Open Source im professionellen Einsatz

Vbulletin

Die unter einer proprietären Lizenz veröffentlichte Forensoftware [4] der Firma Vbulletin Solutions, Inc., ist in zwei Ausführungen erhältlich. Das reine Forum kostet 159 Euro (139 Euro für ein Upgrade), die Publishing Suite schlägt mit 239 Euro (Upgrade: 209 Euro) zu Buche. Einen Vergleich der beiden Ausführungen präsentiert die Webseite des Herstellers im Bereich »Features« . In diesem Test trat das reine Forum an.

Um an die Downloadpakete von Vbulletin zu gelangen, muss sich der Benutzer zunächst im deutschsprachigen Kundencenter einloggen. Die Auswahl dort ist groß – und übersichtlich. Das mitgelieferte Handbuch ist ebenfalls auf Deutsch verfügbar. Die Anleitung ist zwar deutlich knapper als die von PHP BB, aber immer noch ausreichend.

Bevor der Admin den Installationsassistenten auf den Plan ruft, trägt er von Hand den Datenbankzugang in eine Konfigurationsdatei ein. Danach entpackt er die Quellen auf seinem Server, und es kann losgehen. Der Assistent fragt nach der Vbulletin-Kundennummer, ohne die er seinen Dienst verweigert. Danach verläuft das Einrichten wie bei den anderen Testkandidaten reibungslos.

Vbulletin verwehrt zunächst den Zugriff auf die Verwaltungsfunktionen im Admin Control Panel und erlaubt die Anmeldung erst, nachdem die Installationsskripte gelöscht sind. Der Admin-Bereich hat einen vernünftig eingestellten Timeout. Vbulletin wirft den Verwalter nach rund 15 Minuten Inaktivität raus.

Das Control Panel spiegelt den großen Funktionsumfang wider. Leider sind die zahlreichen Konfigurationsoptionen nicht in einzelne Bereiche aufgeteilt, sodass der Verwaltungsbereich für den ungeübten Forenbetreiber zu unübersichtlich ist (Abbildung 3). So bleibt nur die Möglichkeit, die Einstellungen auszuklappen und die Suchfunktion des Browsers zur Hilfe zu nehmen.

Abbildung 3: Im Kontrollzentrum von Vbulletin dürften gerade Neulinge unter den Forenbetreibern lange suchen, während Profis die gebündelte Darstellung meist schätzen.

Das Berechtigungssystem erlaubt zwar eine genaue Feinabstimmung der Befugnisse, ist aber bei Weitem nicht so benutzerfreundlich wie das der anderen Testkandidaten. Vbulletin hat keine Option, alles zu verbieten (»Nie« ) – alles ist entweder erlaubt oder nicht. In der Praxis kann das zu verworrenen Situationen führen.

Angenommen der Admin will den Benutzer Bob für eine Woche bannen. Bob ist Mitglied in den beiden Gruppen C und D. Um Bob zu sperren, muss der Admin ihn aus beiden Gruppen entfernen und zur Banngruppe hinzufügen. Vergisst er das, überschreiben die erlaubten Dinge der Gruppen C und D die Sperre. Ist die Woche Auszeit vorbei, muss er sich genau daran erinnern, aus welchen Gruppen er Bob entfernt hatte.

Das ist unnötig kompliziert und gestaltet den Verwaltungsprozess aufwändiger als nötig – ein Manko der zweigeteilten Systeme, bei denen der Verwalter zuerst eine Erlaubnis entfernen muss, damit er etwas explizit verbieten kann.

Geschickt modifiziert

Reichen die zahlreichen Vbulletin-Features nicht aus, kann der Betreiber aus vielen freien und kostenpflichtigen Erweiterungen auswählen ([5], [6]). Das Addon-Konzept basiert auf so genannten Hooks und ermöglicht es auf diese Weise, Modifikationen einzubauen, ohne die Quelldateien zu verändern. Hooks sind in Vbulletin Stellen, an denen externer Code ausgeführt werden darf. Modifikationen schleusen ihren eigenen Quelltext also an fest definierten Stellen in den Programmablauf ein, Vbulletin speichert den Code in seiner Datenbank ab und lädt ihn nur bei Bedarf.

Das Aussehen des Forums verändert der Betreiber mit CSS und Templates. Beide legt Vbulletin ebenfalls in der Datenbank ab, was dazu führt, dass der Admin Datei-Inhalte hin- und herkopieren muss, will er externes CSS oder HTML-Editoren verwenden. Innerhalb der Templates kann er Schleifen und Abfragen über HTML-Tags nutzen. Auch Vbulletin speichert die Templates zwischen und ersetzt die HTML-Tags durch entsprechenden PHP-Code. Die Forensoftware setzt auch bei den Templates auf eingebaute Hooks. Diese Anker erlauben den Modifikationen, die Funktionalität des Forums neu zu gestalten, ohne dass der Verwalter dafür Templates ändern müsste.

Das sehr gut durchdachte Hooks-Konzept von Vbulletin erlaubt ein unkompliziertes Update der Software. Über neue Versionen informiert der Hersteller per Mail und auch im Control Panel selbst. Der Betreiber überträgt anschließend nur noch das neue Programmpaket auf seinen Webserver, startet den Installationsassistenten mit seiner Kundennummer und löscht am Schluss wieder die Einrichtungsskripte.

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