Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2011
© froodmat, Photocase.com

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Red Hat Enterprise Linux 6 im Test

Alles Virt gut

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Alle drei Jahre ist es soweit: Red Hat unterzieht seine Distribution für Unternehmensanwendungen einer Frischzellenkur. Revolutionen muss dabei niemand befürchten, Admins dürfen sich aber auf aktualisierte Pakete freuen. Richtig Gas gibt RHEL jedoch in den Trendfeldern Virtualisierung und HA-Cluster.

 

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Das Warten von Red-Hat-Admins und Anwendern auf neue Features hat ein Ende. Drei Jahre, nachdem der Anbieter im März 2007 Red Hat Enterprise Linux 5.0 veröffentlicht hat, erscheint das neue Major-Release RHEL 6. Zwar enthält das letzte Release 5.5 weitgehend aktuelle Software und genügt den grundlegenden Anforderungen sowohl an ein Server- als auch an ein Desktop-Betriebssystem, hat allerdings einige neue Technologien noch nicht an Bord. Dazu gehören Weiterentwicklungen der Virtualisierung, LVM, sowie von Serverdiensten wie Apache, Samba und NFS.

Auch manche Neuerungen für Workstations wie WLAN, Suspend und Hibernate sowie eine breitere Hardwareunterstützung hatte Red Hat in den bisherigen Versionen noch nicht integriert. Seit November ist das neue Major-Release heraus, das das Unternehmen offiziell bis 2017 unterstützt, mit einer gesonderten Verlängerung sogar noch drei weitere Jahre.

Sowohl Red Hat als auch Novell gehen bei der Entwicklung ihrer Enterprise-Distribution den gleichen Weg und sichern sich wertvolle Beiträgedurch eine weit reichende Unterstützung einer Open-Source-Community- hier das Fedora-Projekt, dort Open Suse.

Installation

Die RHEL-6-Testinstallation von DVD auf einem IBM Blade im Labor der Tester gefiel durch ihre schnörkellose Einfachheit und dauerte etwa 20 Minuten. Im Vergleich zu früheren Versionen wirkt der Installer Anaconda aufgeräumter und frischer, allerdings bietet nur der grafische Installer alle Konfigurationsoptionen.

Der Bootvorgang läuft schneller als bisher ab und verwendet Grub Legacy, sodass es keine Probleme bei gleichzeitiger Verwendung von Grub mit Grub 2 gibt. Die Netzanbindung, die jetzt mit besserer IPv6-Unterstützung kommt, gelang auf Anhieb und steht auf den ersten Blick den Wettbewerbern in nichts nach.

Neuerungen im Überblick

Die Entwickler haben den Kernel auf Version 2.6.32 aktualisiert und sämtliche Software mit GCC 4.4 kompiliert. Sie unterstützen die Dateisysteme Ext 4 und XFS. Red Hat empfiehlt Ext 4 dabei für alle Standardanwendungen. Damit kommt das Dateisystem wohl endgültig in der Enterprise-Welt an. Neu in RHEL ist Btrfs, das Next Generation File System for Linux, was darauf hindeutet, dass Red Hat diesem Dateisystem langfristig den Rücken stärken will.

Als Desktop-Umgebungen liegen Gnome 2.28 und KDE 4.3.4 bei. Als Datenbanken bringt die Distribution PostgreSQL 8.4 und MySQL 5.1 mit, als Java-Laufzeitumgebung Open JDK 1.6 sowie als Compiler GCC 4.4.

Red Hats Linux läuft auf den Plattformen Intel i386, AMD64/Intel64, System z und IBM Power (64 Bit), jedoch nicht mehr auf Itanium IA64. Da das neue RHEL 6 bis zu 4 096 Prozessoren und 64 TByte Hauptspeicher verwaltet, skaliert es besser. Der Anbieter unterstützt offiziell jedoch nur Installationen mit bis zu 8 TByte Hauptspeicher.

Red Hat änderte neben der Software auch das Abonnentenmodell und gliederte einzelne Komponenten aus, die früher nur Bestandteil des teuren Advance Server waren. Die nennt das Unternehmen jetzt Addons [1]. Nach dem neuen Modell sind Desktops je nach Auswahl schon für unter 50 Euro pro Jahr zu haben, die Preise für Server richten sich nach der Hardwareausstattung und beginnen ab etwa 300 Euro. Die Subskriptionen bietet Red Hat über Distributoren an.

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