Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2010
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Erstlingswerk

Man sieht Univentions System das Erstlingswerk an einigen Stellen an. Zu rudimentär sind noch einige Features, sie beschränken sich auf die üblichen Lifecycle-Funktionen sowie die Installation virtueller Maschinen. Import, Export, erweiterte Storage-Optionen, zum Beispiel Snapshots oder Cloning, sucht man vergeblich. Die Storage-Verwaltung erfolgt standardmäßig in Form von Imagedateien. Thinprovisioning oder andere von LVM bekannte Funktionen stehen somit nicht zur Verfügung.

Wer Migration nutzen möchte, braucht von Hand aufgesetzten NFS- oder I-SCSI-basierten Storage. Besonders Admins von geschäftskritischen Setups werden eine HA-Infrastruktur vermissen. Daher erscheint die Lösung zum jetzigen Zeitpunkt eher geeignet für kleinere Umgebungen mit wenigen VMs. Jedoch hat der Hersteller für 2011 hierzu Erweiterungen angekündigt.

Dem eigenen Anspruch jedenfalls, mit VMware und Xen Server vergleichbar zu sein, wird das System nicht gerecht. Aber die Anfänge sind vielversprechend und vermutlich darf man noch einiges aus der Bremer Softwareschmiede erwarten. Für bestehende UCS-Kunden sowie Virtualisierungs-Einsteiger darf der UVMM jedoch als eine schlanke und sofort nutzbare Lösung gelten, zumal Univention die Kunden mit passenden Updates versorgt, sodass eine lauffähige Umgebung langfristig gewährleistet ist.

Wer sich nicht mit dem Hypervisor-Setup herumschlagen möchte und Wert auf eine grafische VM-Verwaltung legt, findet in UCS eine schöne Alternative zu anderen Linux-Distributionen. Zudem dient sich UCS als virtualisierte Plattform für das Hosting verschiedener großer Open-Source-Applikationspakete an. So sind auch diverse Enterprise-Produkte wie Scalix, Zarafa, Open Xchange, SEP und weitere für den UCS-Betrieb zertifiziert.

Ubuntu Enterprise Cloud

Ubuntus Enterprise Cloud (UEC, [10], [11]) ist eine Serverplattform zum Aufbau und Betrieb von Private oder Public Clouds. Aufbauend auf der aktuellen Ubuntu-10.04-Serverplattform erhält der Anwender die Open-Source-Software Eucalyptus (Elastic Utility Computing Architecture Linking Your Programs To Useful Systems, [12]) in Version 2.0 als Ubuntu-Paket. Diese aus einem universitären Projekt hervorgegangene Software wird zum einen als Service von dem gleichnamigen Start-up betrieben und steht darüber hinaus für RHEL, Cent OS, Open Suse und Fedora zur Verfügung. Im Kern kann Eucalyptus verschiedene Hypervisoren verwenden, um Systeme in der Cloud laufen zu lassen: Eucalyptus bevorzugt zwar Xen, Ubuntu sieht jedoch KVM als Default vor. In der kommerziellen Eucalyptus-Variante ist als Motor auch VMware verfügbar.

UEC geht mit seinem Cloud-Computing-Ansatz deutlich über klassische Server-Virtualisierungslösungen wie SLES oder Univention hinaus: Rechner-, Speicher- und Netzwerkressourcen bündelt das System und stellt sie transparent für das Hosting virtueller Maschinen bereit. Die Workloads lassen sich dabei elastisch verwalten, inklusive dynamischer Zuweisung von IP-Adressen und Rechnerressourcen, nachträglicher Erweiterung von Speicher und vielem mehr.

Eine Besonderheit von UEC/Eucalyptus ist dabei die weitgehende Kompatibilität zum Cloud-Computing-Pionier Amazon [13]: Alle wesentlichen Steuerungskommandos (EC2) sowie das Storage-Format (S3) sind kompatibel, sodass jederzeit ein nahtloser Übergang von Amazon zur eigenen Wolke und zurück möglich ist. UEC/Eucalyptus besteht aus mehreren Server- und Steuerungskomponenten. Grundsätzlich unterscheidet das System zwischen der zentralen Steuerung einerseits und den Nodes andererseits, auf denen die eigentlichen VMs laufen und die die Wolke ausmachen. Eucalyptus spricht hier von "Instances".

Unter UEC einen Node in Betrieb
nehmen

Eucalyptus-Credentials abrufen und für den User einrichten:

uecadmin@uec:~$ sudo euca_conf --get-credentials mycreds.zip
uecadmin@uec:~$ unzip mycreds.zip
uecadmin@uec:~$ ln -s eucarc .eucarc

Den Node beim Cluster-Controller registrieren:

uecadmin@uec:~$ sudo euca_conf --register-nodes 192.168.10.226

Die Cluster-Ressourcen überprüfen:

uecadmin@uec:~$ euca-describe-availability-zones verbose
AVAILABILITYZONE    cluster1        192.168.10.169
AVAILABILITYZONE    |- vm types     free / max   cpu   ram  disk
AVAILABILITYZONE    |- m1.small     0021 / 0024   1    192     2
AVAILABILITYZONE    |- c1.medium    0021 / 0024   1    256     5
AVAILABILITYZONE    |- m1.large     0009 / 0012   2    512    10
AVAILABILITYZONE    |- m1.xlarge    0009 / 0012   2   1024    20
AVAILABILITYZONE    |- c1.xlarge    0003 / 0006   4   2048    20

Der Cluster meldet die Menge verfügbarer Ressourcen, dabei bildet er automatisch die Availability Zones, gestaffelt nach Größenklassen von VMs. Mit jedem weiteren Node kann das UEC-System somit nahtlos skalieren. Dieses Feature unterscheidet ein Cloud-System von simplen Virtualisierungsmanagern und ist sicherlich einer der größten Vorteile der UEC.

Die Steuerung beinhaltet Cloud Controller (CLC), Cluster Controller (CC) sowie den Storage Controller (SC), die in einer hierarchisch aufgebauten Architektur verwoben sind (Abbildung 5). Jeder Node gehört zu einem Cluster, jeder Cluster gehört zu einer Cloud. Der CLC verwaltet die Cloud, der CC den Cluster.

Abbildung 5: Die Architektur der Ubuntu Enterprise Cloud mit Cluster, Cloud, Storage und Node Controller.

Die Ubuntu-Variante von Eucalyptus fügt dem System einen Image-Store hinzu: Das Walrus-Speichersystem [14] kann ein lokales Repository von Images oder VMs verwalten. Darauf erhält das Cloud-System dynamischen Zugriff, um VMs zu provisionieren.

Ein typisches Setup fasst die Controller auf einem Rechner zusammen, der dann das so genannte Frontend bildet. Sämtliche Komponenten lassen sich aber auch auf einzelnen Rechnern betreiben, wobei die Nodes auf dedizierten Rechnern laufen, die Hardware-seitig allerdings über Unterstützung für die Virtualisierung (also Intel VT oder AMD SVM) verfügen müssen.

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