Open Source im professionellen Einsatz

Der Telefonjoker

Kommen Sie, heute spielen wir "Wer wird Millionär?" - Sie sind der Kandidat und ich der Jauch. Springen wir gleich ans Ende der Sendung, das spart uns die Werbeblöcke. Ich stelle Ihnen nun die Eine-Million-Frage. Tusch! "Wer hat folgenden Satz gesagt: Dabei arbeiten immer mehr Smartphones mit frei verfügbaren, offenen Betriebssystemen, was neue Sicherheitsrisiken birgt"?

Und hier kommen die vier möglichen Antworten: A) Steve Jobs bei der Präsentation von IOS 4. B) Nokia Siemens Networks, das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie, Cassidian, die ERNW GmbH, die Hochschulen Aachen und Augsburg, die Deutsche Telekom, das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik sowie die Bundesanstalt für den Digitalfunk bei der Präsentation des mit Bundesmitteln geförderten Forschungsprojekts Asmonia. C) Steve Ballmer bei der Präsentation von Windows Phone 7. D) Der Research-in-Motion-Chef Jim Balsillie bei der Vorstellung von Blackberry OS 6.

Mmmmh, ausschließen? Eigentlich nur B, denn Nokia macht mit Maemo rum, die Sicherheitsspezialisten bei Fraunhofer in Darmstadt wissen, dass Security by Obscurity noch nie funktioniert hat. Das BSI empfielt nicht nur gehärtete Linuxe einzusetzen, wo's auf Sicherheit ankommt, sondern arbeitet intern mit Linux-Rechnern, weil es so oft selbst Ziel von Angriffen ist. Wär` doch absurd, wenn gerade diese Firmen und Institutionen vor freien Betriebssystemen auf Smartphones warnen. Oder?!

Gut, Sie wollen B ausschließen. Bleiben A, C oder D. Sie haben keine Ahnung und wollen aufhören? Dann meinen Glückwunsch zu 500000 Euro! Tusch! Jetzt schauen wir aber noch in den Computer, welche die richtige Antwort gewesen wäre... B, die Ankündigung von Asmonia-Projekt! Gut, dass Sie aufgehört haben.

Der Satz mit den verblüffenden Absendern stammt aus einer Pressemitteilung, die den Start eines Forschungprojekts meldet: Asmonia soll ein Frühwarnsysteme für Mobilfunknetze der 4. Generation konzipieren, das Malware-Attacken netzübergreifend erkennt, meldet und bewertet. Und als Begründung für die Sinnhaftigkeit des Projekts dienen neben der wachsenden Mobildaten-Menge die Smartphones mit offenen Betriebsystemen.

Wer auf die Meldung hin mit den Beteiligten telefoniert, bekommt nur ein Mal (von einer Nokia-Siemens-Sprecherin) zu hören, es sei Konsens, das offene Systeme anfälliger als geschlossene wären. Die meisten Angesprochenen versichern dagegen, man dürfe den Satz so keinesfalls interpretieren und Linux & Co. seien toll. Am Ende landet man beim freundlichen Dr. Pütz in einer Abteilung des BSI, die sich mit Mobilfunk-Abhörsicherheit befasst. Der hält die Formulierung für eine Eselei und weiß, dass die zur erwartenden Gefahren aus dem TCP/IP-Charakter der künftigen 4G-Netze rühren und keinesfalls aus der Offenheit von Quellcode, ganz im Gegenteil.

Diese Millionenfragen haben es echt in sich.

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Ausgabe 07/2013

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