Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2010
© David Kitzmueller, Fotolia.com

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Modernes Desktop-Sharing

Fernsteuerung

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Grafische Hilfestellung, schneller Zugriff auf den Desktop von unterwegs oder die komfortable Steuerung eines bildschirmlosen Servers - Heimanwender und Administratoren profitieren gleichermaßen von Desktop-Sharing-Software. Fünf Werkzeuge für den Fernzugriff treten im Test gegeneinander an.

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Aus der Ferne auf den eigenen Bildschirminhalt zugreifen und das Bild an einen oder mehrere andere Computer übertragen - das gehört zum Standardumfang der meisten Betriebssysteme. Als Platzhirsche unter den Remote-Lösungen gelten das von Microsoft entwickelte Remote Desktop Protocol und die freie Alternative VNC (Virtual Network Computing), die auf dem Remote Framebuffer Protocol basiert.

Das Remote Framebuffer Protocol ist zwar plattformunabhängig, aber mangels Kompression relativ langsam. VNC ist zudem unsicher, weil es in seiner Urform weder Account- noch Nutzerdaten verschlüsselt. Datenübertragungen, Freigabe von SMB-Ressourcen oder der Zugriff auf lokale Hardware sind meist gar nicht möglich.

Die meisten Distributionen enthalten eine Reihe von VNC-Tools wie etwa Real VNC [1], Tight VNC [2] oder Tsclient (Terminal Server Client, [3]). Auch Gnome und KDE bringen Programme mit, die den eigenen Desktop freigeben oder auf Bildschirme entfernter Rechner zugreifen. Die VNC-Software des Gnome-Desktops Vino/Vinagre [4] sowie Krfb/Krdc (KDE Remote Frame Buffer [5], KDE Remote Desktop Client, [6]) sind zwei Testkandidaten in dieser Bitparade.

Als Alternativen empfehlen sich das unter der GPL stehende Tool Ultra VNC [7] und der kommerzielle NX-Server des italienischen Herstellers Nomachine [8]. Im April 2010 machte sich ein weiteres Programm auf, den Desktop-Sharing-Bereich unter Linux zu erobern. Die Göppinger Softwareschmiede Teamviewer GmbH veröffentlichte erstmals eine Linux-Variante ihrer Remote-Lösung [9].

Vino und Vinagre

Der VNC-Server des Gnome-Desktops heißt Vino und der dazugehörige Client Vinagre. Um den eigenen Desktop freizugeben, öffnet der Anwender den Dialog »Entfernter Bildschirm« aus dem Menü »System« | »Einstellungen« (Kommando »vino-preferences«). Per Mausklick wählt er Optionen für die Freigabe (nur Anzeige oder auch Fernsteuerung), legt ein paar Sicherheitseinstellungen fest und aktiviert das Panel-Applet.

Vinagre ist seit Gnome 2.22 der Standard-VNC-Client der Desktopumgebung. Das Tool erlaubt die gleichzeitige Verbindungsaufnahme zu mehreren VNC-kompatiblen Servern und ordnet diese Sessions übersichtlich in Tabs an (siehe Abbildung 1). Mehrfachverbindungen zu einem einzigen Server sind mit Vinagre allerdings nicht erlaubt.

Abbildung 1: Vinagre bietet eine Tab-Funktion ähnlich wie die meisten Webbrowser an. Per Mausklick wandert der Anwender im Programmfenster dann durch die Sitzungen.

Benutzerfreundlich ist die Lesezeichenverwaltung für die Zugänge. Kennwörter zur Authentisierung an entfernten VNC-Servern speichert die Anwendung im Gnome-Schlüsselbund. Vinagre nutzt außerdem Avahi, um im lokalen Netz nach VNC-Servern zu suchen.

Das Tool bietet momentan zwei Zugriffsmöglichkeiten an: Eine Terminalverbindung zu entfernten SSH-Servern, bei denen der Anwender eine Shell erhält, sowie Zugriff auf Desktops, auf denen ein VNC-Server läuft. Verschlüsselte Verbindungen etwa über einen SSH-Tunnel, Einstellungsmöglichkeiten zur Kompression und Frame-Rate fehlen zurzeit noch. An der RDP-Unterstützung für zukünftige Versionen arbeitet Vinagre-Entwickler John Wendell, wie er im Januar in seinem Blog ankündigte [10].

Krfb und Kdrc

Auch unter KDE gibt der Anwender seinen Desktop mit wenigen Mausklicks frei. Der VNC-Server Krfb bietet nach dem Start zwei Wege an, um den Bildschirm für einen VNC-Client zu öffnen: Eine Information per Mail und eine persönliche Einladung (siehe Abbildung 2). In der Voreinstellung sind die vom Server generierten Zugangspasswörter eine Stunde gültig; Krfb erlaubt aber im Hauptfenster, diese von Hand zu entfernen.

Abbildung 2: Krfbs Einladung per Mail ruft das KDE-Mailprogramm Kmail auf den Plan. Die Zugangsdaten bei der persönlichen Einladung verrät der Anwender direkt oder per Telefon.

In den Programmeinstellungen nimmt der Nutzer weitere Feinjustierungen vor und legt beispielsweise fest, dass Krfb uneingeladene Verbindungen akzeptiert. Auch die standardmäßig gesetzte Erlaubnis zur Maus- und Tastatursteuerung der Gegenstelle deaktiviert er hier. Im Gegensatz zum Gnome-Server Vino ist es darüber hinaus möglich, den Standard-VNC-Port 5900 auf einen beliebigen Wert zu ändern.

Der KDE Remote Desktop Client (Krdc) unterstützt genau wie das Gnome-Pendant Tabs und Bookmarks. Als zusätzliches Feature bietet das Tool an, die Übertragungsgeschwindigkeit anzugeben. Der Anwender kann beispielsweise zwischen hoher (LAN, direkte Verbindung), mittlerer (DSL, Kabelmodem, schnelle Internetverbindung) und niedriger Bandbreite (Modem, ISDN, langsame Internetverbindung) auswählen sowie die Zusammenarbeit mit der KDE-Passwortverwaltung Kwallet deaktivieren.

Kdrc nimmt nicht nur zu VNC-Servern Kontakt auf, sondern versteht RDP und kommuniziert daher auch mit Windows-Desktops. Eine Unterstützung für das NX-Protokoll hatten die Entwickler für KDE 4.3 zwar vorgesehen [11], dann aber doch nicht implementiert. Die Entwicklung dieses Feature scheint aber derzeit zu stagnieren [12].

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