Open Source im professionellen Einsatz

Ätzend für Entwickler

Das Plugin-Skript in Listing 1 lässt sich übrigens nicht ohne Pidgin starten und bewirft jeden, der es doch versucht, mit wirren Fehlermeldungen. Sie deuten an, dass Pidgin bestimmte Glib-Funktionen nicht in den entsprechenden Shared Libraries findet. Laut Pidgin-Programmierern ist das normal, aus Sicht anderer Entwickler freilich ätzend. Abhilfe schafft sich der findige Hacker, indem er die Zeilen »use Pidgin« und »use Glib« auskommentiert und wenigstens mit

perl -c pidgin-stockwatch.pl

prüft, ob die Syntax stimmt und das Skript das Modul »WatchQuotes.pm« sowie die darin aufgerufenen CPAN-Module findet. Wer Pidgin per »pidgin -d« im Debugmodus aufruft, kriegt Schnipsel wie

Purple::Debug::info("stockwatch",
  "Plugin loaded.n");

auf dem Bildschirm geworfen und sieht zumindest, was das Plugin treibt und ob Pidgin es überhaupt findet. Klappt dies und führt Pidgin zumindest die »plugin_init()«-Routine von Listing 1 ab Zeile 26 aus, erscheint das Plugin im Menü »Tools-Plugins« unter dem in Zeile 11 angegebenen Namen »Pidgin Stockwatch« (Abbildung 4). Ein Mausklick auf die linksseitige Checkbox aktiviert das Plugin und führt dessen »plugin_load()«-Routine aus. Testweise kann man das Plugin auch deaktivieren, worauf Pidgin »plugin_unload()« (Zeile 32) ausführt.

Abbildung 4: Ein Mausklick aktiviert das neu installierte Plugin, das Pidgin im »Plugins«-Menü anzeigt.

Abbildung 4: Ein Mausklick aktiviert das neu installierte Plugin, das Pidgin im »Plugins«-Menü anzeigt.

Anschließend füllt der Wertpapier-Heuschreck die Konfigurationsdatei »~/.pidgin-stockwatch.yml« mit den Tickersymbolen der interessierenden Aktien und weist ihnen Prozentwerte zu oder akzeptiert den voreingestellten Trigger bei 2 Prozent. Nach einem Neustart arbeitet Pidgin mit den aktualisierten Werten.

Euro- statt Dollar-Papiere

Statt amerikanischer Aktien wie in Abbildung 1 darf der Bausparer natürlich auch an deutschen Märkten gehandelte Werte angeben, zum Beispiel »SIE1.de«, für die Siemens-Aktie, deren Haupthandelsplatz die Xetra-Börse in Frankfurt ist. Die Chance, dass Siemens an einem Tag tierische Kurssprünge vollführt, fällt geringer aus als bei den Papieren von Yahoo oder Google. Doch falls es tatsächlich passiert, erfährt es der Perl-kundige Investor sofort und kann in Ruhe seine Panikkäufe und -verkäufe tätigen. (jk)

Infos

[1] Listings zu diesem Artikel: [ftp://www.linux-magazin.de/pub/listings/magazin/2010/09/Perl]

[2] Pidgin, der vielseitige Instant-Messenger-Client: [http://pidgin.im]

[3] Perl Object Environment: [http://poe.perl.org]

[4] Any Event: [http://software.schmorp.de/pkg/AnyEvent.html]

[5] Sean Egan, "Open source messaging application development: building and extending Gaim", Berkeley: Apress; New York: Distributed by Springer-Verlag, 2005, ISBN 1-59059-467-3.

[6] Kurze Anleitung zum Schreiben von Pidgin-Plugins in Perl: [http://developer.pidgin.im/doxygen/dev/html/perl-howto.html]

[7] Beispiel-Plugin in Perl: [http://code.google.com/p/pidgin-knotifications/downloads/detail?name=knotifications.pl&can=2&q=]

[8] Weitere 3rd-Party-Plugins: [http://developer.pidgin.im/wiki/ThirdPartyPlugins#DevelopmentofThird-PartyPlugins]

[9] Finance::YahooQuote: [http://search.cpan.org/~edd/Finance-YahooQuote/]

Der Autor

Michael Schilli arbeitet als Software-Engineer bei Yahoo in Sunnyvale, Kalifornien. Er hat die Bücher "Goto Perl 5" (deutsch) und "Perl Power" (englisch) für Addison-Wesley geschrieben und ist unter [mschilli@perlmeister.com] zu erreichen.

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