Bazaar: Canonicals Sonderweg
Git und Mercurial entstanden beide Anfang 2005, als Bitmover die kostenlose Lizenz seiner Software Bitkeeper für den Linux-Kernel widerrief. Die Arbeit an Bazaar begann wenige Monate früher und übernahm den Namen des GNU-Arch-Fork, mit dem Canonical bis zu diesem Zeitpunkt arbeitete.
Sehr offensiv nennt die Dokumentation "die zehn wichtigsten Gründe für den Umstieg". Doch zeigt sich schon auf den ersten Blick, dass die meisten zumindest im Vergleich mit anderen verteilten Versionskontrollsystem nicht greifen. Insgesamt bleiben im Vergleich mit Git und Mercurial dennoch Besonderheiten: Das ebenfalls in Python geschriebene Bazaar unterstützt wie Mercurial Windows ausgezeichnet und es integriert ein vom Bazaar-Team entwickeltes, sehr leistungsfähiges GUI (Abbildung 4).
Workflows
Doch der Anspruch von Bazaar, als einziges System unterschiedliche Workflows zu unterstützen, lässt sich nicht halten. Jedes verteilte Versionsverwaltungssystem erlaubt auch das Publizieren in ein zentrales Repository. Zwar erlaubt es nur Bazaar, auf eine lokale Versionshistorie ganz zu verzichten, sodass ein Check-in die Daten direkt an den Server überträgt. Doch abgesehen davon, dass es dem Entwickler den Aufruf von »pull«
nach dem Check-in erspart und weniger Plattenplatz braucht, bringt Bazaars Besonderheit während der Entwicklung keine Vorteile. Die vollständig lokal vorliegende History, die unter anderem schnelle lokale Merges ermöglicht, gilt schließlich als der wesentliche Fortschritt verteilter Systeme gegenüber SVN und CVS.
Als praktisch erweisen sich die so genannten leichtgewichtigen Check-outs dagegen bei der Webentwicklung, wo sie beim Auschecken direkt auf dem Server Plattenplatz und Netzbandbreite sparen. Doch dies gilt auch für einen lokalen Mercurial- oder Git-Check-out mit nachfolgendem Rsync zum Server, der das ».mercurial/«
oder ».git/«
-Verzeichnis ausspart. Beide Systeme verteilen – anders als CVS und SVN – die Versionsdaten ja nicht über alle Unterverzeichnisse.
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