Das lateinische "Virtus" steht für Tugend oder die Tugendhaftigkeit allgemein. Bildungsbürgerliche Kreise zitieren daraufhin gerne Ciceros "Quam non est facilis virtus! Quam vero difficilis eius diuturna simulatio!" ("Wie ist doch die Tugend nicht leicht! Wie schwer aber ist erst ihr ständiges Vortäuschen!") und schlagen dabei ungewollt eine Brücke zur Virtualisierungstechnologie der IT.
Viele Anbieter
Das ständige Simulieren von Eigenschaften erfordert auch von einem nichtmenschlichen Hypervisor eine gehörige Portion Know-how. Aber richtig eingesetzt, lassen sich damit imposante Setups zusammenbauen, wie es auch der letzte Schwerpunkt im Linux-Magazin zum Thema Cloud Computing zeigt [1]. In der Unternehmens-IT ist Virtualisierung ein Dauerthema, nicht nur bei Infrastruktur-Betreibern, ISPs und Hostern.
Seit VMware mit der Workstation Ende der neunziger Jahre faszinierende neue Nutzungsszenarien vorstellte und sich zum Trendsetter erhob, ist das Thema ein Massenmarkt geworden.
Die Konkurrenzprodukte schossen wie Pilze aus den Boden: Das Spektrum reicht von Microsofts Virtual PC, Parallels [2], Virtual Box [3], User Mode Linux [4], Open VZ [5], Virtuozzo ([6], Linux Vserver [7], Citrix/Xen [8] bis zur im Linux-Kernel enthaltenen Virtual Machine KVM [9]. Und jetzt, Jahre später kommt Red Hat und verlautbart überraschenderweise, viele Unternehmen hätten noch nicht einmal mit Virtualisierung begonnen, geschweige denn darüber nachgedacht.
Rote Hüte im Anmarsch
Natürlich haben die Marketingspezialisten mit den roten Hüten auch ein passendes Produkt im Gepäck. Ende 2008 hatte der Distributionsanbieter den KVM-Management-Hersteller Qumranet übernommen, frisch überarbeitet und angepasst kam 2009 dessen Managementsuite als Red Hat Enterprise Virtualization RHEV auf den Markt (Abbildung 1, [10]). Die integriert Werkzeuge zum Konvertieren und Importieren von VMware-Containern und Xen-Domains. Red Hat versteht sie als moderne Cloud, ähnlich wie der Platzhirsch VMwares Vsphere. Bei Redaktionsschluss war die RHEV-Version 2.1 aktuell, aber deren Nachfolger 2.2 soll bald kommen. Noch gibt es zwar nur eine Beta mit der neuen Desktop-Virtualisierung, aber unter der Haube hat Red Hat bereits einiges aufgebohrt. Die Arbeitsspeichergrenze für eine VM von 64 Gbyte ist auf 256 GByte angehoben, das Hypervisor-OS basiert jetzt auf dem Kernel von RHEL 5.5. Im Gastgeber unterstützt RHEV jetzt bis zu 96 CPU-Kerne und 1 TByte RAM.
Abbildung 1: Das RHEV-Management-Interface bietet in der Host-Liste unter »Powermanagement« die Möglichkeit, den Status aller laufenden virtuellen Maschinen abzufragen und neue zu starten.
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