Open Source im professionellen Einsatz

POIs filtern

Neben Features wie dem Umschalten zwischen Tag- und Nacht-Modus beherrscht Navit auch das Filtern von POIs. Beim Anklicken eines Point of Interest sendet Navit ein D-Bus-Signal mit einer Liste der POI-IDs im Fangbereich. Dieses Vorgehen ist notwendig, da es durchaus vorkommt, dass mehrere POIs eng beieinander liegen und somit keine klare Zuordnung möglich ist. Mit Hilfe der Liste kann die Drittanwendung dem Anwender die POIs in einer eigenen Darstellung zur Auswahl anbieten. So sind wesentliche Konfigurationselemente der Datei »navit.xml« über D-Bus erreichbar und per Abfragefunktion (Introspection) detailliert ermittelbar.

Die implementierten Funktionen erlauben es, Navit weitgehend unabhängig vom ursprünglichen Benutzerinterface zu steuern und es in Drittanwendungen einzubetten. Mit Vorsicht zu genießen ist bei der Interprozess-Kommunikation jedoch, dass eine Anwendung, die Navit integriert, bei unbedachter Implementierung Gefahr läuft, von einem abstürzendem Navit mit in den Tiefschlaf gerissen zu werden. Ein entsprechender Funktionsaufruf durch die Rahmenanwendung würde auf eine Antwort warten und einfrieren.

Eine Lösung wäre es, Threads zur Überwachung der Kommunikation in der Rahmenanwendung zu implementieren. Im Zweifelsfall können diese aktiv den Funktionsaufruf abbrechen, den aktuellen Zustand speichern, Navit automatisch neu starten und die D-Bus-Kommunikation dann wieder neu aufsetzen.

Augmented Reality

Die Flexibilität von Navit hat in den letzten Jahren einige Folgeprojekte angeregt. An der Universität Potsdam beschäftigen sich Geografen wie Mario Kluge (Kasten "Reality View mit Navit") damit, die Liveview der Handykamera mit Informationen aus Kartendiensten, etwa für interaktives Routing, zu ergänzen.

An einem anderen Weg entwickeln derzeit Firmen, die Navit als mobile Komponente in Fahrzeugflotten verwenden. Hier soll branchenspezifische Software in der Zentrale mit den Fahrzeugen kommunizieren und diese automatisch zum nächsten Ziel leiten. Wer Navit testen will, kann dies mit der allerdings recht jungen Mandriva Navigation Edition [13] probieren.

Infos

[1] Christoph Wagner, "Alle Wege Offen": Linux-Magazin, 06/2010, S. 40

[2] Christoph Eckert, "Gute Führung": Linux-Magazin, 12/2009, S. 40

[3] Navit-Projekt: [http://www.navit-project.org]

[4] Navit-Wiki: [http://wiki.navit-project.org]

[5] Openstreetmap-Karten für Navit:[http://maps.navit-project.org/download]

[6] Espeak: [http://espeak.sourceforge.net]

[7] D-Bus: [http://freedesktop.org/wiki/Software/dbus]

[8] Gpsd: [http://gpsd.berlios.de]

[9] Android: [http://www.android.com]

[10] Maemo: [http://maemo.org]

[11] Navit Reality View: [http://wiki.navit-project.org/index.php/Navit_with_Augmented_Reality]

[12] Fußgängernavigation an der Uni Potsdam: [http://www.geographie.uni-potsdam.de/fussgaengernavigation]

[13] Mandriva Navigation Edition: [http://www.mandrivauser.de/wordpress/?+p+522]

Der Autor

Thomas Haase hat mehrere Jahre als Software-Entwickler gearbeitet und betreut bei der Tarent GmbH verschiedene OSS-Projekte als Projektmanager.

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