Open Source im professionellen Einsatz

Zu Gast bei Linus' Vater auf einer einsamen Insel in der Ostsee

"Das richtige Modell"

Ein Tag mit dem Vater von Linus Torvalds auf Tunhamn, einer einsamen Insel im Schären-Nationalpark. Der Journalist und Politiker Nils Torvalds hat viel erlebt, zwischen Moskau und 9/11 versuchte er manchmal, Linus vom Computer wegzulocken. Heute weiß er, was Linux bedeutet.

Im Hafen von Kasnäs, einem winzigen Touristenort im finnischen Schärennationalpark "Archipelago" (Abbildung 1), wartet der Vater des Linux-Vaters [1]. Nils Torvalds, genannt Nicke, trägt Jeans, Turnschuhe und rotes Fließhemd. Sportlich, locker und aufgeschlossen wirkt er. Wer ihn zum ersten Mal sieht, mag den ersten Satz in der Autobiographie seines Sohnes Linus nicht so recht glauben: "Ich war ein hässliches Kind" [2].

Abbildung 1: Der Hafen von Kasnäs im äußersten Südwesten des finnischen Festlandes. Von hier geht es in die Welt der Schären.

Abbildung 1: Der Hafen von Kasnäs im äußersten Südwesten des finnischen Festlandes. Von hier geht es in die Welt der Schären.

Ex-Kommunist

Nicke, nach eigener Aussage früher Kommunist und Journalist - Beschäftigungen, die sein Sohn bisweilen als ungefähr gleich schlimm ansieht - ist heute aktiver Politiker in Helsinki. Allerdings nicht mehr in der Kommunistischen Partei, der er seit den Sechziger Jahren angehörte und in deren Zentralkomittee er ab 1982 saß. Der Lenin-Bart täuscht: Seit 2007 ist er dritter Vorsitzender der finnisch-schwedischen Volkspartei. Anna Torvalds hat er Ende der Sechziger eingewickelt, indem er seine Position als Vorstandsmitglied des schwedischen Schülerverbandes in Finnland nutzte und sich den Platz im Bus neben ihr sicherte [2].

Abbildung 2: Privatstrand: Auf der felsigen Insel Tunhamn verbringt der Politiker und ehemalige Journalist Nils Torvalds seinen Urlaub.

Abbildung 2: Privatstrand: Auf der felsigen Insel Tunhamn verbringt der Politiker und ehemalige Journalist Nils Torvalds seinen Urlaub.

Abbildung 3: Ihre charakteristische Schmetterlingsform hat die Insel erst seit den Fünfziger Jahren, vorher waren hier zwei separate Inseln.

Abbildung 3: Ihre charakteristische Schmetterlingsform hat die Insel erst seit den Fünfziger Jahren, vorher waren hier zwei separate Inseln.

Abbildung 4: Amerikanische Verhältnisse auf den Landstraßen. Mit den USA teilen die Finnen neben Landschaft auch die Vorliebe für große Autos.

Abbildung 4: Amerikanische Verhältnisse auf den Landstraßen. Mit den USA teilen die Finnen neben Landschaft auch die Vorliebe für große Autos.

Seine freien Tage verbringt Nicke in der urwüchsigen Natur der Schärenküste im Südwesten Finnlands (Abbildung 2). Das Feriendomizil ist die kleine Insel Tunhamn (Abbildung 3, [3]). Die ist nur über einsame finnische Landstraßen (Abbildung 4) zu erreichen. Gelbe, staatlichen Fähren (Abbildung 5) verbinden dabei die größeren Inseln. Öffentliche Verkehrswege enden in der kleinen Marina von Kasnäs, die laut Nicke "schon mehrmals pleite war". Von ihr aus geht es mit Torvalds' kleinem Motorboot in die Inselwelt.

Abbildung 5: Die Schärenstraßen führen auf zahlreiche Inseln, für die Verbindung sorgen die vielen kostenlosen gelben Fähren.

Abbildung 5: Die Schärenstraßen führen auf zahlreiche Inseln, für die Verbindung sorgen die vielen kostenlosen gelben Fähren.

Tunhamn

Noch auf dem Steg drückt Nicke dem Besucher die Rettungsweste in die Hand. "Sicherheit geht bei mir vor", erklärt er entschuldigend und wirft seine Weste über die mächtige Outdoorjacke. "Die See könnte ein wenig rauh werden, gut festhalten!" (Abbildung 6).

Abbildung 6: Wasserdicht und mit Schwimmweste: Nils Torvalds ist wie viele Finnen ein Outdoor-Typ, der sich in der freien Natur am wohlsten fühlt.

Abbildung 6: Wasserdicht und mit Schwimmweste: Nils Torvalds ist wie viele Finnen ein Outdoor-Typ, der sich in der freien Natur am wohlsten fühlt.

Er betätigt den Gashebel. Das kleine Boot hüpft von Welle zu Welle, feine Gischt landet auf seiner rahmenlosen Brille, die ein rotes Sportband in Position hält. Wenn der Fahrtwind es zulässt, zählt er die flachen, felsigen Inseln auf, die an dem Boot vorbeiziehen, redet von gefährlichen Untiefen, schwimmenden Elchen im Wasser oder erzählt von den Gefahren langer Wanderungen im winterlichen Norden Lapplands.

Abbildung 7: Veranda, Terrasse, Solarzellen, alles da. Fast schon luxuriös ist die Ausstattung der Hütte. hinterm Haus ist auch eine Süßwasserquelle.

Abbildung 7: Veranda, Terrasse, Solarzellen, alles da. Fast schon luxuriös ist die Ausstattung der Hütte. hinterm Haus ist auch eine Süßwasserquelle.

Das Boot legt auf Tunhamn an. "Ja, Linus war auch öfter hier mit seinem Großvater Ole, dem Dichter, dessen Bücher er nie gelesen hat" [4]. Der Umriss der wenige Meter hohen, licht bewaldeten Schäreninsel gleicht dem eines Schmetterlings (Abbildung 3). "Das war nicht immer so, als ich ein Kind war, vor 50 Jahren, waren das noch zwei getrennte Inseln", doziert Nicke. "Finnland hebt sich. Seit die Gletscher der letzten Eiszeit weg sind, macht das viele Meter aus. Den zu erwartenden Meeresanstieg durch den Klimawandel kompensiert das locker."

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