Lisog-Historie
Gegründet wurde die Lisog im Jahr 2005 mit 29 Vertretern von Kommunen, Anwendern und Unternehmern, darunter Mittelständler ebenso wie Branchenriesen. Vorstandsvorsitzender ist bis heute Karl-Heinz Strassemeyer, einer der deutschen Linux-Vorreiter beim IT-Giganten IBM.
Der Verein sieht als seinen wesentlichen Erfolg die professionelle Geschäftsführung durch die MFG Baden-Württemberg, die Innovationsagentur des Landes für IT und Medien. Die Lisog hat aktuell 115 Mitglieder und Kontaktbüros in Hamburg, Berlin, Zürich, Wien, Palo Alto und Toronto.
Seit 1997: LIVE
Der Linux-Verband, einige Jahre lang als "Live Linux-Verband" bekannt, wurde 1997 gegründet und beschreibt seine Ziele mit drei Schlagworten: Business gestalten, Stimme geben, gemeinsam handeln. Aktuell hat LIVE gut 50 Firmenmitglieder. Seit dem 11. November gehören seine Vorstände Elmar Geese, Peter Ganten und Rico Barth auch zum Lisog-Vorstand (Abbildung 1). Neu im Vorstand des Vereins ist Holger Dyroff, Produktmanager bei Novell. Dyroff löst hier seinen Kollegen Jürgen Müller ab. (mfe)
Kommentar: Transparenz und Taten
Die Lisog und der LIVE wollen zusammengehen und Kräfte bündeln. Das halte ich in der Sache für eine gute Idee, denn ich sehe keinen Grund, wieso Deutschland zwei Verbände braucht, um Linux in Wirtschaft und Politik zu vertreten. Und es gibt genügend Baustellen: Linux hat in der Politik noch keine laute Stimme, auch wenn der Linux-Verband als Lobbyorganisation beim Bundestag akkreditiert ist. Damit beteiligt und hört das Parlament bei bestimmten Fragen die Unternehmensvertreter.
Letztlich hat sich hier aber noch nicht viel getan, denn das Damoklesschwert der Softwarepatente schwebt immer noch über den Köpfen, Vergaberichtlinien der öffentlichen Hand benachteiligen Open-Source-Anbieter wegen diffiziler Haftungsforderungen. Die Politik sieht im Großen und Ganzen vor allem die finanziellen Vorteile freier Software, aber versteht kaum die Vorteile von Offenheit, Flexibilität und Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern.
Hier ist mehr Überzeugungsarbeit nötig. Stattdessen hangeln sich die deutschen Linux-Firmen von Projekt zu Projekt: Wenn ein öffentlicher Auftraggeber das Säckel öffnet, entwickeln sie Projekte weiter, dann ist wieder Schluss. Unter Nachhaltigkeit verstehe ich etwas anderes.
Aus Sicht der einzelnen Unternehmen zumindest ist das nachzuvollziehen. Ich finde jedoch, eine Interessenvertretung sollte sich auch um die ganzheitliche Sicht bemühen. Die Rolle von Linux-Firmen in Konsortien ist nach wie vor meist die eines Beiträgers. Wie wäre es etwa einmal damit, ein Subskriptionsmodell zu entwickeln, das die langfristige Weiterentwicklung und Pflege von Libre Office, Kontact oder einer Middleware sichert?
Außer mit zwei oder drei – richtigen und wichtigen – Pressemeldungen pro Jahr und Software-Architekturen, die mehr aus Namedropping als aus konkretem Code bestehen, hat sich noch keine der beiden Vertretungen hervorgetan. Ich habe den Eindruck, ein Großteil der Mitglieder hat sich damit mittlerweile abgefunden. Vielleicht besänftigt die wieder anspringende Wirtschaft auch den einen oder anderen – zumindest vorläufig.
Als ich die aktuellen Verlautbarungen mit den Meldungen von fast auf den Tag genau vor drei Jahren verglich, als Lisog und LIVE sich schon einmal die Ehe versprachen, habe ich kaum Unterschiede entdeckt: Potenziale heben, Synergien bündeln. Allein, 2007 ist nichts passiert.
Nichts Neues?
Auch heute darf die Tatsache, dass die drei LIVE-Vorstände nun "zufällig" auch als Lisog-Vorstände gewählt sind, nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich in Sachen Fusion bislang kaum etwas getan hat: Geese, Ganten und Barth sind nämlich ohnehin mit ihren Unternehmen Mitglied bei der Lisog. Ein Mandat des LIVE haben die drei lediglich dafür, eine Absichtserklärung mit der Lisog zu vereinbaren – mehr nicht. Das geht aus dem Protokoll der Mitgliederversammlung hervor, das dem Linux-Magazin vorliegt.
Ohne Maßnahmen, die die jeweiligen Mitglieder einbindet, erscheint eine Fusion schwierig, denn die Kulturen der beiden Partner unterscheiden sich trotz personeller Verflechtungen signifikant. Hat der LIVE gut 100 persönliche Mitglieder und kleine Unternehmen mit ausgeprägter Diskussionskultur, so organisiert sich die Lisog eher patriarchalisch.
Da Verfahrensfragen kleinzureden und eine Hinterzimmerpolitik zu verfolgen, erscheint mir der falsche Weg: Es macht sehr wohl einen Unterschied, ob der seit 13 Jahren bestehende LIVE der Lisog beitritt oder umgekehrt. Die Vermögen der beiden sind keine Peanuts, allein beim LIVE bewegt es sich dem Vernehmen nach im sechsstelligen Bereich. Die Lisog ihrerseits sieht keine persönlichen Mitglieder vor, die sich an Diskussionen beteiligen dürfen.
Ich erkenne viel Positives in einem gemeinsamen Ziel, aber für den Weg dahin sollte das gelten, was Open Source so erfolgreich gemacht hat: Offenheit und Transparenz. (Nils Magnus)
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