Open Source im professionellen Einsatz

Linux-Kongress 2010 in Nürnberg

Austauschformat

Beim jährlichen Kernel-Treffen in Europa präsentieren zwar meist Kernelhacker ihre Arbeit, aber auch Applikationsentwickler und Systemverwalter stellen ihre Projekte vor. So profitieren auch Anwender langfristig von dem Austausch über Dateisysteme, Netzwerkperformance und Debugging-Subsysteme.

Für das 17. Treffen des traditionsreichen Kongresses wählten die Organisatoren einmal mehr Nürnberg als Austragungsort - eine ideenlose Entscheidung, da der Entwicklertross hier schon mehrfach Stopp gemacht hat, aber eine pragmatische: Die bequeme Nähe zum Suse-Hauptquartier bescherte der Konferenz den einen oder anderen Novell-Entwickler zusätzlich. So gab Alexander Graf einen Überblick seiner KVM-Entwicklungen auf der Power-Plattform, Hannes Reinecke stellte seine SCSI-HBA-Emulation für dieselbe Virtualisierungsplattform vor und Olaf Dabrunz referierte über neue Methoden beim Kernel-Tracing jenseits von »ptrace()« mit Interrupt 3.

Neben Übersichten wie Jan Kiszkas Architektur-Vorstellung von KVM sowie Olof Hagsands Messergebnissen von bis zu 93 GBit/s aggregiertem Traffic in einer hochgradig optimierten Routerplattform gab es auch bereits traditionelle Veranstaltungen wie den jährlichen Statusreport von Log2fs von Jörn Engel (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Diskussionen über Kern-Fragen und Systemadministration führten Teilnehmer beim Linux-Kongress abends in Nürnbergs Bierkellern weiter. GUUG-Vorsitzender Wolfgang Stief (rechtes Bild, links) und Logfs-Vortragender Jörn Engel (rechts) lauschen den Anweisungen von Zeremonienmeister Dirk Wetter (Mitte).

Abbildung 1: Die Diskussionen über Kern-Fragen und Systemadministration führten Teilnehmer beim Linux-Kongress abends in Nürnbergs Bierkellern weiter. GUUG-Vorsitzender Wolfgang Stief (rechtes Bild, links) und Logfs-Vortragender Jörn Engel (rechts) lauschen den Anweisungen von Zeremonienmeister Dirk Wetter (Mitte).

Ein besseres Inotify

Systemverwalter dürften mit den Ideen des tschechischen Kernelentwicklers Jan Kara etwas mehr in Berührung kommen: Er hat das Problem untersucht, effizient herauszufinden, welche Dateien sich in einem Dateisystem ändern. Damit können Programme besser Backups anlegen und Daten von Anwendern indizieren oder Virenscanner unabhängig von Benutzern aktiv werden. Für einige Dateisysteme existieren dazu bereits Patches, im Fall von Btrfs lassen sich solche Änderungen sogar direkt aus den Metadaten extrahieren.

Zurzeit entwickelt Jan Kara einen vom Filesystem unabhängigen Ansatz, den er "rekursive Timestamps" nennt. Wenn der Kernel eine Änderung an einer Datei vornimmt, setzt sein vorläufig experimenteller Code ein Flag in allen Verzeichnissen, die oberhalb des eigenen Pfades liegen - es sei denn, dort ist es schon gesetzt. Damit lokalisiert ein Scanprogramm schnell die veränderten Dateien.

Den Reiz des Linux-Kongresses macht die Mischung aus Entwicklern für den Kernel und solchen fürs Userland aus. Ein Beispiel dafür war Lennart Poetterings Vorstellung von Systemd. Der Red-Hat-Mitarbeiter will einmal mehr das Init-System renovieren, eine Forderung, die Vortragende schon auf dem Linux-Kongress 1996 stellten.

Es zeigte sich, dass manche Systemd-Idee auch auf Skepsis trifft: Poettering plant beispielsweise, bereits während des Bootens Prozesse zu starten, die über Pipes Daten entgegennehmen, selbst wenn der eigentliche Dienst erst später startet. Kernelentwickler im Publikum wiesen dabei auf mögliche Synchronisationsprobleme hin.

Die zweitägige Veranstaltung, der Tutorien vorausgingen, besuchten laut dem kommissarischen Veranstaltungsleiter und GUUG-Vorstand Dirk Wetter rund 100 Besucher [1]. Für die 18. Auflage sucht die GUUG noch einen passenden Ort im September 2011.

Infos

[1] Vortragsunterlagen des Linux-Kongresses:[http://www.linux-kongress.org/2010/program.html]

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