Open Source im professionellen Einsatz

Cluster-Stack

Red Hat führt den Cluster-Stack neuerdings nicht nur als Addon, sondern hat auch große Teile davon überarbeitet. Zuerst fällt auf, dass »system-config-cluster« - neben vielen anderen Programmen aus der Reihe mit diesem Präfix - aus der Distribution verschwunden ist. Der Stack lässt sich aber weiterhin über die Kommandozeile und die Web-GUI Conga konfigurieren (siehe Abbildung 4). Für die Clusterkommunikation verwendet RHEL nun Corosync.

Abbildung 4: Die neue Version der Conga Cluster Administration sieht nicht nur frischer aus, sondern lässt sich auch besser bedienen. Als Alternative steht Admins aber weiterhin die Kommandozeile offen.

Abbildung 4: Die neue Version der Conga Cluster Administration sieht nicht nur frischer aus, sondern lässt sich auch besser bedienen. Als Alternative steht Admins aber weiterhin die Kommandozeile offen.

Neu hinzugekommen ist die Option, den bekannten Cluster Resource Manager (CRM) »rgmanager« durch Pacemaker zu ersetzen [5]. Auch wenn dies nur eine Technical Preview ist und so ohne Support läuft, kann der Systemverwalter somit einen HA-Cluster ohne den Cluster Manager von Red Hat realisieren. Möchte er den Cluster-Stack Pacemaker testen, darf er den allerdings nicht über die dessen GUI administrieren. Stattdessen muss er auf die CRM-Shell ausweichen. Weil auch nicht alle nötigen SE-Linux-Policys vorhanden sind, deaktiviert der Admin diese besser.

Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass in naher Zukunft der Red Hat Cluster Manager verschwindet, bringt diese Annäherung an den Cluster-Stack von Novell dem Anwender nur Vorteile. Weitere Details zu diesen und zahlreichen anderen Neuerungen liefern die Release Notes [6] sowie die Technical Notes [7].

Virtuell, skalierbar, sicher und performant

RHEL 6 hinterließ im Test einen performanten und stabilen Eindruck. Es ist in vielen Bereichen mit seinem wichtigsten Mitbewerber, SLES 11, gleichgezogen und hat ihn bei der Skalierbarkeit oder Virtualisierung vielleicht sogar überholt. Ob Red Hats Bekenntnis zu KVM der Xen-Lösung von Novells SLES das Wasser abgraben kann, wird sich zeigen. Microsoft hat beide Lösungen zertifiziert.

Somit buhlen nun schon zwei - mit Ubuntu-Server von Canonical sogar drei - Enterprise-Distributionen um die Gunst im Highend-Server-Markt. RHEL ist hier durch seine nachgewiesene Sicherheit, Stabilität, Funktionalität und Skalierbarkeit gut positioniert. Die Distribution setzt auch im neuen Release ohne besondere Highlights durch kontinuierliches Weiterentwickeln wichtiger Kerntechnologien Red Hats Unternehmensstrategie konsequent fort. Das zeigen auch die Zertifizierungen für Drittanbieter beispielsweise Oracle. Noch wichtiger für Admins dürfte jedoch sein, dass nun auch von Red Hat wieder eine Unternehmensdistribution nach aktuellem Stand der Technik vorliegt. (mg)

Infos

[1] Addon für RHEL: [http://www.redhat.com/rhel/add-ons/]

[2] Ressourcenverwaltung mit Control Groups: [http://www.pro-linux.de/artikel/2/1464/ressourcen-verwaltung-mit-control-groups-cgroups.html]

[3] NTFS-Treiber für RHEL 6:[http://pkgs.org/requires/ntfs-3g/]

[4] DRBD: [http://www.drbd.org]

[5] Pacemaker: [http://clusterlabs.org]

[6] RHEL 6 Release Notes: [http://docs.redhat.com/docs/en-US/Red_Hat_Enterprise_Linux/6/html/Release_Notes/]

[7] RHEL 6 Technical Notes: [http://docs.redhat.com/docs/en-US/Red_Hat_Enterprise_Linux/6/html/Technical_Notes/]

Die Autoren


Jan Sperling und Andreas Steil sind als RHCE (Red Hat Certified Engineers) zertifiziert. Sie arbeiten als Linux-Consultants bei der B1 Systems GmbH, die sich auf Enterprise Linux, Hochverfügbarkeit und Virtualisierung spezialisiert. Derzeit befassen sie sich mit der Migration von RHEL 5 auf RHEL 6.

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