Man muss nicht unbedingt der Chef des Mineralöl-Konzerns BP sein, um sich Gedanken über Umweltsünden zu machen. Am anderen Ende der Welt, in einem australischen Nationalpark, hat zum Beispiel das auf Recycling spezialisierte Unternehmen Repeat Plastics einen 17 Kilometer langen öffentlichen Radweg aus verbrauchten Druckerpatronen gebaut. Auf seinen Marktanteil bezogen ist allein Hewlett-Packard rechnerisch für rund 7 Kilometer des Radwegs verantwortlich.
Viel weiter reichen HPs Server-Pläne: Die Ingenieure des Computerkonzerns würden Rechenzentren gerne künftig in unmittelbarer Nachbarschaft von Milchviehhöfen bauen. Mit dieser Maßnahme wollen sie nicht etwa die Ernährung der Dienst tuenden Admins von Cola und Pizza auf Buttermilch und Frischkäsebällchen verbessern, sondern die Ökobilanz des Rechenzentrums. Das zunehmende Cloud Computing lässt nämlich den Bedarf nach Rechenleistung rasant steigen und damit die verbratene Energie.
Die ist für die Betreiber nicht nur teuer, sondern elektrisiert zunehmend auch die Umweltschützer. Nirgendwo sonst in der Informationstechnologie, das hat die Unternehmensberatung McKinsey berechnet, wächst der CO2-Ausstoß schneller. Hier kommt die Rindviecher-Community ins Spiel, die, für sich genommen, eine noch säuischere Ökobilanz vorzuweisen hat als jeder Supercomputer: Für den Futtermittel-Anbau roden Bauern große Waldflächen, und für ein Kilo Steak gehen über 15 000 Liter Wasser flöten. Das Methan, das die 1,3 Milliarden Ernas und Ellis pro Jahr rülpsen und furzen, heizt den Treibhauseffekt im etwa gleichen Maße an wie der gesamte weltweite Autoverkehr. Horror!
Aber: Die Exkremente des Hausrinds lassen sich prima zu Biogas verwursten, das wiederum Gasturbinen antreibt, die den Strom für das nahe HP-Rechenzentrum liefern sollen. Die Abwärme der CPUs wollen die Ingenieure zurück auf den Milchhof leiten und zum Heizen der Gülle-Gärtürme verwenden. Ist schon verblüffend, dass das gekonnte Verschalten zweier Ökosünder ein Perpetuum mobile in Gang setzt. Stofflich ist die Verwertungskette die folgende: Vorn fährt der Milchbauer Gras rein und hinten kommen Cloud-Services in Butter raus. Dazwischen liegt jede Menge Bullshit.
Wer in Zukunft auf die Frage, wie es denn mit dem neuen Rechenzentrum läuft, die etwas vulgäre Antwort "Beschissen!" bekommt, muss - zumindest bei HP-Angestellten - den Sinn erfragen. Schöner Mist.
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