Open Source im professionellen Einsatz

Akonadi-Konsole

Für Entwickler bietet die Akonadi-Konsole eine ausgiebige Spielwiese. Sie ist ebenfalls auf dem Image der DELUG-DVD installiert und präsentiert dem Admin auf zahlreichen Tabs alle relevanten Daten und Informationen, die in Akonadi gepuffert sind. Mit dem »Browser« taucht der Admin tief in die Details ein.

Abbildung 7 zeigt einzelne Groupware-Objekte am Beispiel des Kalenders. Zur Erinnerung: Auf dem hier verwendeten Kolab-Server sind diese Daten als E-Mails in IMAP-Foldern gespeichert, die die Termine als Attachments im XML-Format enthalten, getreu dem Kolab-Dogma "Alles ist eine E-Mail".

Abbildung 7: Mit der Akonadi-Konsole kommen Entwickler an die Details der gecachten Informationen, zum Beispiel einen Termin aus der Kolab-Groupware.

Abbildung 7: Mit der Akonadi-Konsole kommen Entwickler an die Details der gecachten Informationen, zum Beispiel einen Termin aus der Kolab-Groupware.

Immer schnellere Fortschritte macht dagegen Kontact Mobile (Komo). Bis Ende des Jahres soll die Windows-Mobile-Version für das HTC Touch Pro 2 erscheinen, auf Maemo (und später Meego) lässt sich bereits heute ein Eindruck von dem etwas gewöhnungsbedürftigen GUI gewinnen (Abbildung 5). Dies ist vor allem der kleinen Displaygröße der Smartphones geschuldet.

Wenn die Installation mit Apt-get klappt, landen mehrere vertraute Icons für Mail, Kalender, Adressbuch, Notizen und Tasks im Programmmenü. Eine deutsche Lokalisierung fehlt noch, aber ansonsten funktioniert die Unstable-Release schon recht gut und lief im Test auf dem Nokia N900 einigermaßen stabil.

Die Entwickler von Intevation haben dafür das komplette Akonadi-Framework samt MySQL-Datenbank und Indizierungsfunktionen so abgespeckt, dass es auch auf mobilen ARM-Plattformen mit wenig RAM und schwachbrüstiger CPU performant bleibt. So läuft eine komplette Datenbank mit Indexfunktion auf dem Handy.

Der mobile Client unterstützt alle IMAP-basierten Funktionen des Kolab-Servers, hängte sich im Test aber einige Male mit einem weißen Display auf. Ein herausragendes - weil auf Mobiltelefonen seltenes - Feature ist die in Komo integrierte Verschlüsselung mit S/Mime und PGP.

Fazit

Als eine der ältesten Open-Source-Groupwaresuiten hat Kolab seinerzeit viel von dem Engagement des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI, [11]) profitiert. Über die Jahre verlor das Projekt jedoch viele Fans, zum Beispiel wegen der schlechten Performance bei großen Mailboxen oder vielen Kalendern oder dem altertümlichen Webfrontend. Trotzdem punktete das Urgestein bisher stets mit seiner vorbildlichen Unterstützung für Linux-Clients und deren Offline-Fähigkeit.

Daran hat sich nichts geändert: Wo die Konkurrenz auf Ajax, Mapi und Web 2.0 setzt, bietet Kolab Offline-Groupware und das Versprechen, bald beliebige Client-Betriebssysteme zu unterstützen. Zum Jahresende sind die Versionen 2.3 (Kolab), 4.6 (KDE-PIM) sowie Komo für Maemo, Meego und Windows Mobile angekündigt, wenig später sollen Anwender unter Windows und OS X in den Genuss der Enterprise-Version 5 kommen. Bleibt nur zu hoffen, dass da auch ein zeitgemäßes Webfrontend rausspringt. (mfe)

Infos

[1] Markus Feilner, "Schneetreiben": Linux-Magazin 03/10, S. 32

[2] Markus Feilner, "Von wegen synchron": Linux-Magazin 04/10, S. 58

[3] Hintergründe zur Gründung der Kolab Systems AG: [http://www.kdenews.org/2010/03/01/kolab-systems-aims-bring-kolab-groupware-new-level]

[4] Kolab aus den Quellen installieren: [http://wiki.kolab.org/index.php/Kolab2_Installation_-_Source]

[5] Z-Push-Pakete, Kolab: [http://files.kolab.org/incoming/wickert/z-push-testing]

[6] Kolab-Wiki zu Z-Push: [http://wiki.kolab.org/index.php/Z_push#Install_Z-Push_with_RPMS]

[7] Bruno Virlet, "Hauptpostamt": Linux-Magazin 12/07, S. 44

[8] Demystifying Akonadi: [http://satellite.vizzzion.org/blog/2010/08/demystifying-akonadi]

[9] Christian Meyer, "Such!": LinuxUser 12/09, S. 72

[10] Univention, Groupware-Vergleich: [http://www.univention.de/produkte/ucs/ucs-loesungen-groupware/tech-mail-overview]

[11] BSI: [http://www.bsi.bund.de]

Diesen Artikel als PDF kaufen

Als digitales Abo

Als PDF im Abo bestellen

comments powered by Disqus

Ausgabe 07/2013

Preis € 6,40

Insecurity Bulletin

Insecurity Bulletin

Im Insecurity Bulletin widmet sich Mark Vogelsberger aktuellen Sicherheitslücken sowie Hintergründen und Security-Grundlagen. mehr...

Linux-Magazin auf Facebook