Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2010
© Russell Duparcq, 123RF.com

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Open-Source-Navigation mit Navit

Richtungweisend

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Navit vereint Kartenmaterial von Openstreetmap, D-Bus-Anbindung und eine eigene Augmented-Reality-Integration (AR) zur modernen Navigationsanwendung. Ob und wie sich das eigene mobile Linux-Gerät zum freien Navi eignet und was die Software kann, zeigt dieser Artikel.

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Freiheit geht vor: Das moderne Smartphone läuft mit Linux, Android oder Symbian. Natürlich hat der Open-Source-Evangelist auch im Navi längst Openstreetmap-Daten ([1], [2]). Aber fürs Navigieren kommt - vom I-Phone bis zum Milestone - meist proprietäre Software zum Einsatz, etwa Google Maps, Eigenentwicklungen der Hersteller oder Zukäufe wie bei Nokias OVI-Karten.

Damit das nicht so bleibt, entwickelt seit mittlerweile fünf Jahren eine stetig wachsende Community die Open-Source-Navigationssoftware Navit [3]. Das in C/C++ implementierte Projekt gibt es für zahlreiche Plattformen, es unterliegt der GPL und ist dank seines modularen Aufbaus sehr anpassungsfähig. Weil es Vektordaten anstelle von Rasterkarten nutzen kann, lässt es sich auch problemlos ohne Verbindung zu einem Kartenserver verwenden. Anders als die meisten Konkurrenten erzeugt es die angezeigten Maps dynamisch zur Laufzeit aus den Vektordaten. Ein Caching-Mechanismus sorgt dafür, dass Navit während einer Sitzung nicht ständig die gleichen Karten neu generiert.

2D- und 3D-Ansicht

Wie bei teuren Navigationssystemen kann der Nutzer zusätzlich zur typischen 2D-Kartenansicht in der Vogelperspektive auch in eine 3D-Ansicht wechseln. In beiden Varianten zeigt es die so genannten Points of Interest (POI), also Orte von besonderem Interesse, etwa Parkplätze, Sehenswürdigkeiten oder auch Gaststätten an (Abbildung 1). Zumindest in Städten bietet Openstreetmap hier mittlerweile eine fast unüberschaubare Datenfülle an.

Abbildung 1: Die Open-Source-Routingsoftware beherrscht auch die für viele Navigationsgeräte typische 3D-Darstellung, integriert dabei aber auch zahlreiche Points of Interest von Openstreetmap.

Das Navit-GUI (Abbildung 2) ist bewusst schlicht gehalten und bereits für die Bedienung über ein Touchdisplay und auf schmächtigen Embedded-Systemen ausgelegt. Als Grafik-Toolkit kann man unter dem Gimp-Toolkit (GTK++), dem Qt-GUI sowie der SDL-Bibliothek (Simple Direct Media Layer) wählen.

Abbildung 2: Das Hauptmenü von Navit lässt sich sowohl mit der Maus als auch auf einem Touchscreen bedienen. So funktioniert die Software sowohl auf PCs als auch auf modernen Smartphones.

Listing 1:
»navit.xml«

01 <config xmlns:xi="http://www.w3.org/2001/XInclude">
02 [...]
03 <!-- This line defines which location on the map navit will show after startup -->
04 <navit tracking="1" orientation="-1" recent_dest="10" center="5209.5 N 1328.5 E" zoom="128" zoom_max="16384" timeout="3600">
05 <!-- Use one of gtk_drawing_area, qt_qpainter or sdl. -->
06 <graphics type="gtk_drawing_area" delay="3" w="648" h="412" font_size="50"/>
07 <!-- The following line let you select which graphical user interface you'd like to use. -->
08 <gui type="gtk" enabled="no" menubar="1" toolbar="1" statusbar="1"/>
09 [...]
10 </navit>
11 </config>

Qt, GTK oder SDL

Das teilt der Benutzer Navit in der zentralen, reichlich dokumentierten Konfigurationsdatei »navit.xml« (Listing 1) mit. Die findet er entweder in »/etc/navit/« oder in »/usr/share/navit/« oder in seinem Homeverzeichnis unter ».navit/«. Letzteres ist zweifellos der beste Ort für Änderungen, denn die beiden anderen überschreibt das Paketmanagement bei Updates in der Regel. Wer mehr Infos über die zahlreichen Konfigurationsparameter braucht, wird im Projekt-Wiki [4] fündig.

Die Einstellungsmöglichkeiten umfassen neben der Konfiguration der Programmbibliotheken auch die Angabe einer Standard-Startposition, den für Entwickler relevanten Debuglevel sowie das zu verwendende Kartenmaterial. Damit dies auch offline vorliegt, gibt es mit der Website von Planet Extractor [5] einen eigenen Generator für Openstreetmap-Navit-Karten.

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