Überwachung jenseits von Nagios, das meinte zum einen die Nagios-Folgeprojekte, von deren Fortschritten sich die Besucher auf der Konferenz ein gutes Bild machen konnten. So stellte der Shinken-Koautor Gerhard Laußer in seinem Vortrag diesen Nagios-Nachbau in Python vor.
Abbildung 1: Bernd Erk (Netways) demonstrierte auf der Monitoringkonferenz die beachtlichen Fortschritte des Nagios-Nachfolgers Icinga im letzten Jahr.
Seine Besonderheit ist, dass er bei weitgehender Wahrung der Kompatibilität zum Vorbild auf eine radikal modernisierte Architektur setzt, die zahlreiche Vorteile verspricht. Dazu zählen eine bessere Lastverteilung und Redundanz sowie höhere Performance durch parallel arbeitende, spezialisierte Prozesse anstelle des monolithischen Nagios-Kerns.
Daneben etablieren sich gegenwärtig auch die ersten Shinken-Features, die funktional über das klassische Nagios hinausgehen. Das betrifft etwa die Fähigkeit, sowohl Checks als auch Benachrichtigungen an Orte zu binden und dort nur lokal auszuführen – sei es in der DMZ, um Sicherheitsanforderungen zu genügen, sei es auf einem bestimmten Kontinent, um Weitverkehrsverbindungen in geografisch verteilten Installationen nicht zu belasten.
Neues von Icinga
Icinga, ein zweiter Nagios-Fork, präsentierte auf der Konferenz seine erste stabile Release mit der Versionsnummer 1.2.0. Obwohl ein Highlight dieses Projekts zweifellos das weiter verbesserte moderne Web-GUI ist, floss auch viel Arbeit in das ältere CGI-Interface, das in ähnlicher Weise auch das klassische Nagios verwendet. Über dessen Funktionalität geht nun aber eine Icinga-Neuerung deutlich hinaus, die Kommandos erlaubt, die gleichzeitig viele Dienste adressieren. Nützlich ist das beispielsweise, wenn man verhindern möchte, dass eine große Zahl Services, die von geplanten Wartungsarbeiten betroffen sind, unberechtigte Alarme auslösen.
Daneben macht sich Icinga, das auf dem in C geschriebenen Nagios-Core aufsetzt, aber nicht nur Gedanken über die Frontends, sondern möchte mit einem XML-RPC-API für den eigenen Kern die Tür zu besserer Lastverteilung und optimiertem Scheduling öffnen.
Icinga hat inzwischen auch die ersten Nagios-Plugins integriert, darunter das bemerkenswerte Business-View-Plugin, dessen Autor Bern Strößenreuther auch zu den Referenten der Konferenz zählte.
Monitoring abseits von Nagios – das betraf zum anderen aber auch eine ganze Palette völlig unabhängiger Tools, die im Zentrum mehrerer Vorträge standen. So referierte Rainer Jung über interessante Möglichkeiten der Überwachung von Java-Prozessen, zum Beispiel durch JMX oder Java Thread Dumps.
Der Netzwerküberwachung mit Argus war ein Vortrag von Wolfgang Barth gewidmet, der zeigte, wie sich große Mengen im Hintergrund gesammelter Verbindungsdaten beim Suchen nach der Ursache von Problemen nachträglich auswerten lassen. Auch direkte Nagios-Konkurrenten waren wieder mit Präsentationen am Start, diesmal Open NMS, das sich selbst als erstes freies Enterprise-Netzwerkmonitoringsystem versteht.
Andere Vorträge stellten Anwendungsbeispiele vor (Xing, Thales Hengelo) oder widmeten sich einem der Plugins, deren Vielfalt eine der großen Stärken von Nagios ausmacht. Der Netways GmbH als routiniertem Ausrichter ist es zu danken, dass auch diesmal wieder die Organisation der Konferenz sowie Unterkunft und Verpflegung perfekt gerieten. (jcb)