Open Source im professionellen Einsatz

Heimarbeit

Jeden freien Tag im Sommer verbringt Ari hier im finnischen Outback mit seiner Frau, seiner Mutter und dem anhänglichen schwarz-weißen Bullterrier Nasu. Die eigene Holzsauna darf da selbstverständlich nicht fehlen, sie ist ein uraltes Familienerbstück und zusammen mit dem beweglichen roten Holzhaus schon mehrmals einige Meter am Ufer umgezogen. "UMTS mit 3G ist in Finnland fast flächendeckend verfügbar, so kann ich von hier aus arbeiten, ganz wie im Büro in Helsinki. Auf dem Rechner drüben im Wohnhaus teste ich gerade Red Hat Enterprise Virtualisierung 2.2 für meinen Arbeitgeber." Seine Brötchen verdient Ari heute bei Netorek, einem Dienstleister des großen finnischen Providers Sonera [6]. In seinem Linkedin-Profil nennt er seinen Job "Problemlöser".

Abbildung 5: Glasklares Wasser findet sich überall in Finnland. Die typische Mökki ist dunkelrot und hat einen eigenen Steg.

Abbildung 5: Glasklares Wasser findet sich überall in Finnland. Die typische Mökki ist dunkelrot und hat einen eigenen Steg.

Abbildung 6: Kein Asphalt mehr, dafür atemberaubende Ausblicke. Wilde Schotterwege führen durch Kiefern- und Birkenwälder zu Ari Lemmkes Domizil.

Abbildung 6: Kein Asphalt mehr, dafür atemberaubende Ausblicke. Wilde Schotterwege führen durch Kiefern- und Birkenwälder zu Ari Lemmkes Domizil.

Linux/aow

"Mir war das, was Linus da vorhatte, nicht wirklich fremd", erinnert er sich. "Ich kannte Minix gut, hatte schon viele Jahre mit Unix-Servern gearbeitet." Auch habe er damals an einem freien Betriebssystem programmiert. Seine Projekte finden sich auf seiner Webseite [1]. Unter seinem Pseudonym Arl hat er in diversen Projekten Spuren hinterlassen, die ein »grep arl« in den Sourcen zutage bringt. "Ich habe auch in den Jahren danach an meiner eigenen Distribution entwickelt, zunächst auf Slackware-Basis, dann mit komplett eigener Toolchain unter dem Namen Linux/aow." [7]

Sein Blick schweift ab, als er erzählt, dass das Projekt seit 2004 ruht. "Ja, da müssten viele Sachen gemacht werden, und dafür hab ich momentan einfach viel zu wenig Zeit." Sichtlich bewegt erzählte er von dem Unfall seines Bruders, der in einer tragischen Reisebuskatastrophe in Konginkangas [8] mit 22 anderen Jugendlichen ums Leben kam. Auf schwarzem Eis (Musta jää, einem der unzähligen finnischen Namen für unterschiedliche Schnee- und Eisformationen) war ein Lastwagen mit einem vollbesetzten Schulbus kollidiert.

Nach kurzer Pause fährt Ari fort: "Linux/aow sollte die Basis werden für ein virtuelles Linux, das wiederum auf Java aufbaut. Das Ziel war ein großer, übers Internet verteilter virtueller Rechner." Dafür brauche es Managementsoftware aus der Cloud, so wie Red Hats Enterprise Virtualisierung, aber auch virtuelle private Netze wie Open VPN und natürlich PKIs, um die Clients per Zertifikat und sicheren Schlüsseln anzubinden.

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Ausgabe 07/2013

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