Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 10/2010

Gnome-Entwicklerkonferenz Guadec in Den Haag

"New Code, old Culture"

Rund 400 Teilnehmer trafen sich vom 26. bis 30. Juli 2010 in Den Haag zur Gnome-Konferenz Guadec. Webtechnologien und die kommende Version 3.0 der Desktopumgebung waren Themen der Veranstaltung.

 

546

Im Hörsaalzentrum der Universität Den Haag künden bunte Plakate und das riesige Gnome-Banner von der Anwesenheit der Desktop-Entwickler (Abbildung 1).

Abbildung 1: Nerds in Den Haag. Die Gnome-Konferenz hat das Hörsaalzentrum der Universität sichtbar in Beschlag genommen.

Web-Desktop

Im Auditorium setzt Gnome-Beirat Luis Villa in seiner Keynote das Thema für die kommenden Konferenztage der Guadec 2010 [http://guadec.org]. "Welche Plattform läuft weltweit auf allen Computern und sogar auf Telefonen? Mit freien Standards und vielen freien Implementierungen?", fragt Villa und meint damit das Web. Es stürzt praktisch nie ab, wird von Dienstleistern gepflegt, ist überall verfügbar und kostet meist nichts. Schon jetzt sei der Webbrowser die beliebteste Anwendung auf Desktop-Computern.

Auf diese Plattform muss Gnome nach Ansicht des langjährigen Projektmitglieds setzen, um auch in Zukunft freie Software unters Volk zu bringen. Gnomes Kultur der Benutzerorientierung und die Liebe zur Freiheit verlangten nach einer neuen Umsetzung: Webobjekte müssten gleichberechtigt neben lokalen Dateien stehen, beispielsweise der Dienst Flickr als Quelle für Hintergrundbilder oder Amazon als MP3-Shop für den Musikplayer. Für die Programmierer heißt das: Weniger C und GTK+, mehr HTML und Javascript. Villa gibt dafür das Motto "New code, old culture" aus.

Ins gleiche Horn stößt John Palmieri von Red Hat (Abbildung 2): Javascript ist die Zukunft, behauptet er in seinem Vortrag für Programmierer. Der Wettbewerb zwischen den unterschiedlichen Engines wie Spidermonkey, V8 und Adobes Actionscript habe die früheren Performance-Probleme der Skriptsprache beseitigt, erläutert Palmieri. Zudem gebe es mit ECMA Script einen freien und anbieterneutralen Standard.

Abbildung 2: Javascript heißt die Devise: John Palmieri erläutert den Einsatz der Websprache in der Anwendungsentwicklung.

Gnome verfügt seit 2008 über die Javascript-Engine Gjs, die auf Spidermonkey basiert. So lässt sich GTK+ in Javascript programmieren, berichtet der Referent und zeigt als Beleg einige Stücke Quellcode sowie die interaktive Javascript-Konsole Looking Glass. Die Gnome-Shell beispielsweise bestehe aus Gobject-Elementen, zusammengehalten durch ein wenig Javascript-Kleber, erläutert er.

Trotz dieser Perspektiven für Javascript lässt die Sprache noch Wünsche offen. Die Entwickler im Publikum warten etwa auf bessere Debugger.

Als zweiter Themenstrang zog sich die kommende Gnome-Version 3.0 durch die Entwicklerkonferenz. Viele Features, die das Projekt 2009 auf dem Gran Canaria Desktop Summit diskutierte, sind nun schon in Software gegossen.

Termin für 3.0

Auch der Veröffentlichungstermin wird greifbar: Im Namen des Release-Teams verkündete Gnome-Vorstand Vincent Untz, dass Version 3.0 im März 2011 erscheinen wird (Abbildung 3). Zudem soll es eine Betaversion für die Release 3.0 im September 2010 geben. Zu diesem Zeitpunkt möchte das Projekt jedoch auch Version 2.32 der Desktopumgebung veröffentlichen, weshalb manche Entwickler Engpässe befürchten.

Abbildung 3: Vincent Untz gab den Termin für Gnome 3.0 bekannt.

Gnome Shell heißt die Komponente, die Aussehen und Bedienung des kommenden Gnome-Desktops maßgeblich prägen wird. Owen Taylor zeigte, was die Shell-Entwickler in den zwölf Monaten seit der ersten Vorstellung der Software bereits umgesetzt haben.

Während eine Leiste am oberen Bildschirmrand das bisherige Gnome-Panel ersetzt, dient der untere Bildschirmrand künftig für Nachrichten des Betriebssystems und anderer Programme. Dieses so genannte Message Tray zeigt Informationen wie Systemmeldungen und Instant-Messenger-Nachrichten kurz an. Wer will, kann die Nachrichtenleiste mit der Maus hervorholen, um die Mitteilungen in Ruhe zu lesen.

Diesen Artikel als PDF kaufen

Express-Kauf als PDF

Umfang: 2 Heftseiten

Preis € 0,99
(inkl. 19% MwSt.)

Linux-Magazin kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • Guadec 2010: Die Zukunft heißt Javascript

    Auf der Gnome-Konferenz Guadec hat John Palmieri eine Lanze für Javascript in der Anwendungsentwicklung gebrochen.

  • Guadec 2010: Den Gnome-Desktop mit dem Web vereinen

    Im niederländischen Den Haag hat heute mit dem dreitägigen Vortragsprogramm das Kernstück der Gnome-Konferenz Guadec begonnen. In seinem einführenden Vortrag rief Gnome-Beirat Luis Villa die Teilnehmer auf, die freie Desktop-Umgebung mit dem Web zu vereinen.

  • CfP: Gnome-Konferenz sucht Vorträge

    Die Gnome-Entwicklerkonferenz Guadec findet 26.7. bis 1.8.2012 in A Coruña in Spanien statt. Bis 14. April besteht nun Gelegenheit, Beiträge einzureichen.

  • Guadec 2010: Gnome 3.0 im März 2011

    Gnome 3.0 soll im März 2011 fertig werden. Das hat Vincent Untz vom Release-Team auf der Konferenz Guadec bekanntgegeben, die derzeit in Den Haag stattfindet.

  • Gemeinsam unter Palmen

    Erstmals haben die beiden Projekte KDE und Gnome eine gemeinsame Entwicklerkonferenz veranstaltet. Das Linux-Magazin war vor Ort und hat auf dem Gran Canaria Desktop Summit die aktuellen Trends für den Open-Source-Desktop aufgespürt.

comments powered by Disqus

Ausgabe 11/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Stellenmarkt

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.