Open Source im professionellen Einsatz

Oracles halber Schritt

Mit Version 5.5 liegt seit 15. Dezember die erste Release seit der Übernahme von Sun durch Oracle vor. Die Entwicklung der bereits als Alpha-Release verfügbaren MySQL-Version 6.0 hat Oracle dagegen eingestellt [1].

Version 5.5 bringt verfeinerte Möglichkeiten zur Partitionierung: Ranges oder Listen als Basis für die Partitionierung dürfen nun einen oder mehrere Spaltenwerte referenzieren. Auch bei der Replikation legt MySQL 5.5 nach: Neben der asynchronen Replikation, bei der sich der Masterserver nicht um den Erfolg der Replikation kümmert, und der synchronen Replikation, bei der Transaktionen erst nach Abschluss aller Replikationsoperationen als erfolgreich gelten, strebt die neue halbsynchrone Replikation einen Kompromiss zwischen Datensicherheit und Performance an.

Dort wartet der Masterserver nur noch während eines konfigurierbaren Zeitfensters auf maximal einen Slaveclient. Tritt ein Timeout auf, so schaltet der Server, um die Performance nicht zu stark zu beeinflussen, in den unsicheren asynchronen Modus, doch nur so lange, bis sich einer der Slaves zurückmeldet.

Version 5.5 unterstützt außerdem temporäre Tabellen. Die XML-Unterstützung bleibt weiterhin auf X-Path-Queries beschränkt. Mit der MySQL-Workbench, die auch in einer GPL-lizenzierten Community-Variante verfügbar ist, liegt ein leistungsfähiges grafisches Designwerkzeug vor (Abbildung 1).

Abbildung 1: Mit der MySQL-Workbench gibt es seit 2008 ein grafisches Datenbank-Designwerkzeug für Linux, Mac OS und Windows, das wesentlich mehr leistet als die verbreitete Webanwendung PHP Myadmin.

Abgespaltet: Maria DB

Wie bei Open Office kam es nach der Übernahme von Sun durch Oracle auch bei MySQL zu einem Fork: Einer der MySQL-Initiatoren, Michael "Monty" Widenius, bezweifelte in seinem Blog, dass die am weitesten verbreitete Datenbank-Engine und die kommerziell erfolgreichste unter einem Dach koexistieren können [2]. Vor der Übernahme habe MySQL Oracle gezwungen, die Lizenzkosten zu senken, argumentiert Widenius und glaubt daher nicht, dass Oracle Geld für die Entwicklung neuer Features ausgibt, da dies die Marktchancen für das Hauptprodukt schmälere.

Widenius' Fork Maria DB, liegt bereits stabil in Version 5.2 vor [3]. Im Vergleich zu MySQL 5.1, auf deren Quellcode der Fork aufsetzt, bietet er unter anderem Erweiterungen bei Rechenausdruck-basierten virtuellen Spalten und eine Plugin-basierte Authentifizierung.

Außerdem sind die als experimentell bezeichneten Storage-Engines Sphinx, eine Volltext-Suchmaschine [4], und Oqgraph [5] hinzugekommen, eine Graphdatenbank-Engine, wie sie aus der NoSQL-Welt bekannt ist. Leider arbeitet Oqgraph nur im RAM. Nach einem Neustart des Servers lässt sich die Graphdatenbank nur aus SQL-Befehlen wiederherstellen, was die Praxistauglichkeit bisweilen sehr einschränkt.

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