Die Technik findet sich allerorten, aber trotzdem ist Digital Signage meist nur Werbefachleuten ein Begriff. Vielleicht liegt das daran, dass Betrachter die zahlreichen animierten Werbetafeln, Fernseher und Riesenmonitore und Beamer (Abbildung 1) in Geschäften, Einkaufszentren, Konzerngebäuden, Krankenhäusern oder auf der Straße erst dann als Computer wahrnehmen, wenn mal was nicht funktioniert (Abbildung 2).
Abbildung 1: Aus dem Auftritt der Deutschen Post nicht mehr wegzudenken: Die wartenden Kunden versucht der Konzern mit großen Werbetafeln zu unterhalten.
Abbildung 2: Was dahinter steckt, offenbart sich häufig erst bei einem Reboot – wie hier bei einer Telefonzelle in Regensburg, bei der wohl Suse Linux werkelt.
Die digitale Beschilderung umfasst per Definition [1] elektronische Plakate und Verkehrsschilder, Werbung in Geschäften, digitale Türbeschilderung, automatisierte Großbildprojektionen, aber auch Speisekarten in Kantinen oder die Raumbelegung von Besprechungsräumen in Konzernen. Mit der passenden Hardware und Tools wie dem aus der Universität Brighton stammenden Projekt Xibo [2] lässt sich das kostengünstig und im Eigenbau umsetzen und von einem zentralen Server steuern.
Im einfachsten Fall zählt dazu eine lokale, automatische Bildschirmpräsentation von Open Office Impress oder MS Powerpoint. Sonderlich komfortabel und fürs Netzwerk geeignet ist das aber nicht. In den meisten Fällen soll die Digital-Signage-Software mehrere Displays gleichzeitig von einem Server im Netzwerk aus beliefern, administriert von vielseitigen Verwaltungs- und Designtools.
Idealerweise holen sich Thin Clients vom Server die Daten und stellen sie auf dem lokalen Display dar. Bei Webseiten ist das simpel, aber ein Client kann dabei multimediale Inhalte wie Videos, Bildergalerien, Animationen oder Newsticker anzeigen, solange die notwendigen Plugins installiert sind.
Zentrale Verwaltung
Auch auf Verwaltungsseite setzen die Hersteller in der Regel auf den Browser. Ähnlich einem Desktop-Publishing-Programm zieht der Admin - hier als so genannter Screen-Designer - verschiedene Layoutrahmen auf und füllt sie mit Inhalten. Webdesign, grafische Elemente und DTP, Grafik- und Video-Bearbeitung finden an dieser Stelle zusammen, weshalb das Layoutprogramm im Backend all diese Techniken beherrschen muss. Die proprietären Hersteller benutzen Ajax, Adobes Flash oder Silverlight von Microsoft, und zwar meist gekoppelt mit einer Datenbank.
Xibo-Innenleben
Bei dem unter der AGPL 3 stehenden Xibo setzen die Entwickler auf der Server-Seite ganz auf PHP und MySQL. Sie empfehlen eine LAMP- oder WAMP-Umgebung, die bei der PHP-Konfiguration vom Admin allerdings etwas Feintuning verlangt. Voraussetzung sind Apache, MySQL, PHP und die Module »DOM«, »libXML«, »gettext« und »JSON«. Ubuntu ab 9.10 erfüllt das problemlos, ebenso XAMPP als Server unter Windows. Die wichtigste Änderung in der Standardkonfiguration ist es, in der Datei »php.ini« mit einem Eintrag wie
memory_limit = 16M
das Speicherlimit von PHP hochzusetzen und, damit der Upload größerer Dateien wie Videos funktioniert, noch
upload_max_filesize = 50M
oder gar noch höher einzustellen. Zu beachten ist, dass diese Änderungen erst nach einem Neustart wirksam sind.
Auf Client-Seite empfehlen die Xibo-Entwickler derzeit ausdrücklich nur das ausgereifte Dotnet-Programm für Windows. Der brandneue Linux-Client vom Mai 2010 befindet sich zwar noch im Alphastadium, war aber in der Testumgebung des Linux-Magazins bereits passabel nutzbar. Er setzt auf Webkit und Python und verarbeitet alle Inhalte außer Powerpoint-Folien.