Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2010

Chromium statt Mozilla Firefox

Surfers Neuer

Mozilla Firefox ist jedermanns Liebling. Doch Chromium, die Open-Source-Version von Google Chrome, ist schnell, sicher und praktisch - und damit einen Wechsel wert.

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Mit rund 50 Prozent Marktanteil darf man Firefox als Lieblingsbrowser der Deutschen bezeichnen. Doch gleichzeitig gibt es Anwender, die den Mozilla-Browser als langsam empfinden und Programmabstürze beklagen. Eine Alternative für Firefox-Müde bietet der Webbrowser aus Googles Open-Source-Projekt Chromium [1]. Ob als offizielle Release Google Chrome [2] oder als Chromium-Community-Build: Anwender loben die aufgeräumte Oberfläche und die Performance der Software.

Benchmark-Sieger

Unangenehm lange Startzeiten stellen sich nur bei einem Firefox mit vielen installierten Addons ein. Ein anderer Tempounterschied ist wesentlich deutlicher: Chromium bewältigt den Javascript-Benchmark Sunspider [3] zweieinhalbmal so schnell wie Firefox. Die Redaktion testete Chromium 5.0.375.86 und Firefox 3.6.6 unter Sunspider 0.9. Bei den immer komplexeren Javascript-Webanwendungen dürfte diese Eigenschaft im Büroalltag vieler Anwender positiv auffallen.

In einem weiteren Test erweist sich der Google-Browser ebenfalls als Sieger nach Punkten: Der Acid-3-Test des Web Standards Project prüft, ob ein Webbrowser Javascript, Document Object Model (DOM) und CSS-Stylesheets vorschriftsgemäß interpretiert [4]. Firefox 3.6.6 bringt es hier nur auf 94 von 100 Punkten, während die in Chrome eingesetzte Webkit-Engine die volle Punktzahl erreicht (Abbildung 1).

Abbildung 1: Im Darstellungstest Acid 3 holt Chromium (links) die volle Punktzahl und hängt Firefox (rechts) ab.

Ansonsten freuen sich die Chromium-Anwender über viel Platz für die besuchte Webseite, da der Browser seine Menüs hinter zwei kleinen Icons neben der Adresszeile versteckt. Einige von Firefox bekannte Features mag mancher vermissen, etwa dynamische Lesezeichen für RSS-Feeds. Dieses und einige andere lassen sich als Chromium-Erweiterung nachrüsten, auch wenn das Angebot an Addons deutlich schmaler ausfällt als bei Firefox. Bereits in der Standardinstallation bietet Chromium Tools für Entwickler, die sich vor der Firefox-Extension Firebug nicht zu verstecken brauchen.

Während Firefox nur die Plugins in einen eigenen Prozess verbannt, macht Chromium das mit jedem einzelnen Browser-Tab. So kann eine Webseite zwar einzelne Tabs, nicht aber den ganzen Browser zum Absturz bringen. Auch verhindert dieses Vorgehen, dass bösartiger Code auf einer Webseite Inhalte aus einem anderen Tab abgreift. Die Chromium-Entwickler haben ihrem Browser sogar einen eigenen kleinen Taskmanager spendiert.

Chromium verzichtet im Gegensatz zu Google Chrome auf die RLZ-Bibliothek, die Google zum Erheben von statistischen Daten verwendet. Nach Angaben des Herstellers sammelt auch Chrome in der Standardeinstellung keine Daten mehr - der Anwender kann die entsprechenden Optionen freiwillig aktivieren. Zudem hat der Suchmaschinenkonzern den Code von RLZ und den Updater Omaha als Open Source veröffentlicht, um Mutmaßungen entgegenzuwirken, die Komponenten dienten zum Ausspionieren der Anwender. Ob man Google vertraut oder nicht: Chromium jedenfalls entsteht aus offengelegten Quellen.

Blau oder bunt

Offizielle Chrome-Releases (mit mehrfarbigem Logo) gibt es für 32- und 64-Bit-Linux als Debian- oder RPM-Pakete. Viele Linux-Distributionen bedienen sich für eigene Pakete aber lieber beim Quelltext, der unter einer BSD-Lizenz steht und Chromium-Builds mit blauem Logo erzeugt. Eine Seite beim Google-Projekt listet weitere inoffizielle Builds [5], eine gute Quelle ist außerdem der Open Suse Build Service.

Infos

[1] Chromium-Projekt: [http://code.google.com/p/chromium/]

[2] Google Chrome: [http://www.google.com/chrome]

[3] Benchmark Sunspider: [http://www2.webkit.org/perf/sunspider-0.9/sunspider.html]

[4] Acid-3-Test: [http://acid3.acidtests.org]

[5] Inoffizielle Builds: [http://code.google.com/p/chromium/wiki/LinuxChromiumPackages]

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