Aus dem Alltag eines Sysadmin: Gestio IP
Einen Sack IPs hüten
Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung die andere Hälfte. Wer Hunderte IP-Adressen per Flugzettel oder Tabellenkalkulation im Zaum hält, ist für etwas Hilfe sicherlich dankbar.
Ordnung ist das halbe Leben, Unordnung die andere Hälfte. Wer Hunderte IP-Adressen per Flugzettel oder Tabellenkalkulation im Zaum hält, ist für etwas Hilfe sicherlich dankbar.
Sobald Netze über gewöhnliche Kuscheligkeitsgrenzen angeschwollen sind, fällt es schwer, die Übersicht zu behalten. Dabei ist es gleichgültig, ob die Adressen per DHCP oder wie in Servernetzen manuell vergeben werden. Natürlich kann ich Netz für Netz schnell mal durchpingen, etwa mit
nmap -sP 192.168.5.1-254
oder mir die Lease-Tabelle des DHCP-Servers ausgeben lassen. Dann weiß ich zwar, welche Rechner in diesem Netz gerade "leben", aber ob die freien Adressen wirklich frei sind oder von Rechnern blockiert, die aus irgendeinem Grund gerade offline sind, erfahre ich so nicht. Ich könnte auch händisch eine Übersicht auf einem Open-Office-Spreadsheet führen - ziemlich uncool.
Was ich eigentlich möchte, ist ein IPAM-Tool. Hinter dem neudeutschen Bullshit-Bingo-Begriff "IP Address Management" steckt eine Software, die mich von der Zettelwirtschaft erlösen würde. Ein vielversprechender Kandidat dieser Programmgattung ist Gestio IP [1]. Die in Perl verfasste GPLv3-Software benötigt einen Webserver und eine MySQL-Datenbank. Ein komfortables Shellskript assistiert bei der Installation und informiert präzise, ob und welche anderen Module ich nachinstallieren muss.
Die Oberfläche präsentiert sich aufgeräumt und spricht Englisch, Deutsch, Spanisch oder Katalan. Egal in welcher Sprache, ich muss Gestio IP instruieren, welche Netze es unter Beobachtung stellen soll. Es besorgt sich dabei Informationen entweder aus den PTR-Records des DNS - auf diese Weise fallen mir schnell Rechner auf, die zwar einen DNS-Eintrag haben, aber in der Netz-Übersicht nicht auftauchen. Das setzt natürlich einen sauber gepflegten DNS voraus.
Oder aber Gestio IP bezieht seine Daten per SNMP. Dass der Programmautor offensichtlich mitten aus der Praxis kommt, beweist die dritte Möglichkeit, Informationen über Hosts zu erhalten: Per Import aus einem Tabellenkalkulations-Blatt.
Zu meinem Leidwesen findet Gestio IP die Rechner nicht automatisch auf, indem es periodisch Netze scannt (Auto Discovery). Genau bei diesem Defizit will dem Vernehmen nach die nächste Version nachlegen. Sind die Daten einmal importiert, stellt sie Gestio IP klar und übersichtlich dar: Es gibt eine Übersicht über die belegten IP-Adressen in jedem Netz (Abbildung 1) und den Status der Hosts darin, außerdem eine Tabelle mit Details. Eine Suchfunktion, die auf jeder Seite zur Verfügung steht und Suchmaschinen-typische Notationen für In- und Exklusion von Suchbegriffen versteht, hilft mir beim Wiederauffinden einzelner Hosts.
Abbildung 1: Die hilfreiche Webapplikation Gestio IP listet in dieser Ansicht 254 freie und belegte IPs.
Mein Fazit für heute: Das im Moment noch fehlende Auto-Discovery ist das Einzige, was auf meinem Wunschzettel stehen bleibt, aber Abhilfe ist angekündigt. Ansonsten stehen Funktionsumfang und Bedienbarkeit in einem sehr guten Verhältnis zueinander - Gestio IP wird deshalb bald bei mir als geprüfter IP-Verwalter einziehen. (jk)
| Infos |
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| [1] Gestio IP: [http://gestioip.net] |
| Der Autor |
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Charly Kühnast administriert Unix-Systeme im Rechenzentrum Niederrhein in Kamp-Lintfort. Zu seinen Aufgaben gehören die Sicherheit und Verfügbarkeit der Firewalls und der DMZ. Im heißen Teil seiner Freizeit frönt er dem Kochen, im feuchten Teil der Süßwasseraquaristik und im östlichen lernt er Japanisch. |
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