloader ein, was vielen Änderungen an dem Modul »partprobe« zu verdanken ist. Passend dazu haben die Debianer die Betriebssystemerkennung von Grub auf den aktuellen Stand gebracht, sodass der Installer Windows Vista und Konsorten möglichst problemlos sieht.

Mehr Platz per Default

Interessant für Admins erscheint vor allem die Partprobe-Änderung, die das Verhalten des Debian-Installers sichtbar ändert. Ab sofort macht er die Partition für das Root-Dateisystem »/« größer als bisher: Mindestens 900 MByte fordert er, sofern das Homeverzeichnis auf einer eigenen Partition landet – die meisten Admins wählen diese Aufteilung.

Als Beweggrund geben die Entwickler an, Platz für die Installation eines zweiten Kernels im Wurzelverzeichnis lassen zu wollen. Dies erfordere mindestens 120 MByte. Auf Servern mit großer Platte fällt der zusätzlich benötigte Platz kaum auf. Entwickler von Embedded-Systemen könnten allerdings in Bedrängnis kommen, was freien Speicher angeht.

Fernab von allen technischen Details bringt die zweite Betaversion des Installers eine Widmung für Frans Pop mit. Der Debianer war über lange Jahre einer der wichtigsten Installer-Entwickler und treibende Kraft hinter allem, was Admins und Nutzer brauchten, um Debian auf die Platte zu kriegen. Frans Pop starb im August 2010. Die Entwickler setzen ihm durch die Widmung einen digitalen Gedenkstein.

Automatische Architekten

Einer der letzten Show-Stopper für Squeeze sind Release-kritische Fehler, die den Bau von Programmen auf unterschiedlichen Architekturen verhindern. Da nicht jeder Entwickler seine Pakete für alle Architekturen händisch aufbereiten kann, betreibt Debian ein Netzwerk von Build-Daemons. Sie stoßen den Paketbau auf noch ausstehenden Architekturen automatisch an. Einige Entwickler machen sich den Spaß, das ganze Debian-Archiv in regelmäßigen Abständen komplett durchzukompilieren. Dabei halten sie Ausschau nach der Problem-Meldung "Fails to build from source", von Eingeweihten abgekürzt zu FTBFS.

Ubuntu unterstützt weniger Architekturen als Debian, kennt das FTBFS-Problem aber ebenfalls. Weil viele Pakete in Ubuntu nicht weit vom Stamm ihrer Debian-Verwandten fallen, aber schneller und öfter gebaut werden, geben FTBFS-Probleme in Ubuntu unter Umständen Hinweise auf zu erwartende Probleme in Debian-Paketen.

Lucas Nussbaum hat Ubuntu Maverick Meerkat durchgebaut und eine nach Maintainern sortierte Liste aller Fehler veröffentlich [2]. Debian-Developer können sogar die Build-Logs durchsuchen und so Anhaltspunkte für Probleme finden, die wohl demnächst auf sie herabkommen werden [3]. Einige Debian-Entwickler regten daraufhin regelmäßige Vergleiche zwischen Ubuntu und Debian an. Denkbar wäre, die Resultate der Logs in das debianische Package Tracking System (PTS) zu integrieren. Das wäre eine weitere, sehr nützliche Kooperation zwischen Debian und Ubuntu. (ake)

Der Autor

Martin Gerhard Loschwitz ist Senior Technical Consultant bei Linbit und seit vielen Jahren Debian-GNU/Linux-Entwickler.

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