Open Source im professionellen Einsatz

Anziehend: Sechster Sinn

Noch weiter treibt es das Projekt Sixth Sense [11]. Der MIT-Entwickler Pranav Mistry hat eine Hardware-Kombination für wenige hundert Dollar zusammengestellt, die aus tragbarem Mini-Computer, -Beamer, -Kamera und eigener Software besteht (Abbildung 2). Sixth Sense projiziert Anwendungsdaten und -Schaltflächen auf beliebige Oberflächen, zum Beispiel eine Telefontastatur auf die Hand (Abbildung 3) oder eine Meldung über einen verspäteten Abflug direkt aufs Ticket (Abbildung 4).

Abbildung 2: Pranav Mistry zeigt Sixth Sense, ein Paket aus Mini-Beamer, Kamera, tragbarem Rechner und den Informationen des Internets.

Abbildung 2: Pranav Mistry zeigt Sixth Sense, ein Paket aus Mini-Beamer, Kamera, tragbarem Rechner und den Informationen des Internets.

© Pranav Mistry, MIT Media Lab

Abbildung 3: Gestengesteuert und von jedem Monitor losgelöst: Telefonieren geht mit Sixth Sense wirklich leicht von der Hand.

Abbildung 3: Gestengesteuert und von jedem Monitor losgelöst: Telefonieren geht mit Sixth Sense wirklich leicht von der Hand.

© Pranav Mistry, MIT Media Lab

Abbildung 4: Sehr praktisch: Durch eine „Delayed“-Meldung auf dem Flugticket erfährt der Reisende bereits im Taxi, dass sein Flug verspätet ist.

Abbildung 4: Sehr praktisch: Durch eine „Delayed“-Meldung auf dem Flugticket erfährt der Reisende bereits im Taxi, dass sein Flug verspätet ist.

© Pranav Mistry, MIT Media Lab

Die Eingaben des Anwenders, entweder als freie Gesten in der Luft oder das Antippen der Tastatur auf der Hand, erkennt der sechste Sinn mit seiner Kamera und verarbeitet sie. Sixth Sense ist mobil vernetzt und kann - berührungslos gesteuert - auch analog zu heutigen Zwischenablagen per Drag-and-Drop Daten mit anderen Computern austauschen.

Wer das nicht glaubt, sollte unbedingt die Videos auf der MIT-Webseite anschauen. Mistry versprach 2009, das Projekt als Open Source zu veröffentlichen und die Hardware "sehr, sehr günstig" zu halten, doch leider scheint es bis dato noch keinen Code zu geben.

Auch die Universität Südaustralien in Adelaide steht beim Thema Wearables, sinngemäß IT zum Anziehen, in der ersten Reihe. Ein Blick auf die Website des WCL (Wearable Computer Lab, [12]) lohnt sich: Neben exotischen Eingabegeräten wie einem digitalen Schaumball (Digital Foam) mit hunderten Sensoren als Modellierhilfe für 3D-Designer finden sich hier elektronische Stethoskope und diverse Augmented-Reality-Tools. Nebenan arbeitet das Magic Vision Lab bereits an einer Art Holo Deck.

Gedankensteuerung

Doch die berührungs- und monitorlosen Steuerung durch Gesten ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Schon mehr als zehn Jahre lang forschen zahlreiche Wissenschaftler und ITler an der Gedankensteuerung für Rechner mittels Brain-Computer-Interfaces (BCI). Ein derartiges System darf der Besucher ebenfalls im AEC in Linz ausprobieren.

Eines der mächtigsten Open-Source-Frameworks für BCI ist Open Vibe [13]. Es richtet sich vor allem an Entwickler virtueller Welten und dürfte wohl bald in Computerspielen auftauchen. Die Version 0.7 ist für Linux und Windows verfügbar und nutzt neben anderen freien Softwaretools die Open-Source-3D-Engine Ogre [14]. Die Liste der unterstüzten Hardware ist überraschend lang, vor allem angesichts der exotischen Nische.

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