Screenscraping ist vielerorts verpönt. Nicht nur den Web-2.0-Betreibern ist Software suspekt, die sich mit Hilfe von Skripten mit den Accountdaten des Benutzers bei Google, Facebook oder Xing anmeldet und Inhalte automatisiert ausliest, um sie in anderen Portalen zu veröffentlichen. Auch Open-Xchange seit Version 6.10 kommt als erste Open-Source-Groupware mit solchen vom Marketing Social-OX genannten Funktionen (Abbildung 1) und muss sich nun einiges an Kritik dafür anhören.
Was vermutlich im Interesse der sozialen Netzwerke liegt - immerhin stellt Facebook ein umfangreiches API zur Verfügung, das die Integration des Dienstes in externe Webangebote explizit vorsieht -, stößt bei Datenschützern und Nutzern auf Misstrauen. So praktisch es ist, im Open-Xchange-Account alle Daten und Kontakte verfügbar zu machen, was ja auch im Sinne jeder Unified-Messaging-Lösung ist. So fragwürdig ist aber auch das Veröffentlichen dieser Daten in der Groupware, berührt es doch auch die Interessen der im Xing-Account verwalteten Kontakte, die ja einer Veröffentlichung im Internet außerhalb des Xing-Netzwerks sicherlich nicht zugestimmt haben.
Der OX
Open-Xchange [1] stammt ursprünglich aus dem Suse-Dunstkreis und dürfte vielen Nutzern und Anwendern insbesondere in den letzten Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Provider 1&1 in Form der Hosting-Version 1&1 Mailxchange bekannt sein. Die Community-Version [2] ist zwar kostenlos und lässt sich, fundierte Systemkenntnisse vorausgesetzt, flexibel an die eigene Serverumgebung anpassen. Dafür ist das Übersetzen und Installieren recht aufwändig, weil beides auch das Konfigurieren von Webserver, Datenbank, Verzeichnisdienst und Mailsystem einschließt oder sogar voraussetzt. Allerdings ist das Installieren von Open-Xchange für verschiedene Szenarien und Zielsystem sowohl unter Oxpedia [3] als auch an vielen Stellen im Netz gut dokumentiert.
Im Test hat der Autor die Appliance-Edition installiert, die auf dem Corporate Server [4] von Univention basiert, also auf einem Serversystem mit Debian-Fundament, das eine einheitliche zentrale Administration auf Basis von LDAP umsetzt und dabei Gebrauch von einem vorkonfigurierten Domänen-Konzept macht (Abbildung 2).
Abbildung 2: Im Univention Directory Manager (UDM) der OX Application Edition (AE) lassen sich über die bei der Installation festgelegte DNS-Domain hinaus relativ einfach zusätzliche (Mail-)Domänen angeben.
Aufbauten
Zusätzlich zur freien Version vermarktet Open-Xchange rund um den Applikationsserver auch eine Reihe von Addons, etwa ein Thunderbird-Plugin, den Outlook-Connector Oxtender und mehrere Mobility-Lösungen, zum Beispiel eine kostenpflichtige Sync-ML-Schnittstelle. Das Backend ist ein in Java programmierter und als OSGI-Bundle ausgeführter Collaboration-Server, der auf verschiedenen offenen Standards basiert und über die HTTP-Schnittstelle via Json, Webdav und Webdav.xml mit den unterstützten Frontends kommuniziert.
Meist kommt als E-Mail-Server dabei das Mailsystem Postfix zusammen mit Cyrus Imap zum Einsatz. Als zentraler Datenspeicher dient MySQL, die Nutzerverwaltung findet im LDAP statt. Open-Xchange unterstützt SSL und TLS, das Frontend ist eine Ajax-Browser-Applikation. Alternativ lassen sich native Clients wie MS Outlook, Thunderbird, Kontact & Co. per Imap und Webdav.xml anbinden.
Da Open-Xchange im Gegensatz zur Konkurrenz Zarafa Server-seitig keinen eigenen Mapi-Provider implementiert, sorgt der Outlook-Connector Oxtender lediglich für eine Synchronisation der OX-Daten mit denen der lokalen PST-Dateien in MS Outlook.
Dazu kommuniziert der Oxtender via Webdav/XML mit dem OX-Server. Laut Hersteller soll es in Kürze aber einen Oxtender für Outlook geben, der einen echten Mapi-Store anbietet. Dank offener Schnittstellen ist rund um den OX-Server in den letzen Jahren eine Reihe von Thirdparty-Produkte entstanden, etwa ein Oxtender für Plesk oder Os X.
Seit Version 6.1 macht OX auch Nachrichten aus Webmailern wie GMX, Web.de oder Yahoo im Posteingang zugänglich. Zudem kann der Nutzer Kontaktdaten aus Xing, Facebook oder Linkedin in sein persönliches Adressbuch übernehmen und Kollegen zur Verfügung stellen. (Abbildung 3).