Darüber hinaus?
Bei allen hier vorgestellten Produkten steht letztlich der Kern des Software-Entwicklungsprozess im Mittelpunkt. Aber das reicht meist nicht. Ein Bugtracker etwa hat mit einem Buildsystem nur am Rande zu tun, ist aber gleichwohl ein unverzichtbarer Bestandteil des Software-Bauens. Ebenso sieht es aus mit dem Freigabeprozess, mit Anforderungsanalyse, Dokumentation und mit dem Auditing, zum Beispiel bezüglich Security oder Softwarestandards. Enterprise-Lösungen wie IBMs Jazz [18] versuchen hier die sprichwörtliche Eier legende Wollmilchsau zu bieten. Die Infrastrukturanforderungen für ein solches System sind immens, der Supportaufwand auch. So ein großes System rechnet sich – wenn überhaupt – nur langfristig.
Angesichts der Tatsache, dass die Verfahren und Tools der Software-Entwicklung immer einem regen Wandel unterworfen waren und sind, stellt sich die Frage, ob man überhaupt auf ein so hoch integriertes System setzen soll. Bis sich alle an der Entwicklung Beteiligten auf die neuen Werkzeuge eingestellt haben und die Prozesse sauber und effizient laufen, hat sich die Welt schon weitergedreht. Besser erscheinen kleinere, gut anpassbare Tools, die sich dank offener Schnittstellen an etablierte Systeme wie Mail, Bugtracker und so weiter einer Firma anschließen lassen.
Fazit
Buildtools und Buildsysteme gibt es passend zu jeder Projektgröße. Wer auf der grünen Wiese anfängt, sollte ein System wählen, das der absehbaren Komplexität und dem Umfang seines Projekts entspricht. Wer seine aktuelle Buildumgebung eher als Hemmschuh, nicht als produktivitätssteigernd empfindet, sollte umsteigen. Projektverantwortliche kommen dabei um Evaluierung und Abgleich an eigene Bedürfnisse nicht herum, da die Webseiten der hier vorgestellten Tools alle ein sehr gutes Marketing betreiben und jeweils Einfachheit, Flexibilität und Skalierung versprechen.
Wichtiger als ein möglichst großer Funktionsumfang oder ein möglichst kleines Makefile sind Offenheit, Schnittstellen, Stabilität und Verbreitung. Bei aller Tool-Unterstützung sollte klar sein, dass ein gutes Buildsystem kein Selbstläufer ist, sondern immer dedizierte Unterstützung von Fachleuten benötigt.
Infos
- Cmake: http://www.Cmake.org/
- Qmake: http://doc.trolltech.com/3.0/Qmake.html
- Maketools im Softwareverzeichnis der Free Software Foundation: http://directory.fsf.org/category/make/
- Open-Directory-Projekt: Buildtools http://www.dmoz.org/Computers/Software/Build_Management/Make_Tools/
- Scons: http://www.scons.org
- Cons: http://www.dsmit.com/cons/
- Maven: http://maven.apache.org
- Buildr: http://buildr.apache.org
- Ivy: http://ant.apache.org/ivy/
- Gradle: http://www.gradle.org
- Carsten Zerbst, "Am Ball bleiben": Linux-Magazin 07/10, S. 106
- Distcc: http://code.google.com/p/distcc/
- Buildbot: http://buildbot.net/trac
- Alternativen zu Buildbot: http://ci.apache.org
- Apaches Buildbot-Service: http://ci.apache.org/buildbot.html
- Open Suse Build Service: https://build.opensuse.org
- KDE GHNS: http://newstuff.kde.org
- IBMs Jazz-Projekt: http://www-01.ibm.com/software/de/rational/jazz/
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