Open Source im professionellen Einsatz

Sprachbegabt

Wie sich an den unvollständigen Lokalisierungen vieler freier Softwareprojekte zeigt, kommen Kompetenzen als Übersetzer und Software-Entwickler wohl nicht wirklich häufig in Personalunion vor. Launchpad bietet daher eine grafische Schnittstelle, mit der sich einmal importierte ».po« -Dateien ohne Kenntnisse der zugrunde liegenden Technik erweitern lassen (Abbildung 8).

Abbildung 8: Auch das gibt es nur bei Launchpad: Mit der grafischen Schnittstelle zu GNU Gettext beteiligen sich sprachbegabte Besucher ohne Entwicklerhintergrund an der Übersetzung.

Last but not least gehört zu Launchpad auch ein Buildservice für Ubuntu-Pakete. Zwar ist der Buildservice von Open Suse flexibler, da er Pakete für zahlreiche Distributionen baut. Doch bei Launchpad ist die Paketschmiede Teil einer umfangreichen Entwicklungsplattform mit leistungsfähigen Werkzeugen für die Koordination der Teamarbeit. Sie verwaltet Einzelaccounts, Teamaccounts, zu denen eine Mailinglisten-Verwaltung mit Archivfunktion gehört, sowie Projektaccounts samt Release-Management. [14] listet die Launchpad-Funktionen detailliert auf. Den besten Eindruck erhält jedoch, wer ein aktives Softwareprojekt wie Inkscape auf Launchpad.net besucht.

Nicht ganz freiwillig

Ähnlich wie die Betreiber von Sourceforge betrachtete auch Canonical die Software hinter der Plattform zunächst als exklusives Eigentum. Freie Softwareprojekte dürfen Launchpad.net kostenlos nutzen, Anbieter proprietärer Software müssen für die Nutzung dagegen bezahlen. Durch die an diesem Modell geäußerte heftige Kritik ließ sich Mark Shuttleworth jedoch umstimmen. Canonical hat die Quellen der Launchpad-Software 2009 veröffentlicht.

Seitdem steht es jedem frei, seinen eigenen Launchpad-Server aufzusetzen. Allerdings behält sich Canonical weiterhin die Rechte an den eingebunden Grafiken vor. Für den internen Einsatz spielt dies keine Rolle, doch öffentliche Hostings auf Launchpad-Basis müssen die geschützte Optik verändern.

Praktikabel ist die Launchpad-Installation außerdem nur auf einem dedizierten Server mit Ubuntu-Betriebssystem. Der Setup-Prozess beschränkt sich zwar inzwischen auf wenige, aber gut dokumentierte Kommandozeilen-Aufrufe, doch er greift von der Apache-Konfiguration bis hin zu »/etc/hosts« tief in das System ein und löscht zudem alle PostgreSQL-Datenbanken, sodass der Einsatz einer eigenen (virtuellen) Maschine zu empfehlen ist.

Voraussetzung für die Installation ist die Versionsverwaltung Bazaar [15], mit der der Admin erst einmal das Setupskript Rocket-Fuel auscheckt. Es lädt nach dem Start alle benötigten Softwarepakete und Quellcode-Dateien herunter und richtet das System als Launchapd-Server ein. Das dauert je nach Tempo der Netzwerkverbindung mehrere Stunden. Während dieser Zeit fragt das Skript nach dem Root-Passwort, da der Sudo-Passwortcache zwischen den einzelnen Aktionen ausläuft. [16] beschreibt die Installation im Detail.

Nach der Installation ist noch die PostgreSQL-Datenbank zu initialisieren und Launchpad mit »make run« zu starten, dann ist der eigene Server unter »https://launchpad.dev/« erreichbar – allerdings nur lokal auf der Maschine, auf der der Server läuft. [17] erklärt, wie sich die Apache-Konfiguration auf dem Lauchpad-Server für dem Zugriff von externen Maschinen anpassen lässt.

Am sinnvollsten ist es, die dort angebotene Diff-Datei auf »/etc/apache2/sites-enabled/local-launchpad« anzuwenden, statt die Änderungen per Hand auszuführen. Damit die Links in der Webplattform funktionieren, ist auf allen Maschinen, die zugreifen möchten, eine Anpassung von »/etc/hosts« Pflicht. Nach wie vor bleibt Launchpad trotz offener Quellen eine auf den Eigenbedarf von Canonical zugeschnittene Software.

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