Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2010
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Sammelsurium

Trotzdem: Ob das System derzeit für mehr als Test- und Evaluierungszwecke taugt, scheint zweifelhaft. Lediglich die Kommandozeilentools sind vollständig, der Rest - inklusive Web-GUI Elasticfox oder Hybridfox - stellt eher ein Sammelsurium dar als eine vollständige, einheitliche und integrierte Managementumgebung. Hier muss Canonical noch deutlich nachbessern, um gerade im Vergleich mit den großen Server-Virtualisierungslösungen von Citrix, Red Hat und VMware Stand halten zu können.

Für den Enterprise-Betrieb selbstverständliche Sicherheitsmechanismen für Failover oder High Availability fehlen komplett und müssten von Hand im System aufgesetzt werden. Die Storage-Architektur EBS ist aus Anwendersicht zwar interessant, erinnert aber aus Administrator-Perspektive an eine Blackbox. Insgesamt ist der Ansatz dennoch vielversprechend und zeigt, in welche Richtung das Cloud Computing out of the Box gehen kann.

Open QRM

Ganz oben auf der Abstrahierungsleiter steht mit Open QRM [22] ein umfangreiches Management-Framework, das sichtbar aus dem Datacenter-Ressourcenmanagement stammt. Es vereinheitlicht und automatisiert die Administration physischer Server sowie virtueller Maschinen in einer übergreifenden Management-Webkonsole und erlaubt die flexible Verteilung und Verwaltung von Workloads und Ressourcen. Ziel ist das automatisierte Deployment physischer und virtueller Systeme bis hin zu den darin gehosteten Applikationen in einer skalierbaren, hoch verfügbaren öffentlichen, privaten oder hybriden Cloud.

Wer sich Open QRM nähert, sollte sich allerdings ein wenig Zeit nehmen, um die Philosophie zu verstehen. Open QRM treibt den Virtualisierungsansatz auf die Spitze, indem es das Setup weitestgehend von physischen und virtuellen Ressourcen im Netzwerk abkoppelt. Sein Appliance-Modell versteht physische Rechnersysteme und virtuelle Maschinen als Ressourcen, um Dienste im Netzwerk bereitzustellen. Eine Appliance besteht demzufolge aus den folgenden Komponenten:

  • Ressource (physisch oder virtuell)
  • Betriebssystem
  • Image eines vorkonfigurierten OS-Containers (Root-Filesystem,
    Kernel, Applikationen)
  • SLA für Cloud-Setup: Anzahl CPUs, Menge an Memory und
    Plattenplatz

Die Abstraktion des mit der Appliance realisierten Dienstes erlaubt es Open QRM, die zugrunde liegenden Subsysteme als Objekte zu behandeln.

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