Wo bleibt der Ausreißer?
Einige Stellen in dem Graphen fallen auf: Während der ersten zwei Tage erstellt RRDTool keine Vorhersage, denn es benötigt einige Zyklen, bis die Seasonal Component und deren Einfluss auf die Prognose feststehen. Lustigerweise erwartet das System nach dem einen Ausreißer kurz vor Mittag des vierten Tages auch an den darauf folgenden Tagen zur gleichen Zeit einen Höhepunkt, der aber ausbleibt. An den folgenden Tagen geht deshalb die Erwartung schrittweise zurück, bis das System sich einige Zeit später wieder fängt.
Was »rrdtool« unter der Haube so treibt, lässt sich durch Einschalten des Log4perl-Framework herausfinden, denn RRDTool::OO unterstützt das Verfahren und wartet nur darauf, bis der User es aktiviert. Abbildung 5 zeigt einen Blick in den Maschinenraum von RRDTool::OO, erst das Kommando, um die Datenbank anzulegen, dann eine Auswahl der abgesetzten Update-Befehle für geloggte Temperaturwerte und schließlich das »graph«-Kommando, das das Diagramm zeichnet.
Abbildung 5: RRDTool-Kommandos für den Graphen in Abbildung 4, den das Skript mit RRDTool::OO erzeugt.
RRDTool nennt die Holt-Winters-Vorhersage »HWPREDICT« und die erwartete statistische Abweichung »DEVPREDICT«. Die Zeilen 91 bis 95 in Listing 3 definieren auf diese Abweichung einen Alias »dev«, den die Zeilen 110 und 116 jeweils aufgreifen, um das erlaubte Streuband zu zeichnen. In RRDTool-typischer RPM-Notation steht »predict,dev,2,*,+« für »predict-2 * dev« in algebraischer Notation, denn RRDTool erlaubt Abweichungen nach oben und unten, jeweils im Wert des doppelten »DEVPREDICT«-Werts.
Installation
Da das benötigte CPAN-Modul nicht als Ubuntu-Paket verfügbar ist, installiert es der auf Sauberkeit bedachte Systemadministrator nicht unter »/usr«, sondern nutzt »local::lib«, um es unter dem Homeverzeichnis einzupflanzen. Mit
sudo apt-get install liblocal-lib-perl
spielt er dazu unter Ubuntu Lucid Lynx das »local::lib«-Modul in »/usr« ein und ruft anschließend eine CPAN-Shell mit dem Kommando
perl -Mlocal::lib -MCPAN -eshell
auf. Darin startet der Befehl »install Device::USB::PCSensor::HidTEMPer« dann den Download und die Installation des Moduls unter dem Verzeichnis »perl5« im Homeverzeichnis. Das Skript in Listing 1 sucht wegen der Anweisung »use local::lib« in Zeile 3 auch dort nach dem Modul.
Ohne zusätzliche Tricks darf zunächst nur Root den Sensor auslesen. Wer aber unter »/etc/udev/rules.d« eine Datei »99-tempsensor.rules« anlegt und die in Abbildung 6 gezeigten Variablen einträgt, der stellt sicher, dass auch unprivilegierte User die Temperaturwerte abholen dürfen. Nach dem Editieren der Rules-Datei ist noch ein Neustart des Udev-Subsystems mit »sudo service restart udev« erforderlich - und schon können die Messungen beginnen. (jcb)
Abbildung 6: Eine neue Datei in »/etc/udev/rules.d« weist das Udev-System dazu an, neu erscheinende Temperaturfühler im Modus 666 bereitzustellen.
| Infos |
|---|
| [1] Listings zu diesem Artikel: [ftp://www.linux-magazin.de/pub/listings/magazin/2010/10/Perl] [2] TEMPer-USB-Thermometer: [http://www.amazon.com/dp/B002VA813U] [3] Kyle Rankin, "Cool Projects edition": Linux Journal, August 2010, Page 32-34 [4] Jake D. Brutlagg, "Aberrant Behavior Detection in Time Series for Network Service Monitoring": [http://www.usenix.org/events/lisa00/brutlag.html] [5] Jeffery Kline, David Plonka und Amos Ron, "A Signal Analysis of Network Traffic Anomalies": [http://pages.cs.wisc.edu/~pb/paper_imw_02.pdf] [6] Jeff Kline, Sangnam Nam, Paul Barford, David Plonka, Amos Ron, "Traffic Anomaly Detection at Fine Timescales with Bayes Nets": [http://pages.cs.wisc.edu/~pb/icimp08_final.pdf] [7] Alan Ott, "Libudev and Sysfs Tutorial": [http://www.signal11.us/oss/udev] [8] Michael Schilli, "Daten ausgesiebt": Linux-Magazin 06/2004; [http://www.linux-magazin.de/Heft-Abo/Ausgaben/2004/06/Daten-ausgesiebt] |
| Der Autor |
|---|
| Michael Schilli arbeitet als Software-Engineer bei Yahoo in Sunnyvale, Kalifornien. Er hat die Bücher "Goto Perl 5" (auf Deutsch) und "Perl Power" (auf Englisch) für Addison-Wesley geschrieben und ist unter [mschilli@perlmeister.com] zu erreichen.
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