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Linux-Magazin 11/2010
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Univention UCS

Der gerade in der neuen Version 2.4 (Abbildung 3) erschienene Univention Corporate Server (UCS, [8]) ist ein auf Debian beruhendes Linux, das vor allem in mittelständischen Unternehmen und Behörden zum Einsatz kommt. Mit der Univention Management Console (UMC) bringt es ein modular aufgebautes Web-GUI für die zentrale Verwaltung von Servern, Diensten, Clients, Desktops und Benutzern. Zu den wichtigsten Eigenschaften von UCS zählt die LDAP-basierte Domänenverwaltung mit dem UCS-Managementsystem und dem darauf aufsetzenden Univention Directory Manager.

Abbildung 3: Neu in Version 2.4 ist der Univention Virtual Machine Manager (UVMM), hier mit Zugriff auf eine VM mittels VNC. Die Features sind noch überschaubar, aber stabil.

Dieses System bildet einen Single Point of Administration für das Identity- und Infrastrukturmanagement. Gleichzeitig bietet es zahlreiche Schnittstellen zur Integration anderer Systeme, beispielsweise über einen Konnektor zu Microsofts Active Directory.

Mit der Version 2.4 ist nun erstmals der Univention Virtual Machine Manager (UVMM, Abbildung 4) verfügbar, ein in die UMC integriertes Modul zur Verwaltung der gesamten Virtualisierungsinfrastruktur in einer UCS-Umgebung. Die Distribution made in Bremen stellt dafür wahlweise Xen oder KVM bereit.

Abbildung 4: Univentions Virtualisierungs-Managementmodul bei der Steuerung der VMs.

Die Installation erfolgt per menügeführtem Text-Installer und funktioniert sowohl interaktiv als auch unbeaufsichtigt. Für die Verwendung des UVMM installiert der Admin ein UCS-System in einer der Systemrollen Domaincontroller (DC) Master, DC Backup, DC Slave oder Memberserver. Es dient als physischer Server für die Virtualisierung.

Die erste UCS-Systemrolle in der UCS-Domäne sollte immer ein DC Master sein. Auf dem installiert der Sysadmin per Default das UCS-Managementsystem (Univention Directory Manager und Infrastrukturkomponenten wie Open LDAP, PKI, Kerberos und DNS-Server). Alle anderen UCS-Server- und Desktop-Systemrollen mit Ausnahme des UCS-Basissystems treten dann bei ihrer Installation dem Vertrauenskontext der UCS-Domäne bei. Um die Virtualisierungskomponenten zu installieren, wählt der Admin bei der Software-Auswahl: »Virtual Machine Manager (UVMM)« und »Xen Virtualisierung Server« (oder KVM) aus [9].

Nach der Installation bietet das UCS-System per Browser eine Übersicht der Funktionen und Administratorwerkzeuge an, erreichbar unter [https://server]. Die Anmeldung zu diesen Werkzeugen erfolgt als Benutzer »Administrator« mit dem während der Installation vergebenen Passwort für Root. Der UVMM findet sich dabei als Unterpunkt in der Univention Management Console wieder. Er läuft als Dienst und sammelt automatisch die notwendigen Informationen über die physischen Server für die Virtualisierung und stellt sie übersichtlich im UCS-Managementsystem dar.

Einheitliches Management

In der UMC absolviert der Administrator seine Verwaltungstätigkeiten grafisch, beispielsweise Dienste steuern, Systemauslastungen prüfen oder Konfigurationsparameter ändern. Die im Univention Directory Manager (UDM) angelegten Objekte speichert das System im Open-LDAP-Verzeichnisdienst und repliziert sie auf die anderen UCS-Systeme in der UCS-Domäne. UDM bietet auch eine Kommandozeilen-Schnittstelle.

Über den UVMM lassen sich alle physischen Hosts, die Teil der UCS-Domäne sind, in einer Übersicht erfassen, verwalten sowie auf ihnen virtuelle Maschinen installieren. Dabei ist wie bei SLES dank Libvirt das Management völlig einheitlich gestaltet, unabhängig davon, ob als Hypervisor Xen oder KVM zum Einsatz kommt. UCS 2.4 unterstützt als Gäste alle wesentlichen Windows-Varianten sowie natürlich UCS selbst und alle verbreiteten Linux-Distributionen.

Ein Zugriff auf die Konsole der virtuellen Maschinen ist direkt aus dem Browser per VNC-Java-Applet möglich. Wer einen zentralen Storage eingerichtet hat, (NFS oder I-SCSI), migriert mit nur einem Klick in UVMM einzelne VMs live zu einem anderen Host.

Im Assistenten des UVMM reichen wenige Schritte, um eine neue Instanz anzulegen:

  • Zunächst bestimmt der Admin Basisparameter wie CPU, RAM
    oder HDs.
  • Dann erstellt er ein virtuelles CD/DVD-Laufwerk und wählt
    das Installationsimage.
  • Im vierten Schritt definiert er virtuelle Festplatten, wobei
    der Installer Swap-Bereiche selbstständig anlegt und
    verwaltet.
  • Jetzt lässt sich die VM erstmals starten und die
    Betriebssysteminstallation per VNC durchführen.

Windows-VMs kann der Admin aus ISOs installieren, die er aus dem DVD-Installationsmedium generiert hat. Die Abbilder müssen dabei unter »/var/lib/libvirt/images« liegen, damit die UMC sie beim Erstellen neuer VMs unter dem Punkt »Vorhandenes Laufwerk« anzeigt.

UVMM integriert sich nahtlos in die Univention-Managementkonsole. Die Verwaltung virtueller Maschinen auf Basis von Xen oder KVM ist einheitlich gelöst und geht leicht von der Hand. Die Management-Tools lassen sich einfach bedienen, offenbaren jedoch noch kleinere Schwächen. So fehlen zahlreiche Komponenten, die ein Admin gewöhnlich in Virtualisierungslösungen vorfindet. Wer mit UCS Windows virtualisieren möchte, sollte aus Performance-Gründen zu KVM greifen. Die für Xen notwendigen beschleunigenden Treiber für Windows fehlen dem Xen-Fan.

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