Open Source im professionellen Einsatz

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Vier Komplettlösungen zum Virtualisieren im Test

Wolkige Aussichten

Für firmenweite Virtualisierung und fürs Cloud Computing: SLES 11 SP1, Univention UCS, Ubuntu Enterprise Cloud und Open QRM stellen sich einem Vergleich.

Heute im Unternehmen eine Linux-Maschine als Gastgeber für die virtuelle Herde aufzusetzen ist nicht mehr schwer. Doch beim Management hat der Admin die Qual der Wahl. Die Bandbreite freier Lösungen reicht von einfachen, KVM- oder Xen-fähigen Enterprise-Distributionen bis zu umfangreichen Cloud-Management-Tools, die die eigene private oder öffentliche Wolke verwalten.

Im folgenden Artikel testet das Linux-Magazin vier verschiedene Ansätze: Von SLES 11 über die ins Firmen-Directory integrierte Univention-Debian-Distribution und Ubuntus Enterprise Cloud bis zu Open QRM reichen die Kandidaten. Ihre Fähigkeiten beweisen mussten die Produkte auf einem modernen Multicore-Server von Thomas Krenn (siehe Kasten "Test-Hardware"). Ohne Hardwarevirtualisierung in der CPU geht da schon länger nichts mehr.

Wie die Tabelle 1 mit den wichtigsten Ergebnissen zeigt, unterstützen alle in diesem Artikel betrachteten Virtualisierungssysteme mindestens die führenden Open-Source-Hypervisoren KVM und Xen. Die meisten nutzen für das Management der VM-Umgebung Libvirt als zugrunde liegende Schnittstelle.

Univention und Suse vertreten den typischen Ansatz der klassischen, vollständig integrierten Distributionen, während die Ubuntu Enterprise Cloud und Open QRM eher den stärker abstrahierenden Managementansatz der Cloud repräsentieren und ein wenig Einarbeitung in die Philosophie der Entwickler voraussetzen. Hier ist der Hypervisor nur noch Mittel zum (Hosting-)Zweck. Vor allem das komplett freie Open QRM hat da einiges an Features zu bieten und steht den kommerziell vermarkteten Produkten in nichts nach.

Tabelle 1: Vier Virtualisierungsmanager im Vergleich

Tabelle 1: Vier Virtualisierungsmanager im Vergleich

Novell Suse Enterprise Linux

War SLES 2006 noch einer der Xen-Pioniere, so beschleicht den Tester beim Anblick der 2010er Ausgabe des SLES 11 [1] mit dem aktuellen SP1 das Gefühl, der Innovationsmotor sei zum Stehen gekommen. So ist zwar inzwischen auch KVM offiziell und gleichberechtigt mit an Bord, gerade beim Management hat sich aber recht wenig getan. Alle Cloud-Ambitionen sind dem System sogar völlig fremd. Vielleicht hilft ja der von Novell kurz vor Redaktionsschluss veröffentlichte Cloud Manager weiter [2], der sich in die diversen Managementkonsolen der Hypervisoren einklinkt und so laut Hersteller beliebige, auch heterogene Wolken managen kann.

Die Installation von SLES 11 geht Suse-typisch leicht vonstatten. Stutzig macht zunächst, dass Xen und KVM gleichzeitig installiert werden dürfen, auch wenn der gleichzeitige Betrieb nicht möglich ist. Das altbekannte Yast dient sich mit dem Reiter »Virtualisierung« zu VM-Management-Zwecken an, jedoch beschränken sich diese auf einen Installationsassistenten sowie den auch von anderen Distributionen bekannten »virt-manager« (Abbildung 1). Der ist inzwischen recht brauchbar, er offenbart reichlich Konfigurationsoptionen bis hin zur Anpassung von Storage, CPU sowie Peripheriekomponenten und ermöglicht das übliche Lifecycle-Management bis hin zum Erstellen von Klonen.

Abbildung 1: Suse integriert den Virt-manager in Yast, hier die Konfigurationsoptionen für eine virtuelle Maschine.

Abbildung 1: Suse integriert den Virt-manager in Yast, hier die Konfigurationsoptionen für eine virtuelle Maschine.

Test-Hardware

CPU: Intel Xeon (Nehalem) Quadcore X3450, 2,66 GHz

RAM: 8 GByte ECC-Registered-DDR3-RAM

Hard Disks:2x 500 GByte SATA II WD Raid Edition III 3,5"

Raid Controller: SATA-SW-Raid-Controller on Board BD3420 PCH

Alternativer Controller: 3Ware 9650-2I

Wer schon Mitte des Jahrzehnts Suse eingesetzt hat, wird sich gleich wohlfühlen, auch weil die Verwaltung einheitlich und unabhängig vom gerade eingesetzten Hypervisor gestaltet ist. Leider merkt man KVM den Nachrücker-Status an, zum Beispiel am Fehlen jedweder Dokumentation. Die von Xen dagegen ist Suse ausgesprochen gut gelungen und auch sehr ausführlich.

Xen 4

Unter der Haube steckt viel Gutes. Admins schätzen SLES für seine Stabilität. Umso bemerkenswerter ist, dass in der SP1-Ausgabe sehr frische Komponenten zum Einsatz kommen. So ist Suse als eine der wenigen großen Distributionen bereits mit Xen 4.0 ausgestattet. Der Xen-Admin profitiert damit von interessanten Neuerungen dieser Version [3], zum Beispiel höherer Leistung vor allem bei Ein-/Ausgabe-intensiven Workloads durch die Unterstützung von SR-IOV (Single Root I/O Virtualization) und SR-ATS (Single Root Address Translation Services).

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Ausgabe 07/2013

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